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Niki Laudas Unfall vor 50 Jahren: Helmut Marko und ein ganz bestimmter Anruf

Am 1. August 1976 verunfallte Niki Lauda auf dem Nürburgring schwer. Zum 50. Jahrestag erinnert sich Wegbegleiter Helmut Marko zurück.

Am 1. August 1976 verunfallte Niki Lauda auf dem Nürburgring schwer
© APA / Stringer
Am 1. August 1976 verunfallte Niki Lauda auf dem Nürburgring schwer
Matthias Janisch
Redakteur Sport

Es gibt gewisse Sportmomente in Österreich, die fühlen sich so an, als wäre man live und hautnah dabei gewesen – ganz egal ob man erst 20 Jahre später das Licht der Welt erblickte. Niki Laudas Unfall auf dem Nürburgring am 1. August 1976 ist so ein Moment, ein Tag, der sich in das kollektive Sportgedächtnis einer ganzen Nation einbrannte und sich am Samstag zum 50. Mal jährt. Die Boliden jagten damals an manchen Stellen unbemerkt vieler Linsen und Augen über die Strecke, erst recht auf dem kilometerlangen Nürburgring, der grünen Hölle. Hinzukam das Fehlen diverser Sicherheitsmaßnahmen, die mittlerweile in jeder Juniorserie Standard sind.

Weder geschulte Streckenposten noch eine perfekt eingearbeitete Rettungskette gab es damals in der Königsklasse des Motorsports, vielmehr war jedes Manöver ein Spiel mit dem Leben. Und genau dieses hätte Niki Lauda vor 50 Jahren beinahe verloren. Nach einem Defekt krachte der Ferrari-Star mit hoher Geschwindigkeit in eine Streckenbegrenzung. Sein Bolide ging in kürzester Zeit in Flammen auf, mehr als eine halbe Minute musste der damals 27-Jährige in seinem Auto verharren, ehe Fahrerkollege Arturo Merzario zur Hilfe kam und Lauda bewusstlos und ohne Helm aus dem Auto zog. Eine ganze Nation bangte um „Niki Nazionale“, die Formel 1 hielt den Atem an, als es für den Österreicher mit lebensgefährlichen Verbrennungen und einer stark geschädigten Lunge ins Krankenhaus ging. Der Kampf auf der Strecke weichte jenem ums Überleben, es folgten Hauttransplantationen und mehrere Eingriffe – und ein Telefonat.

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Noch am Abend des Unfalltages auf die Intensivstation der Universitätsklinik Mannheim verlegt
Noch am Abend des Unfalltages auf die Intensivstation der Universitätsklinik Mannheim verlegt © APA / Unbekannt

Anruf von Marko

Denn nur einen Tag nach dem schrecklichen Unfall klingelte das Telefon auf jener Station des Krankenhauses, in dem Lauda untergebracht war. Am anderen Ende: Helmut Marko. „Ich habe am nächsten Tag auf gut Glück in dieser Klinik angerufen und bin direkt mit dem Niki verbunden worden. Der ist sofort ans Telefon gegangen und hat erzählt, wie mühsam das alles ist, vor allem das Rundherum“, erinnert sich der Grazer zurück. Das Feuerinferno nach dem Unfall war nicht das einzig tragische Ereignis aus rot-weiß-roter Sicht an diesem 1. August 1976. „Es hat ja begonnen mit dem Einsturz der Reichsbrücke, einem fundamentalen Bauwerk. Das hat auch niemand für möglich gehalten“, erzählt Marko.

Die Kunde vom schweren Unfall des österreichischen Formel-1-Aushängeschilds ereilte ihn und die Fans in der Alpenrepublik verspätet. An Live-Berichterstattung, Mobiltelefone oder gar eine einfache Fernseh-Übertragung war nicht zu denken. „Die Rennen wurden damals nicht gezeigt im TV und dann kam auf einmal die Nachricht, dass Niki Lauda verunglückt ist. Über die Schwere und die Folgen des Unfalls wusste man aber nichts.“ Doch mit den folgenden Tagen wurde klar, dass der zu diesem Zeitpunkt WM-Führende nur knapp einer Katastrophe entging, die Folgen des Infernos waren äußerlich wie innerlich verheerend. „Ich glaube, er war sich damals noch nicht bewusst, wie sehr die Dämpfe, die er da eingeatmet hat, die Lunge und andere Organe beschädigt haben.“

Freunde über Jahre hinweg: Niki Lauda und Helmut Marko.
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Freunde über Jahre hinweg: Niki Lauda und Helmut Marko.

Weltweite Faszination

Doch das, was folgte, war nicht nur die gesundheitliche, sondern auch die sportliche Wiederauferstehung einer Legende. Bereits wenige Tage nach dem Horror-Crash arbeitete Lauda an seiner Rückkehr, gegen jeden Verstand – und gegen den Rat diverser Ärzte. Nicht immer schön, wie sein enger Freund Marko weiß: „Er hat damals mit Willi Dungl zusammengearbeitet. Nach jedem Training waren die Wunden an seinem Kopf wieder aufgebrochen. Das war ihm aber egal. Seine Konsequenz war einmalig, das Comeback einfach unglaublich.“ Gerade einmal sechs Wochen nach dem Unfall, dem flammenden Inferno und dem Kampf ums Überleben widmete sich der Weltmeister wieder dem Kampf auf der Strecke und due Titelverteidigung und kehrte in Monza zurück in den Zirkus. Sein vierter Platz bei dieser Rückkehr war mehr als nur ein gefühlter Sieg. „Dieses Rennen hat ihn so viel Überwindung gekostet. Das war sicher das Härteste für ihn“, erzählt Marko.

Seinen zweiten WM-Titel holte sich Lauda in der Folgesaison, nach seinem legendären Abschied 1979 ( „Ich will nicht mehr blöd im Kreis herumfahren“) folgte drei Jahre später das Comeback und 1984 der dritte Titel. Die rote Kappe, die seine Verletzungen verdeckte, wurde zum Markenzeichen. Als Berater, Teamchef und Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender prägte er die Formel 1 weiter. Die Spätfolgen des Unfalls aber holten ihn doch ein: Ein Jahr nach einer notwendigen Lungentransplantation verstarb Lauda am 20. Mai 2019 im Alter von 70 Jahren. Die Erinnerung ans rote Kapperl, den Schmäh, aber auch die heldenhafte Rückkehr bleibt. „Die Faszination Niki Lauda ist ungebrochen“, weiß Marko. „Nicht nur in Österreich, sondern weltweit.“

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