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Stadion in Pristina: Eine Arena aus einer anderen Zeit

Zeitreise für das Nationalteam: Das „Stadiumi Fadil Vokrri“ versprüht einen Charme, den man international heute kaum noch findet.

Die Haupttribüne wirkt von außen modern
© Peter Altmann
Die Haupttribüne wirkt von außen modern

Vor dem Stadion thront eine Statue der Persönlichkeit, nach der es benannt ist. Fadil Vokrri, Jahrgang 1960, verstarb 2018 im 58. Lebensjahr an einem Herzinfarkt. Als Aktiver stürmte er zwölf Mal für Jugoslawien und erzielte dabei immerhin sechs Tore. Drei dieser Länderspiele fanden Ende der 80er unter der Anleitung des Teamchefs Ivica Osim statt, der später zum Jahrhunderttrainer des SK Sturm avancierte. Vokrris viel größere Lebensleistung ist tendenziell, dass er als Präsident des nationalen Fußballverbands FFK 2016 die Aufnahme des Kosovo erst in die UEFA, dann auch in die FIFA durchsetzte. Nach seinem frühen Ableben bekam die Arena in Pristina seinen Namen.

Die Hauptstadt des Kosovo hinterlässt bei Besuchern einen durchaus modernen Eindruck. In Sachen Infrastruktur ist hier viel geschehen und wird auch weiterhin gebaut. Was zeitgemäße Stadien betrifft, müssen die Architekten jedoch noch in der Planungsphase sein. Freunde von Fußballplätzen, die in den 80ern, nein eher 70ern oder noch früher, angesagt waren, kommen im Stadiumi Fadil Vokrri voll auf ihre Rechnung. Selbiges ist mitten in der Stadt gelegen und versprüht einen Charme, den man heutzutage im zunehmend durchgestylten Profibusiness immer seltener findet. Lediglich die Haupttribüne ist überdacht. Alle anderen freuen sich bestimmt, dass ein sonniger Sonntag ohne Regen vorhergesagt ist. Überkritische Bedenkenträger könnten jedenfalls einwerfen, dass der Zustand des Rasens nicht die größte Problematik dieses Stadions sein kann.

Fadil Vokrri wurde eine Statue vor „seinem“ Stadion gewidmet
© Peter Altmann
Fadil Vokrri wurde eine Statue vor „seinem“ Stadion gewidmet

Es ist jedenfalls ein interessanter Mix an Spielstätten, mit dem das Nationalteam in diesem Jahr konfrontiert ist. Neben den US-Kathedralen bei der WM und einer Vorzeigearena wie dem Aviva Stadium in Dublin gilt es eben auch in Fällen für den Denkmalschutz anzutreten, wie dem Happel-Stadion oder dem Fadil Vokrri gewidmeten Fußballplatz. Zu glauben, dass der Kosovo in der knapp 13.000 Zuschauer fassenden Spielstätte keinen Heimvorteil genießen würde, wäre jedoch ein Fehler.

Franco Foda peilt einen Sieg gegen Österreich an
© GEPA
Franco Foda peilt einen Sieg gegen Österreich an

Franco Foda weiß, wie gut die Stimmung sein kann und hofft, dass sie auch gegen Österreich zur Geltung kommt. „Wir spielen zu Hause. Wir haben das Publikum im Rücken. Das gibt der Mannschaft eine andere Energie, eine andere Kraft als im Spiel in Österreich“, unterstreicht der Nationaltrainer des Kosovo. In Wien musste er sich mit seiner Elf vor einer Woche mit 1:3 geschlagen geben: „Wir haben in den entscheidenden Momenten individuelle Fehler gemacht.“

Unter der Woche beim 0:0 im Kräftemessen mit Israel veränderte er seine Anfangsformation an sieben Positionen. Gegen das ÖFB-Team sollten einige Stammkräfte wie Kapitän Vedat Muriqi zurückkehren. Der Torjäger von Fenerbahce ist mit 33 Treffern in 70 Länderspielen der souveräne Rekordschütze seines noch jungen Landes. Auf den einen oder anderen verletzten Akteur muss Foda allerdings verzichten. So ist mit Albian Hajdari etwa ein Mitglied des Hoffenheim-Trios bereits abgereist.

Ein Überblick über das Stadion in Pristina
© APA
Ein Überblick über das Stadion in Pristina

Während Österreich mit einem Sieg den Kosovo in der Tabelle deutlich distanzieren könnte, peilen die Hausherren an, mit dem Gewinn von drei Punkten mit Rot-Weiß-Rot gleichzuziehen. „Wenn du ein Spiel beginnst, willst du es gewinnen. Das ist die DNA jedes Spielers und jedes Trainers“, verdeutlicht Foda. Die heimischen Fans würden es feiern, ganz unabhängig wie bequem die 90 Minuten davor waren.

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