Trubel trifft Tracht und Tradition beim rekordreifen Aufsteirern
Aufsteirern, das ist auch Rebenadel mit Salatkrone, ein 79. Geburtstag in der Sonne, ein Kraftakt nach dem Sturz vom Traktor und Aufregung vor dem großen Auftritt.

Die Sonne kitzelt Gudrun Sommer und Franz Wiedner an den Nasen. Er hat am Sonntag seinen 79. Geburtstag und sie einen guten Sitzplatz für sie beide am Freiheitsplatz organisiert. Die beiden sind wie Abertausende an diesem Sonntag echte Aufsteirern-Fans. 250.000 Besucherinnen und Besucher am Wochenende und somit einen neuen Rekord sollten die Veranstalter am Nachmittag melden. Sommer ist Kennerin, sie schwärmt vom „Einmarsch der Trachten“, wie es ihn früher gegeben hat. Die Volkstänzer auf der Bühne begrüßen unterdessen die ersten Gäste launig mit „guten Morgen – oder guten Abend, denn ein paar von uns haben durchgemacht.“
Einen Platz weiter atmet Wolfgang Mally durch. Der Aufbau ist vorüber, der Abbau noch weg. Der ehemalige Szene-Wirt hat mit Veranstalter Markus Lientscher in eine Marktnische gestoßen – mit „Quick up“, das sind mobile und platzsparende Hütten für Events. Das Aufsteirern ist ihr Heimspiel, rund 90 der Hütten bevölkern die Innenstadt.
Rebenadel
Eine Krauthäuptel-Krone, die gibt es nicht mobil, sondern im Innenhof der Landwirtschaftskammer. Da macht der Rebenadel, konkret die steirischen Weinhoheiten Cäcilia Skoff, Julia Perner und Sandra Purkhart, gerne eine Ausnahme und posiert für ein Foto. Für „Königin“ Skoff ist das erste Mal beim Aufsteirern, sonst half sie stets bei der Weinlese. Für Purkhart sei es das zweite Mal, die Familie (Buschenschank Schneiderannerl) hat dort einen Stand. Am Samstag half sie aus, Titel hin oder her.
Auch für die Murtaler Bäuerinnen, die emsig Rosenkrapfen und Topfenmäuse backen, ist der Sonntag ein arbeitsreicher. Aber für „Aufsteirern“ standen sie gerne zeitig auf, die „Stubensound Musi“ (Familienmusik Kasper und Sommer) ebenso. Bis zum Auftritt im Lesliehof dürfen es Martin, Paul und Peter in den Sonnenliegen aber noch ruhig angehen. Aufregung schwingt mit, auch bei einem traditionsreichen Trachtenverein wie den Roßeckern, bevor es zum Auftritt auf die Bühne geht.

Vom Traktor gefallen
Den Aufsteirern-Sonntag nutzen ebenso Hannah Pirstinger und die Landjugend von Graz Umgebung, um von sich reden zu machen. Beinahe hätte es Obmann Martin Hofstätter nicht geschafft, wie er mit einer dick bandagierten Hand berichtet. Bei Arbeiten am Traktor sei er am Samstag „eineinhalb Meter hinabgestürzt“. Gebrochen sei zum Glück nichts, aber ordentlich gestaucht.
Apropos Glück: Wenn sich Trachtenträger im Kreis vor dem Casino Graz aufstellen, dann nicht, weil sie etwas am Boden suchen. Vielmehr gibt es beim Riesen-Roulette für alle eine kleine Überraschung. Zu Gunsten von „Steirer helfen Steirern“ spendete das Casino mit Manuel Haderer einen namhaften Betrag, die Passanten und Besucher zückten ebenso gerne die Geldbörse.
Dass für zwei Glas Soda 15 Euro am Standl zu berappen sind, wollte manchen Besuchern im ersten Moment nicht recht einleuchten. Erst beim Blick auf die Rechnung klärte sich: Da ist ja der Einsatz von jeweils fünf Euro für die Glaskrüge inkludiert. Überhaupt: So ein Fest ist nur einmal im Jahr.
Frag nach beim steirischen Heimatwerk: „Wir hatten Auslandesösterreicher aus der Schweiz da, die haben übers Wochenende verlängert“, schwärmt Anita Schmid. Neben ihr, quasi mit „einer Träne im Knopfloch“, Simon Koiner-Graupp. Er ist sein letztes Festival als Volkskultur-Steiermark-Geschäftsführer. „Aber ich freue mich, es einmal ganz privat zu besuchen.“








