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Kolumne vom BörsenparkettTagebuch eines Börsianers: Ein Umbruch im Blindflug

In seinem "Tagebuch eines Börsianers" schildert der erfahrene Kapitalmarktexperte Josef Obergantschnig die dramatischen Entwicklungen.

 Josef Obergantschnig
Josef Obergantschnig © Ethico
 

Josef Obergantschnig ist Präsident des Wirtschaftsethikklubs Ethico und allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Bank- und Börsenwesen. In seinem "Tagebuch eines Börsianers" schildert der erfahrene Kapitalmarktexperte für die "Kleine Zeitung" seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in diesem - auch auf dem Börsenparkett - dramatischen Tagen.

Dienstag, 30. Juni: Ruhigere Wochen? Ich glaube nicht ...

Es ist Sommer. Es ist Zeit, einmal durch zu schnaufen. Erholung ist angesagt. Viele von uns freuen sich schon auf den Urlaub oder sind gerade erst entspannt aus dem Urlaub zurückgekommen. 2020 hat uns allen sehr viel abverlangt. Aber können wir uns jetzt wirklich auf ein paar ruhigere Wochen freuen? Ich glaube nicht. Zuviel ist passiert und vieles muss erst aufgearbeitet werden. Aber ich mag mich täuschen.

Das 2. Quartal stand im Zeichen des Schocks. Bis jetzt sind wir noch im Blindflug unterwegs. Das wahre Ausmaß der Corona-Pandemie und des weltweiten Shutdowns wird wir wohl frühestens im 3. Quartal offengelegt. Wie stark sind die Unternehmensergebnisse und das BIP wirklich eingebrochen? Wie viele Arbeitslose können wieder im Arbeitsmarkt integriert werden? Und wie viele Unternehmen werden die Krise überhaupt noch überleben? Fragen über Fragen, die uns wohl auch im Sommer begleiten werden. An den Finanzmärkten wird eine V-förmige Erholung eingepreist. Ob diese wirklich eintritt, werden wir wahrscheinlich erst um den Jahreswechsel abschätzen können. Die Unterstützung der staatlichen Rettungsprogramme und der Liquiditätsschwemme der Notenbanken sind zumindest einmal ein Fundament.

In Bezug auf die Corona-Krise bleibt die wichtigste Frage, wie schnell ein flächendeckend einsetzbarer Covid-19 Impfstoff entwickelt werden kann. Es ist ein wahres Wettrennen der Pharmaunternehmen entstanden, dass etwas an die Goldgräberstimmung erinnert. Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert und Wochen, in denen Jahrzehnte passieren! Das Zitat wird Wladimir Iljitsch Lenin zugeschrieben. Der britische Historiker und Verfasser einer Lenin-Biographie Victor Sebestyen beschreibt ihn als Berufsrevolutionär, Kleinbürger und Tyrann.

Mir liegt es fern, eine Revolution anzuzetteln. Aber eines scheint klar. Wir erlebten in den letzten Monaten einen wahren Umbruch. Die Welt nach der Corona-Pandemie wird mit der Welt vor der Corona-Pandemie nicht mehr vergleichbar sein. Auf diese Tage werden wahrscheinlich noch unsere Kinder und Kindeskinder in ferner Zukunft zurückblicken.

Auch für mich endet heute eine ereignisreiche Zeit. Mein Ziel war es, die ersten 100 Tage des Corona-Crashs in Form eines Tagebuchs aus dem Blickwinkel eines Börsianers zu dokumentieren. Es war eine lehrreiche, herausfordernde und sehr intensive Zeit. Es ist noch sehr früh. Ein Schluck von meinem Espresso. Mit Stolz blicke ich auf die letzten Monate zurück. Wir haben als Gesellschaft viel bewegt. Das stimmt mich positiv und lässt mich mit Zuversicht in die Zukunft blicken.

Kommentare (4)

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Carlo62
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Nennt mich konservativ oder feige!

Aber ich bin mit meiner Entscheidung, bei dem Spiel namens "Börese" bzw. "Aktien" nicht mitzuspielen bisher ganz gut gefahren. Ich spiele nur bei Spielen mit, bei denen ich die Regeln so gut kenne, dass notfalls ich derjenige bin, der bescheissen kann!

Laser19
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Sand in die Augen

"Dazu zählt die medizinische Versorgung, der Vorratsaufbau medizinischer Ausrüstungen und die Bereitstellung von Impfstoffen"
Das ist die Erklärung wofür die 500 Mio ausgegeben werden sollen. Tatsächlich werden sie für Wahlzuckerl, Pensionen ab 60 etc. ausgegeben. Denn ohne diese politischen Verirrungen hätte Italien ja das Geld für Medikamente. Zum Hilfspaket soll es nicht einmal Auflagen geben, die Verschwendung wenigstens in Zukunft abzustellen. Österreich zahlt die Wahlzuckerln der Italiener!

Reipsi
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Die Börsen sind die

Ursachen das bei uns nichts mehr produziert wird , ärger wie Corona.

Hazel15
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Die Börsen

Dann können Sie mir sicherlich den Unterschied zwischen den Börsen und den Banken erklären. Was machen die Börsen zum Beispiel, das in Österreich kein Handy, PC, Fernseher etc. produziert mehr wird. Warum produziert dann Voest, Wienerberger, ÖMV um nur einige zu nennen dann in Österreich, ist doch die Börse schuld...