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HomeschoolingForscher sieht in Schulschließung "allerletztes" Mittel

Zahlreiche internationale Studien zeigten, dass sich Kinder teils erheblich seltener mit dem Virus infizieren als Erwachsene. Die Effekte auf die Covid-19-Fallzahlen hierzulande durch den zweiten Lockdown sollten sich nun Ende der Woche zeigen.

© APA (dpa/Symbolbild)
 

Keine unmittelbare Veranlassung für Schulschließungen sieht Gerald Gartlehner, Experte für Evidenzbasierte Medizin von der Donau-Universität Krems, im Gespräch mit der APA. Zahlreiche internationale Studien zeigten, dass sich Kinder teils erheblich seltener mit dem Virus infizieren als Erwachsene. Die Effekte auf die Covid-19-Fallzahlen hierzulande durch den zweiten Lockdown sollten sich nun Ende der Woche zeigen. Aus Sicht der Forschung fehle es noch immer an Daten.

Regionale oder landesweite Studien in Europa zeigen anhand der nachgewiesenen Antikörper gegen das neue Coronavirus (Seroprävalenz), dass Kinder bisher zumindest etwas bis deutlich weniger häufig infiziert waren als ältere Bevölkerungsgruppen. In Schweden oder Belgien wurden bei Kindern weniger als halb so oft Antikörper gefunden. In regionalen Untersuchungen in Deutschland liegen die Werte im Vergleich teils noch niedriger.

Ich finde, die Schulen zu schließen ist das allerletzte, was wir tun sollten.

Gerald Gartlehner

"Das würde natürlich schon gegen derzeit diskutierte Schulschließungen sprechen, weil Kinder am Infektionsgeschehen in der Population offensichtlich weniger beteiligt sind", so der Epidemiologe, der auch Teil der sich am Donnerstag beratenden Kommission zur Corona-Ampelschaltung ist. Er werde daher in dem Gremium dafür plädieren, breitere Schulschließungen nicht zu empfehlen: "Ich finde, die Schulen zu schließen ist das allerletzte, was wir tun sollten."

Risiko Einkaufen

Was die ersten Wirkungen des zweiten Lockdowns betrifft, hieße es aktuell noch Abwarten: "Wenn die Maßnahmen wirken, dann müsste man gegen Ende der Woche eine Stabilisierung der Zahlen, im Idealfall vielleicht einen Rückgang sehen", sagte Gartlehner. Sei dem nicht so, müsse über weitere Maßnahmen nachgedacht werden. Dass sich Tausende Menschen bei einer Geschäftseröffnung oder in Einkaufszentren zusammenrotten, "ohne dass das gegen irgendwelche Regeln verstößt", sollte es jedenfalls nicht mehr geben. "Ich glaube, auch Homeoffice müsste noch mehr forciert werden", so der Wissenschafter.

Immer gleiche Grundsatzdiskussion

Die Politik habe sich in eigentlich allen Ländern leider kaum damit beschäftigt, Möglichkeiten zur Evaluation zu schaffen, welche Maßnahmen in welcher Kombination tatsächlich wirksam sind. Ob und wie Schulschließungen wirken, lasse sich erst dann sagen, wenn dies bei sonst gleichen Maßnahmen zufällig ausgewählt in manchen Region gemacht wird und in anderen nicht. Würde derartiges einmal durchgespielt, entstehe nicht immer die gleiche Grundsatzdiskussion. "Wir hätten dann wirklich Zahlen, um die Maßnahmen viel gezielter einzusetzen", betonte Gartlehner. Weiters brauche es hierzulande auch eine gesellschaftspolitisch-ethische Diskussion darüber, wie sehr man die Chancen junger Menschen insgesamt im Verlauf der Krise eigentlich schmälern darf.

Quarantäne macht Sinn

Im Rahmen des unabhängigen Wissenschafter-Netzwerks "Cochrane", dessen Teil der Forscher ist, werde momentan viel über die Genauigkeit und den sinnvollen Einsatz unterschiedlicher Tests diskutiert. In den vergangenen Monaten konnte der Verbund in Überblicksstudien etwa klar zeigen, dass Quarantänemaßnahmen wissenschaftlich belegbar Sinn machen. "Allerdings nur, wenn davor das Testen, Tracen und die rechtzeitige Benachrichtigung funktionieren", so Gartlehner. Leider sei der Aufbau eines effizienten Systems in Österreich verabsäumt worden. Er hoffe nun, dass effektiv eingesetzte, qualitativ gute Antigen-Schnelltests Entlastung bringen.

"Nicht-Funktionieren des ganzen Systems"

Dass sich zuletzt die epidemiologische Situation derart aufgeschaukelt hat, sei jedenfalls keineswegs nur in erster Linie ein Versäumnis der Bevölkerung, sondern zumindest auch dem "Nicht-Funktionieren des ganzen Systems" geschuldet. Die Verzögerungen bei Tests und Absonderungsbescheiden seien ja auch bei deutlich niedrigeren Verdachts- und Fallzahlen da gewesen: "Da liegt - glaube ich - schon auch viel Verantwortung bei den Entscheidungsträgern, die nicht wirklich gut vorbereitet in den Herbst gegangen sind."

Was wenig Sinn macht

Kaum Sinn macht laut diversen Studien jedenfalls Fiebermessen an den Grenzen oder beim Betreten von Krankenanstalten, sowie Tests an Bevölkerungsgruppen, bei denen nicht mit einer Infektion zu rechnen ist, wie in Österreich etwa die Programme in der Hotellerie und Gastronomie. Da hier viele Personen ohne medizinisch-epidemiologischen Grund ins Blaue hinein getestet werden, laufe man auch Gefahr eine gewisse Anzahl falsch positiver Resultate - mit all ihren negativen Effekten bis hin zu Betriebsschließungen - zu produzieren. Nicht zuletzt koste das Test-Ressourcen und trage zu längeren Wartezeiten auf Ergebnisse dort bei, wo es echte Verdachtsfälle gibt, so der Experte.

Er verstehe nicht, warum etwa "150 Millionen in sinnlose Tests im Tourismus" gesteckt werden, und es gleichzeitig für wissenschaftliche Forschung, die bei der Pandemie-Bekämpfung wichtige, belastbare Informationen liefern könne, kaum Mittel gibt. "Das zeigt auch, wie wenig wertgeschätzt die Forschung ist", sagte Gartlehner: "Wir fischen immer im Trüben, solange wir nicht die Zahlen haben, die uns belegen, ob eine Maßnahme wirkt oder nicht wirkt." Das zu ändern, sei auch eine Bringschuld der Entscheidungsträger gegenüber der Bevölkerung.

Kommentare (3)
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BachHendl
1
3
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Und wann will man dieses „allerletze Mittel“ dann ansetzen?

Wenn in den Kliniken die Triagen schon laufen – oder wie? … Oder möchte man uns noch weiter für so blöd verkaufen und uns weiß machen, dass es ausgerechnet – und nur dort in den Pflichtschulen - so quasi „coronafreie“ und völlig covidbefreite Biosphären geben soll?!

Abgesehen von der grundsätzlichen Unmöglichkeit - eine vernunftgesteuerte und auf Einsicht und Verständnis beruhende verlässliche Einhaltung der Maßnahmen ist bei 6-15-Jährigen faktisch UNMÖGLICH! … Die BR sollte sich mal mit den Klinik-Vorständen diverser Intensivstationen in Verbindung setzen – da braut sich was zusammen, was medizinisch an Kriegszeiten erinnert.
Unverständlich, dass man noch immer tagtäglich 1000de Schulen offen hält – das sind „Verteiler- und Verbreitungszentren“ – und die politisch Verantwortlichen – von Wien bis nach Kärnten – sollten endlich mal checken, dass jetzt aber Schluss sein muss, um diversen Lobbys noch immer folgsam zu Diensten zu sein. Bald beginnt der Show-down … wenn´s nicht eh schon zu spät ist …

Schon vor etlichen Tagen von namhaften Wissenschaftlern dringendst geraten (besser schon gestern, als heute): Sperrt endlich die Schulen zu!

GanzObjektivGesehen
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7
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... dass sich Kinder...

...TEILS ERHEBLICH SELTENER mit dem Virus infizieren als Erwachsene ? Das ist die wissenschaftliche Meinung des „Experten für Evidenzbasierte Medizin“ ? Wir sind verloren.

Ich bin auch nicht der Meinung das ein Lockdown die Chancen „unserer Jugend“ gefährdet. Natürlich gibt es Kinder die in der Schule Schwierigkeiten haben. Und es gibt auch Kinder für die der Heimunterricht aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Genau so real sind für viele die Probleme mit der Betreuung. Aber doch nicht bei allen !!!

Es gibt viele Ideen die in ihrer Summe helfen würden die Situation zu entschärfen. Alle wollen immer Selbstbestimmung und Freiheit. Wenn man diese dann einmal sinnvoll einsetzen könnte wird wieder nach Regeln und Fremdbestimmung geschrien....

UHBP
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Er verstehe nicht, warum etwa "150 Millionen in sinnlose Tests im Tourismus" gesteckt werden, und es gleichzeitig für wissenschaftliche Forschung, die bei der Pandemie-Bekämpfung wichtige, belastbare Informationen liefern könne, kaum Mittel gibt. "Das zeigt auch, wie wenig wertgeschätzt die Forschung ist", sagte Gartlehner: "Wir fischen immer im Trüben, solange wir nicht die Zahlen haben, die uns belegen, ob eine Maßnahme wirkt oder nicht wirkt." Das zu ändern, sei auch eine Bringschuld der Entscheidungsträger gegenüber der Bevölkerung.

Der Tourismus hat halt eine "Adlergruppe", die der Regierung einflüstert.
Die Forschung bestenfalls ein "Mäuschen". Da muss man schon verdammt gut hören.