Wer wie hoch besteuert Schweden als Spitzenreiter: CO2-Steuern in Europa

Schweden, Schweiz, Frankreich, Deutschland und jetzt auch Österreich. Die Liste der Länder mit CO2-Steuern wird immer länger. Die Herangehensweisen aber sind unterschiedlich.

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Von 12 Euro pro Tonne bis 118 Euro: CO2-Steuern sind in Europa unterschiedlich hoch
Von 12 Euro pro Tonne bis 118 Euro: CO2-Steuern sind in Europa unterschiedlich hoch © stock.adobe.com
 

Um fossile Energien zu verteuern und klimaschonende Alternativen voranzubringen gibt es in vielen europäischen Ländern bereits CO2-Steuern. In Österreich soll ab 1. Juli 2022 die Tonne CO2, die beim Autofahren und Heizen erzeugt wird, mit 30 Euro bepreist werden. Im folgenden einige Beispiele für die Bepreisung von CO2 bzw. CO2-Äquivalenten in Europa:

Seit Jahresbeginn 2021 wird in Deutschland ein CO2-Preis für Verkehr und Heizen eingehoben. Pro Tonne CO2, die beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht, müssen verkaufende Unternehmen wie Raffinerien zum Start 25 Euro zahlen. Der Preis wird an die Kunden weitergegeben. Der CO2-Preis wird bis 2025 auf 55 Euro je Tonne steigen (2022: 30 Euro, 2023: 35 Euro, 2024: 45 Euro).

In Schweden gibt es bereits seit 1991 eine CO2-Steuer, die im wesentlichen CO2-Emissionen aus dem Verkehrs- und Gebäudesektor betrifft. Die Höhe beträgt im Jahr 2021 1.200 Schwedenkronen (118 Euro) pro Tonne CO2. Die Steuer wird jährlich mit der Inflation angepasst. Am 1. August 2019 hat Schweden Ausnahmen von der Steuer abgeschafft oder reduziert, um sein Klimaziel der Nullemissionen bis 2045 zu erreichen. So wurde etwa die Ausnahme für den Gebrauch von Diesel im Bergbau entfernt. Nach einer Aufstellung der Weltbank ist die schwedische CO2-Steuer weltweit die höchste derartige Abgabe.

In der Schweiz wird seit 2008 auf fossile Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas eine CO2-Abgabe als Lenkungsabgabe erhoben. Sie soll Anreize zum sparsamen Verbrauch und zum vermehrten Einsatz klimafreundlicher Energieträger setzen. Der Ertrag wird größtenteils an die Bevölkerung und die Wirtschaft zurückverteilt. Davon profitiert, wer wenig verbraucht. Betreiber treibhausgasintensiver Anlagen können sich von der Abgabe befreien lassen, wenn sie sich im Gegenzug zu einer Emissionsverminderung verpflichten. Betreiber großer treibhausgasintensiver Anlagen sind ins Emissionshandelssystem eingebunden und sind ebenfalls von der CO2-Abgabe befreit. Aktuell beträgt die CO2-Abgabe rund 88 Euro pro Tonne CO2. Die nächste Erhöhung ist per Anfang 2022 auf 120 Franken (111 Euro) vorgesehen.

In Frankreich gibt es seit 2014 eine CO2-Steuer. Ursprünglich hätte die CO2-Bepreisung bis auf 86 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2022 steigen sollen. Nach schweren sozialen Protesten ("Gelbwesten") im Jahr 2018 gegen die geplanten höheren Steuern auf Sprit und allgemein gegen gestiegene Lebenshaltungskosten wurde der Plan der Regierung abgeschwächt. Die Rate wurde bei 45 Euro pro Tonne CO2 für die Jahre 2019, 2020 und 2021 eingefroren.

In Irland gibt es seit 2010 eine CO2-Steuer, um den Ausstoß von Treibhausgasen einzubremsen. Die irische Steuer gilt für alle fossilen Brennstoffe. Es gibt Ausnahmen für die E-Wirtschaft, Industrie, Transport und Luftfahrt. Die Höhe liegt bei 33,5 Euro pro Tonne CO2.

Slowenien folgte bereits 1996 dem Beispiel der nordischen Länder, indem es ebenfalls eine CO2-Steuer einführte. Der Preis liegt bei 17 Euro pro Tonne CO2. Und auch in Lettland findet eine CO2-Bepreisung mit 12 Euro pro Tonne statt.

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Danke für Ihr Verständnis.

sheena2
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Eine Frage:

Ich habe irgendwann einmal gelesen, dass man beim Herstellen des Akkupacks für ein E-Mobil in etwa so viel CO2 verursacht wie ein Diesel KFZ auf 80000 km verursacht. Nun soll diese CO2 Steuer auf jeden Liter Benzin/Diesel aufgeschlagen werden.
Meine - und da meine ich durchaus - berechtigte Frage, ob diese mit 80000 km vergleichbare Emission ebenfalls, und zwar im gleichen Ausmaß besteuert werden soll oder nicht. Wenn nicht, dann wäre das eine absolute Ungleich-Behandlung aller Nutzer von Verbrennungskraftmaschinen, die eindeutig verfassungswidrig wäre. Ich bitte um Kommentare - vielleicht wurde das ja schon irgendwo behandelt - mir ist davon jedoch nichts bekannt

melahide
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Nein

Es wird ja auch nicht berücksichtigt, wie viel CO2 für die Erzeugung von Öl aufgewendet wird. Das muss ja auch die Erzeugerfirma (Ölkonzerne) oder der Transporteur (Containerschiff mit Schweröl) bezahlen. Batterieproduktion zahlt dann auch der Erzeuger.

ichbindermeinung
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und was mit den übrigen 18 EU-Ländern

und was machen die fehlenden anderen 18 EU-Länder

Patriot
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Fortschrittliche Länder, wie Schweden udgl. haben überzuckert worum es geht!

Solange die Tonne CO2 bei uns nicht mindestens 100 Euro kostet, ist das Ganze sinnlos!
Man muss sich Folgendes auf der Zunge zergehen lassen:
Jemand, der am Land lebt, bekommt 200 Euro Klimabonus/Jahr. Er fährt 20.000 Kilometer pro Jahr mit seinem Diesel, der 6 Liter auf 100 Kilometer braucht und zahlt dafür 96 Euro (1.200 Liter x 8 Cent) mehr als jetzt. Sein Gewinn: 104 Euro. Auch wenn die Tonne CO2 60 Euro kosten wird, steigt er mit diesem Modell noch immer pari aus.
Und das soll ihn dazu ermuntern seinen Diesel gegen ein E-Auto einzutauschen? Ist eher unwahrscheinlich!

Carlo62
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Bitte nicht vergessen,

am Land gibt es kaum Möglichkeiten um sich an Fernwärme bzw. Nahwärme anschließen zu lassen. Ein EFH verbraucht im Durchschnitt ca. 2.500 Liter Heizöl, das sind allein schon Mehrkosten von 200 Euro im Jahr!

griesserw
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Sonnenenergie

Dafür lässt sich am Land für sehr viele die Sonnenenergie (Photovoltaik) nutzen. Da braucht es keine Fernwärme.

peso
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Liebe Kleine Zeitung!

falls Sie, bzw. Ihr schreibendes Personal, vergessen, verdrängt oder gar bewusst weggelassen haben: IN GANZ EUROPA WIRD BEREITS SEIT JAHREN DIE MINERALÖLSTEUER EINGEHOBEN, DIE JA DEN BAU VON STRAßEN, DEREN ERHALTUNG UND - JETZT BITTE AUFPASSEN - DIE EXTERNEN KOSTEN DURCH DEN STRAßENVERKEHR ABGELTEN MUSS. Übersetzt heißt das, die Autofahrer bezahlen bereits seit Jahrzehnten die Ursachen des CO2 Ausstoßes und bereits seit Jahrzehnten hat der Empfänger der Steuern nichts (was nicht ohnehin vom Bürger schon bezahlt werden musste) mit diesem Geld gemacht. Warum berichten Sie eigentlich nicht darüber?

neuer mann
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weil die co2-besteuerung ein anderes ziel hat:

- nämloich die rettung des klimas
.... ist doch logisch oder?

tomtitan
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Und wie wird konkret mit den eingenommen Geldern

unser Klima gerettet? Welche Maßnahmen werden gesetzt?