Ralf Rangnicks Bilanz: „Probleme“, die jeder Trainer gerne hat
Österreich schloss diesen Nations-League-Lehrgang mit acht Punkten aus vier Spielen ab. Der Teamchef hat viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen.
Nachdem Ralf Rangnick seinen Ärger über den Rasen in Pristina noch einmal zu Protokoll gegeben hatte („Eine einzige Katastrophe, der Nations League unwürdig“), bemühte er sich noch versöhnliche Worte über Land und Leute im Kosovo zu finden. Speziell einige herausragende Akteure des Gegners wie Fisnik Asllani („Herausragendes Talent“) oder Edon Zhegrova („Was der mit dem Ball alles veranstaltet, da gibt es in Europa nicht so viele, die auf diesem Niveau sind“) haben es ihm angetan. Der ÖFB-Teamchef wusste genau, dass es kein Selbstläufer war, im Stadiumi Fadil Vokrri zu punkten und nach dem 1:1-Remis den Lehrgang positiv bilanzieren zu können.
Zufriedenstellender Neustart: Wenn man bedenkt, wie umkämpft drei der vier Spiele waren, ist die Ausbeute von acht Punkten zum Auftakt der Nations League mehr als in Ordnung. „Die Auswärtsspiele waren alles andere als einfach“, unterstrich Rangnick. Sowohl beim 2:2 in Irland, als auch in Pristina bewies das ÖFB-Team nach Rückständen Moral. „Das ist ein Zeichen, dass die Energie in der Mannschaft da ist“, so der Teamchef erfreut. Genau dies war beim Neustart nach der EM eines der größten Ziele. Tabellarisch könnte im November bereits mit einem Heimsieg gegen Irland der Gruppensieg fixiert werden. Wobei der Teamchef bei aller Zufriedenheit ebenfalls klar festhielt: „Dass wir immer noch Luft nach oben haben, wissen wir.“

Zahlreiche Torschützen: Neun Treffer erzielte Österreich in diesen vier Partien, neun verschiedene Torschützen jubelten. Romano Schmid, Phillipp Mwene, Sasa Kalajdzic, David Affengruber, Junior Adamu, Carney Chukwuemeka, Alexander Prass, Michael Gregoritsch und nun Christoph Lang schrieben an und damit auch persönliche Erfolgsgeschichten. Erste Länderspieltore zogen sich wie ein roter Faden durch die vergangenen zwei Wochen. Rangnick erinnerte daran, wie viele Scorer aus der Vergangenheit beginnend mit Rekordschütze Marko Arnautovic diesmal nicht zur Verfügung standen: „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir das wegstecken. Ein Schnitt von mehr als zwei Toren pro Spiel hat mir sehr gut gefallen.“
Im Moment ist es eine ganz offene Situation, aber im Tor muss man sich gar keine Sorgen machen.
— Ralf Rangnick
Die T-Frage: Ärgerlich ist im Gegenzug, dass es in jeder Partie zumindest ein Gegentor setzte. Damit spielte Österreich inklusive WM das achte Mal hintereinander nicht zu Null, in Pflichtspielen wartet man gar schon fast ein Jahr seit dem 2:0 auf Zypern. An den Torhütern lag es nicht. Der Betreuerstab setzte auf Rotation, im Kosovo war wieder Alexander Schlager an der Reihe. „Er hat Bälle gehalten, die er nicht unbedingt halten muss“, lobte Rangnick. Da der WM-Goalie bei Werder nur Reservist ist, dürfen jedoch auch Christian Zawieschitzky, Florian Wiegele und Lukas Jungwirth in eigener Sache hoffen. „Im Moment ist es eine ganz offene Situation“, bekundete Rangnick, „aber im Tor muss man sich gar keine Sorgen machen.“

Potenzielle Rückkehrer: Konrad Laimer stieg bereits im Laufe dieses Lehrgangs wieder ein, David Alaba und Christoph Baumgartner könnten ab November wieder mit von der Partie sein. „Bei David muss man schauen, wie er bei Udinese ankommt“, meinte Rangnick, der am 25. Oktober beim Heimspiel gegen Milan vor Ort sein möchte. Baumgartner könnte in ein, zwei Wochen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen: „Wenn er vorher einige Spiele bei Leipzig machte, gehe ich davon aus, dass auch er ein Kandidat ist.“
Die Kaderbreite: Es gibt Probleme, die man als Trainer gerne in Kauf nimmt, die Qual der Wahl gehört dazu. Bei dieser Zusammenkunft sei niemand abgefallen, im Gegenteil, einige machten Werbung in eigener Sache. Dazu kommen etablierte Kräfte, die zurückkehren könnten. Zudem könnten auch die perspektivisch hoffnungsvollsten Kräfte aus der U21 ein größeres Thema werden, als sie es diesmal ob wichtiger EM-Qualifikationsspiele waren. „Das macht die Aufgabe für uns nicht einfach, aber so wollen wir es haben“, verdeutlichte der Teamchef, „wir wollen einen richtigen Konkurrenzkampf mit mindestens zwei Spielern auf jeder Position haben.“
