Das sind die schrägsten Ortsnamen der Oststeiermark
Auf der Spur seltsamer Bezeichnungen für Ortschaften und Straßen: Vom Ohrwaschlgraben bis nach Poppendorf, und von der Milchstraße bis ins Affental.

Wer die Milchstraße beobachten will, braucht in Zukunft weder Fernrohr noch Rakete. Eine Reise nach Hartberg reicht. Denn ebendort hat der Gemeinderat unlängst dem Ansinnen der Molkerei Prolactal zugestimmt, ihrer Zufahrtstraße den Namen unserer Galaxie zu geben.
Die Oststeiermark ist ohnehin reich an kuriosen Namen für ihre Orte, Straßen und Plätze. Ähnlich himmlisch wie in der Milchstraße geht es am „Auge Gottes“ weiter – diese Bushaltestelle steht an der B72 in Greith, in der Nähe von Weiz. Gab es dort eine Gotteserscheinung? Oder eher doch Stoßgebete wegen des Verkehrs an der Bundesstraße?

„Es gab dort früher ein Gasthaus, das so hieß“, weiß Wolfgang Derler. Das Wirtshaus wurde um 1840, nach dem Bau der Straße zwischen Graz und Weiz, eröffnet. Die Gaststätte war ein beliebter Treffpunkt. 1965 wurde sogar der Sparverein „Auge Gottes“ gegründet. „Im Gasthaus wurden auch Löhne ausbezahlt“, weiß Wolfgang Derler. Ein gutes Geschäft, vor allem für die Wirtsleute. 1996 wurde das Wirtshaus aber zugesperrt. 2001 kaufte Wolfgang Derler das Haus. Er baute es um und richtete dort einen Anhängerhandel ein. Ein Bildstock in der Nähe erinnert noch an das „Auge Gottes“. Darauf ist dieses religiöse Symbol, im Glauben bekannt als „allsehendes Auge der Vorsehung“, abgebildet.

Andere ungewöhnliche Namen
Im Bezirk Weiz gibt es aber auch weitere seltsame Orts- und Flurnamen: Hühnerberg und Affental (bei Weiz), Knall (bei Floing), Wolga (bei St. Ruprecht), Wäschen (bei Gersdorf). In Rettenegg gibt es Hansl und Franzl in Reith, den Inselberg und den Ohrwaschlgraben. Wie dieser zu seinem Namen kam, ist nicht überliefert. Gut möglich ist, dass er von einer markanten Geländeform oder einem Stein kommt. Und das Busental bei St. Ruprecht? Dieses hat laut Namensforschern nichts mit der weiblichen Anatomie zu tun, sondern leitet sich von einem frühen Siedler namens Puoso ab.
Von der Höll bis zum Bumperwaldl
Nicht restlos geklärt ist die Namensgeschichte der Siedlung „Tutten“ im Pöllauer Tal im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld. Der Name dürfte wohl entweder auf den Namen „Tuto“ oder die hügelige Geländeform zurückgehen. Neben der „Höll“ kann man hier auch den „Sauberg“ erklimmen – ebenso wie in Bad Waltersdorf. Weiter südlich geht es über „Bierbaum“ bei Bad Blumau bis auf die „Eselsbrücke“ unweit des Fürstenfelder Spitals.
Der Name geht laut Gaby Jedlicka vom „Pfeilburg Museum“ auf den Bau der Bahntrasse von Fürstenfeld nach Hartberg Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Da der Ortsteil „Mühlbreiten“ vom Zentrum abgeschnitten wurde, brauchte man einen Bahnübergang. Ein ebenerdiger schien sinnvoller, manche wollten aber eine Brücke. „Da hat man gestritten, weil die Kosten die Gemeinde übernehmen musste“, so Jedlicka. 1891 wurde eine Holzbrücke gebaut, die als „Eselsbrücke“ in den Sprachgebrauch einging. Warum? „Weil es im damaligen Verständnis eine Eselei war, dass man über diesen kleinen Bahnübergang eine Brücke errichtet“, erklärt Jedlicka.
Im Fürstenfelder Ortsteil Altenmarkt wiederum kennt der Volksmund das „Bumperwaldl“. Das, so wird hinter vorgehaltener Hand geraunt, soll ein beliebter Treffpunkt für Pärchen gewesen sein.
Was sind Toponyme?
Die Toponyme (geographische Eigennamen) der Steiermark gehören zur indogermanischen Sprachfamilie. Es kommen keltische, lateinische, slawische und germanische Ortsnamen vor. Außerdem gibt es Toponyme mit archaischen Wortstämmen, die auf eine nicht erhaltene Sprache verweisen. Diese wurde vor der Besiedelung durch die Kelten gesprochen.
Landwirtschaft und slawische Besiedlung prägen die Südoststeiermark
Poppendorf (bei Gnas), Poppendorf im Burgenland oder Poppen bei Straden sorgen bei deutschsprachigen Gästen regelmäßig für Grinser und nicht jugendfreie Gedanken. Dabei zeigen die südoststeirischen Orts- und Flurnamen großteils eher eine intensive Beziehung zur Landwirtschaft, wie Saubergen, Schweinz, Hühnergraben, Weinberg, Kürbisgraben, Specklberg und Katzendorf zeigen.
Spannend auch: St. Kind bei Breitenfeld an der Rittschein. Der Ortsname ist bereits seit 1322 bekannt und kommt von „Sunekind“ (heiliges Kind). Die Kirche ist Ziel von Wallfahrern, in einem Glasschrein liegt ein kleines Jesukind mit einem Wachskopf.
Das Slawische prägte die Oststeiermark. Bei Windisch-Minihof und Deutsch Goritz ist das noch leichter ersichtlich. Andere fliegen unter dem Radar, wie Alois Puntigam vom Verein für Heimatkunde hervorhebt: „Pöllau kommt von polje oder poljana und bedeutet so viel wie Ebene.“ Den Namen Pöllau gibt es öfters in der Region, etwa bei Hartberg, Gleisdorf und Paldau.
Es gibt auch Widersprüche im oststeirischen Hügelland: Bei Jagerberg als auch bei Hartberg gibt es ein Pöllauberg, was ja so viel wie „Ebene-Berg“ heißt. Und bei Bad Radkersburg heißt eine Ortschaft Altneudörfl.


