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Isolation als "einziger Weg"Kampf gegen Krankheit in China in "kritischer Phase"

Sprecher Mi Feng sagte am Mittwoch vor der Presse in Peking, die eingeleiteten drastischen Maßnahmen seien "der einzige Weg, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern".

© APA/AFP/NOEL CELIS
 

Der Kampf gegen das Coronavirus in China ist aus Sicht der nationalen Gesundheitskommission in einer "kritischen Phase". Sprecher Mi Feng sagte am Mittwoch vor der Presse in Peking, die eingeleiteten drastischen Maßnahmen seien "der einzige Weg, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern". Auch die Isolation - von Erkrankten, Verdachtsfällen oder Risikopersonen - sei effektiv.

Ältere Menschen litten besonders unter der Lungenkrankheit, weil sie häufig auch chronische andere Krankheiten hätten, sagte Feng Zijian, Vizedirektor des chinesischen Gesundheitsamtes. "So ist das Risiko bedeutend höher." Ältere Menschen sowie Kinder und Säuglinge seien leichter infizierbar, warnte er.

Reisende, die in der schwer betroffenen Metropole Wuhan waren, würden aufgefordert, zwei Wochen zuhause zu bleiben und engen Kontakt zu anderen Menschen zu meiden, sagte der Atemwegsexperte Zhan Qingyuan. Als generelle Schutzmaßnahme empfahl er allen Chinesen, eine Atemmaske zu tragen, wenn sie Nahverkehrsmittel benutzen oder öffentliche Plätze besuchen.

Als radikale Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie hat China rund 45 Millionen Menschen in Zentralchina praktisch von der Außenwelt abgeschnitten, indem Flugverbindungen sowie jeder Nah- und Fernverkehr unterbrochen wurden. Auch wurden in vielen anderen Regionen der Überlandverkehr mit Bussen ausgesetzt. Die Behörden haben ferner Veranstaltungen und Sportwettbewerbe abgesagt, um Ansammlungen von Menschen zu vermeiden.

Bürger werden ausgeflogen

Angesichts der weiteren Ausbreitung des neuen Coronavirus evakuieren Länder wie Japan und die USA ihre Staatsbürger aus China. Derzeit laufen auch Abstimmungen mit chinesischen und hessischen Behörden, um Deutsche auszufliegen. Die Maschine solle dann in Frankfurt landen, sagte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch.

Etwa 100 ausreisewillige Deutsche hätten sich gemeldet. Menschen mit Krankheitssymptomen würden aber nicht an Bord gelassen.

In China stieg die Zahl der Toten unterdessen von 106 auf 132 an. Fluggesellschaften wie British Airways und die indonesische Lion Air wollen ihre Flüge in das Land stoppen. British Airways stellt die Buchung von direkten Flügen von London in die Volksrepublik ein. Alle Verbindungen würden mit sofortiger Wirkung eingestellt, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die AUA und ihre Mutter Lufthansa fliegen vorerst weiter nach China.

Arbeit an Impfstoff

Wissenschafter arbeiten unterdessen mit Hochdruck an einem Impfstoff. Bis Dienstag wurden 1.459 neue Erkrankungen gemeldet, damit gibt es inzwischen fast 6.000 Krankheitsfälle - die meisten davon in China. Außerhalb Chinas sind bisher 15 Länder betroffen, darunter die USA, Frankreich und Singapur. In Deutschland gibt es vier bestätigte Fälle.

In Tokio landete am Mittwoch eine Maschine mit 206 Japanern, die sich zuvor in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan aufhielten. Sie gilt als Ausgangspunkt des neuen Virus und wurde praktisch von der Außenwelt abgeriegelt. Laut US-Diplomaten zufolge verließ auch eine US-Chartermaschine mit 220 Menschen an Bord Wuhan. Die US-Regierung prüft zudem die Aussetzung von Flügen nach China. "Alle Optionen für den Umgang mit der Ausbreitung von Infektionskrankheiten müssen geprüft werden, einschließlich Reisebeschränkungen", sagte US-Gesundheitsminister Alex Azar.

Die Regierung in Australien hat einigen ihrer Staatsangehörigen bei der Rückkehr aus der vom Virus am stärksten betroffenen Provinz Hubei Hilfe zugesagt. Sie sollen auf der Weihnachtsinsel, ein australisches Territorium im Indischen Ozean, zunächst unter Quarantäne gestellt werden. Briten, die aus Wuhan zurückkehren, sollen einem Medienbericht zufolge zwei Wochen in Quarantäne. Das berichtet die BBC unter Berufung auf Gesundheitsminister Matt Hancock.

Sieben Österreicher in Hubei

In der vom Coronavirus besonders betroffenen chinesischen Provinz Hubei befinden sich auch sieben Österreicher. Sie alle sind wohlauf und sollen noch vor dem Wochenende heimgeholt werden, hieß es vom Außenministerium am Mittwoch auf APA-Anfrage. Bisher gab es in Österreich sechs Coronavirus-Verdachtsfälle, alle Patienten wurden aber negativ getestet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigte sich zuletzt zuversichtlich, dass China den Ausbruch des Virus in Schach halten kann. Weltweit wachsen aber die Sorgen, auch vor dem Einfluss des Virus auf die weltweit zweitgrößte Wirtschaft. "Unserer Ansicht nach steht das Schlimmste noch bevor", erklärten die Experten der japanischen Bank Nomura. Sie warnten kurzfristig vor einem schweren Schlag für Chinas Wirtschaft. Die Hongkonger Börse ging am ersten Handelstag nach dem chinesischen Neujahrsfest auf Talfahrt, die Börse Shanghai bleibt noch den Rest der Woche geschlossen.

In der südchinesischen Stadt Shenzhen haben einem Medienbericht zufolge klinische Studien zum möglichen Einsatz von HIV-Medikamenten gegen das Virus begonnen. Das berichtet die staatlich unterstützte Finanzzeitung "Securities Times" unter Berufung auf einen Beamten der nationalen Gesundheitskommission.

Wissenschafter in Australien erklärten unteressen, ihnen sei die Reproduktion des neuen Coronavirus im Labor gelungen. Der Durchbruch könnte dazu beitragen, die weltweite Ausbreitung der Krankheit zu bekämpfen. "Mit dem echten Virus haben wir jetzt die Möglichkeit, alle Testmethoden zu validieren und zu verifizieren und ihre Empfindlichkeiten und Besonderheiten zu vergleichen", sagte Julian Druce vom Peter Doherty Institut für Infektion und Immunität in Melbourne. Die gezüchtete Virusprobe könne so bei der Entwicklung eines Impfstoffs helfen. Russland und China arbeiten nach russischen Angaben zusammen an einem Impfstoff. Peking habe das Erbgut des Virus an Russland übergeben, teilt das russische Konsulat in Guangzhou mit.

 

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