Sturms Oumar Diakité: „Graz ist immer Schwarz-Weiß“
Der Sturm-Angreifer erzielte beim 6:1-Derby-Sieg den ersten Triplepack seiner Karriere und wünscht Daniil Khudyakov alles Gute.
Als die Sturm-Spieler den 6:1-Kantersieg gegen den GAK mit den eigenen Fans zelebrierten und sein Trikot beim Jubeln in die Höhe hielten, wurde Daniil Khudyakov bereits operiert. Die genaue Diagnose stand gestern nicht fest. Aber es soll sich um einen glatten Bruch von Schien- und Wadenbein handeln, den sich der 22-Jährige beim Zusammenstoß mit Jacob Italiano zugezogen hatte. Diese schwere Verletzung in der 22. Minute hatte Auswirkungen auf alle, die es gesehen haben bzw. unmittelbar dabei waren. In den Gesichtern der Spieler war Sekunden nach dem Zusammenprall blankes Entsetzen zu sehen. Das rechte Bein des Tormannes stand nicht mehr in jene Richtung, die es bei unverletzten Personen tut. Gemeinsam machten alle Akteure auf dem Feld einen Kreis, während die Ärzte den Schwerverletzten behandelten.
Im Stadion wurde es zuerst ruhig und beim Abtransport klatschten fast alle der 17.247 Stadionbesucher. Also alle, die wegen des Fußballs ins Liebenauer Oval gekommen waren.
Fünf grausame Minuten
Khudyakov beeinflusste das Spielgeschehen. Die Schwarz-Weißen wandelten den Schockmoment in einen Energieschub um. Die Rotjacken, die zu diesem Zeitpunkt durch einen Treffer von Christopher Cvetko (10. Minute) mit 1:0 in Führung lagen, verloren den spielerischen Faden. Allen voran Italiano, der Khudyakov ohne böse Absicht getroffen hatte. „Ich glaube, es war die Szene, die das Spiel zum Kippen gebracht hat“, sagte GAK-Trainer Gerald Scheiblehner und führte weiter aus: „Du siehst dann, wie schwer der Spieler verletzt ist, dann macht das was mit dir, mit deinem Kopf und mit dem Gefühl im Körper. Du bist dann vielleicht vorsichtiger, nicht mehr so aggressiv. Und die Sturm-Spieler haben dann für ihren Kollegen einfach noch mehr gefightet. Sie wollten das Spiel drehen für den Kollegen. Ich glaube, das war von der Energie her wahrscheinlich der Umschwung in dem Spiel. Bis dahin waren wir gut im Spiel. Es tut mir für den Spieler extrem leid, denn solch eine schwere Verletzung ist für eine sportliche Karriere ein Rückschlag.“ Die Niederlage werde man aufarbeiten. Niederlagen gehören zum Fußball. „Aber wir werden wegen diesem Ergebnis nicht alles ändern, sondern an unserem Weg festhalten“, sagte Sportdirektor Tino Wawra, der von „fünf grausamen Minuten“ sprach, „in denen wir das Spiel hergegeben haben“.
Die coole Sturm-Truppe
Sturm-Trainer Fabio Ingolitsch war voll des Lobes über seine Mannschaft: „Wir wollten unseren Fans den Derby-Sieg schenken. Und dann wollten wir es auch für ‚Khudi‘ gewinnen. Ich denke, jeder hat dann noch ein, zwei Prozent mehr gegeben und ich finde, wir sind als hochverdienter Sieger vom Platz gegangen.“ Ingolitsch weiß, dass er mit einer charakterstarken und eingeschweißten Truppe arbeitet. Gestern folgte praktisch eine Liebeserklärung, indem er sagte: „Es ist mit Abstand die coolste Mannschaft, die ich jemals trainiert habe.“
Einer aus der coolen Truppe zeigte sich gestern spielfreudig und mit seinem ersten Triplepack in seiner Karriere treffsicher. „Graz ist immer Schwarz-Weiß“, sagte Oumar Diakité und wünscht – wie alle seine Kollegen – Khudyakov alles Gute. „Es war ein spezielles Spiel und ehrlich gesagt, habe ich noch nie so eine Stimmung erlebt, auch nicht in Frankreich. Ich kenne die Sturm-Fans schon, aber ich war diesmal von dieser Atmosphäre wirklich überrascht. Mit dem Sieg konnten wir unseren Fans etwas zurückgeben“, sagte der Stürmer. Luca Weinhandl brachte Sturm mit dem Ausgleichstreffer auf die Siegerstraße und sagte: „Dass ich im Derby das 1:1 schießen durfte, war schon ein sehr schönes Gefühl.“


