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Christian Schwab: „Ich hoffe noch lange fürs Fernsehen oder Kabarett zu schreiben“

Der Lavanttaler Christian Schwab (47) ist Kabarettist, Autor und Teil der „Comedy Hirten“. Über seine Anfänge, Grenzen der Parodie, Heimat und Vorbilder, mit denen er zusammenarbeitet.

Mann mit braunen Haaren und Brille sitzt auf einem Geländer, lacht in die Kamera und hinter ihm ist ein See
© Peter Rass
Christian Schwab ist Kabarettist, Autor und Teil der „Comedy Hirten“
Eva Kapeller
Redakteurin der Regionalredaktion Völkermarkt/Lavanttal

Wenn Sie heute zurückblicken: Wann war Ihnen klar, dass Comedy mehr als ein Hobby werden könnte?

Relativ früh. Ich habe den Radiosender Ö3 und die Comedy dort verfolgt, gleichzeitig hat mich die österreichische Kabarettszene mit Alfred Dorfer, Andreas Vitásek oder Josef Hader fasziniert. Auch die Harald-Schmidt-Show war für mich ein Fixpunkt. Ich habe damals das erste Solo von Dorfer auf VHS gesehen und mir gedacht: Das will ich machen. Gleichzeitig habe ich beim Radio gearbeitet und mich auf der Bühne ausprobiert. So ist daraus ein Beruf geworden.

Nicht nur Sie, sondern auch Ihre Geschwister sind künstlerisch tätig. Ist euch das in die Wiege gelegt worden?

Das kann man so sagen. Mein Vater war neben der Leitung der Theatergruppe „Kultur-aktiv“ als Sprecher und Moderator bei Kulturveranstaltungen tätig, meine Mutter hat im Hintergrund alles organisiert. Wir sind mit Theater und Kultur aufgewachsen. Bei mir hat sich allerdings relativ schnell die Parodie-Ecke herauskristallisiert. Ich habe schon als Kind Lehrer oder Verwandte imitiert. Meine erste öffentliche Parodie war dann der Schulwart in der Hauptschule St. Andrä.

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Zusammen mit Gernot Kulis, mit dem ihn eine lange Freundschaft verbindet
Zusammen mit Gernot Kulis, mit dem ihn eine lange Freundschaft verbindet © Peter Just

Was fasziniert Sie bis heute am Imitieren?

Ich habe einfach immer auf Stimmen und Sprachweisen reagiert. Wenn jemand einen bestimmten Dialekt oder eine besondere Art zu reden hat, fällt mir das auf. Natürlich wurde ich als Kind auch darin bestärkt: Wenn man beim Familienessen jemanden imitiert und alle lachen, macht man das wieder. Dasselbe passierte in der Schule mit Lehrern.

Welche Ihrer Figuren ist Ihnen besonders gut gelungen?

Am besten gelingen mir jene, deren Original ich persönlich kennengelernt habe. Thomas Müller etwa, den ich als Profiler parodiert habe. Auch Sebastian Kurz, den ich mir im Wahlkampf genauer angeschaut habe, oder Jörg Haider – meine erste Paraderolle –, mit dem ich einige Interviews geführt habe. Wenn man jemanden wirklich erlebt, bekommt man viel mehr mit als nur die Stimme.

Sie haben viele Prominente getroffen. Gab es unangenehme Begegnungen?

Erstaunlich wenige. Eine Enttäuschung war Lothar Matthäus. Den habe ich fußballerisch toll gefunden. Ich bin extra nach Bad Kleinkirchheim gefahren, um ein Interview mit ihm zu machen. Er hat mich immer wieder vertröstet und irgendwann gesagt, er habe keine Lust.

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Schwab mit Andreas Vitásek 
Schwab mit Andreas Vitásek  © KK/Privat

Sind Ihre Helden dem Sprichwort „Never meet your heroes“ gerecht geworden?

Nein, zum Glück nicht. Ich habe viele meiner Vorbilder, wie Alfred Dorfer, später kennengelernt und arbeite heute teilweise mit ihnen zusammen. Es ist für mich schön, dass ich zum Beispiel für Andreas Vitasek Texte schreiben darf.

Eine Ihrer bekannteren Figuren war „Sepp Schnorcher“ – also Ihre Parodie auf Moderator Sepp Forcher...

Er konnte anfangs nicht wirklich etwas damit anfangen. Ich habe ihn aber sehr gemocht. Ich finde, im Idealfall sollte man eine gewisse Sympathie für jemanden haben, den man parodiert. Sein Redakteur wollte mich damals sogar für eine Gegenüberstellung in die Sendung holen. Ich habe zugesagt – dann kam nie wieder ein Rückruf. Später habe ich erfahren, dass er offenbar nicht unbedingt begeistert davon war. Am Ende hat er aber mit der Parodie ganz gut leben können.

Wo liegen für Sie die Grenzen einer Parodie?

Private Dinge sind für mich tabu. Wenn jemand etwas im Vertrauen erzählt oder es um die Familie geht, gehört das nicht auf die Bühne. Auch Menschen, die in einer schwachen Position sind, möchte ich nicht bloßstellen. Ich finde es viel eleganter, wenn man auf Augenhöhe arbeitet. Gleichzeitig darf eine Parodie natürlich wehtun. Niki Lauda etwa war ein großer Fan davon, parodiert zu werden, weil er gesagt hat: Das stärkt die eigene Marke. Ich glaube sogar: Für einen Prominenten ist es fast schlimmer, nicht parodiert zu werden.

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Die „Ö3 Comedy Hirten“ in ihren Anfängen, Schwab ganz rechts
Die „Ö3 Comedy Hirten“ in ihren Anfängen, Schwab ganz rechts © APA / Thomas Jantzen

Was hält die „Comedy Hirten“ so lange zusammen?

Dass wir uns wirklich mögen. Wenn man fünf Tage gemeinsam unterwegs ist, denkt man vielleicht am sechsten: „Ich brauche meine Ruhe.“ Aber wehe, am siebten Tag ruft keiner an. Natürlich gehen wir uns manchmal auf die Nerven. Jeder hat seinen eigenen Vogel. Wenn wir alle gleich wären, könnte einer von uns die Arbeit auch allein machen.

Sie arbeiten auch als Autor, unter anderem für „Gute Nacht Österreich“. Geht man auf Ihre Website, erscheint unter Projekte nichts. Wollen Sie diese verstecken oder wie sieht die berufliche Lage aus?

Das ist keine große Strategie, sondern schlicht Faulheit beziehungsweise Zeitmangel. (lacht). Ich habe zum Glück genug zu tun. Ein Vorsatz für 2027 könnte sein, sie wieder auf Vordermann zu bringen.

Worauf sind Sie beruflich besonders stolz?

Eigentlich auf das Gesamtpaket. Ich mache das seit meinem 20. Lebensjahr professionell und habe es geschafft, auch durch schwierige Zeiten hindurch immer wieder auf die Bühne zu gehen und abzuliefern. Ich glaube, das ist etwas, worauf ich stolz sein kann. Gleichzeitig denke ich mir manchmal: Mit 20 war man viel unbekümmerter. Je mehr man sich aufgebaut hat, desto größer wird auch die Angst vor der Fallhöhe.

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Christian Schwab mit Redakteurin Eva Kapeller im Sommergespräch
Christian Schwab mit Redakteurin Eva Kapeller im Sommergespräch © Peter Rass

Was verbinden Sie mit Ihrer Heimat St. Andrä?

Geborgenheit, Gemeinschaft, Kultur und viel Spaß. Wir hatten noch keine „Event-Kindheit“. Wir waren nach der Schule draußen, haben Fußball gespielt und uns mit anderen Kindern getroffen. Ich muss aber auch sagen, dass heute hier am Mettersdorfer See – ein paar Meter weg von meinem Elternhaus – auch eine gewisse Traurigkeit mitspielt. Das Unglück hier vor vier Jahren stimmt mich nach wie vor nachdenklich, nicht nur als Vater.

Was sind Ihre drei Tipps für ein Wochenende im Lavanttal?

Ich würde den gesamten Lavanttal-Radweg empfehlen und dann mehrere Dinge damit verbinden, wozu auch eine Lavanttaler Jause zählt. Dann ein Fußballspiel des WAC anschauen. Und als Drittes eine Theatervorstellung meines Bruders besuchen, wenn gerade eine läuft. Es ist erstaunlich, was hier kulturell auf die Beine gestellt wird.

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Schwab ist unter anderem Autor bei „Gute Nacht Österreich)
Schwab ist unter anderem Autor bei „Gute Nacht Österreich) © KK/Privat

Sie sind viele Marathons gelaufen, zuletzt auf der Chinesischen Mauer. Warum so sportlich?

Ich bin über den Fußball zum Laufen gekommen. Ein Freund hat mich dann auf verrückte Marathons gebracht – unter anderem in Peru oder am Everest. Mich reizt die Verbindung aus Reisen, anderen Kulturen und einer sportlichen Herausforderung. Ich bin aber kein Extremsportler. Mir geht es nicht um Bestzeiten. Ich sage immer: Das Bier im Ziel soll noch schmecken.

Als „Florian Silbereisen“ sind Sie mit dem Traumschiff überall unterwegs. Wohin geht Ihre persönliche Reise?

Ich hoffe, dass ich noch lange kreativ arbeiten kann. Ich würde gern noch gute Bühnenprogramme machen und weiterhin für Fernsehen und Kabarett schreiben. Vielleicht gelingt mir irgendwann auch einmal ein Drehbuch. Ich mag beides: im stillen Kämmerlein konzentriert schreiben und auf der Bühne stehen. Wenn man Menschen einen schönen Abend bereiten kann und selbst dabei Freude hat, ist das eigentlich die perfekte Reise.

Christian Schwab beim Marathon auf der Chinesischen Mauer
© KK/Privat
Christian Schwab beim Marathon auf der Chinesischen Mauer

Zur Person

Christian Schwab (47) ist Kabarettist und Autor. Aufgewachsen ist er mit einer Schwester und einem Bruder in St. Andrä/Mettersdorf. Nach ersten Erfahrungen auf der Bühne arbeitete er zunächst bei Antenne Kärnten und Antenne Steiermark, bevor er zu Ö3 wechselte. Dort war er rund 15 Jahre tätig, unter anderem in der Comedy-Abteilung. Seit 2008/09 ist Schwab in unterschiedlichen Konstellationen Teil der „Comedy Hirten“. Ab 2019/20 arbeitete er zudem als Autor und Hauptautor für das TV-Satireformat „Gute Nacht Österreich“. Daneben schreibt er für Radio, Fernsehen und Bühne. Schwab lebt mit seiner Partnerin und Tochter außerhalb von Wien.