Im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League und Conference League brauchen einige Mannschaften – auch Sturm gegen Lille – ein Fußballwunder, um doch noch ins Viertelfinale aufzusteigen. Brighton muss in der Europa League gegen die Roma ein 0:4 aufholen, wie auch Villareal gegen Marseille, Sparta Prag gegen Liverpool sogar ein 1:5. Fenerbahce ist in der Conference League gegen Union St. Gilloise 0:3 zurück, Olympiakos Piräus muss gegen Maccabi Tel Aviv ein 1:4 aufholen. Und Sturm gegen Lille ein 0:3.

Unrealistisch? Freilich! Ausgeschlossen? Keinesfalls. Beispiele von großen Aufholjagden im Europacup gibt es einige. „Remuntada“ mag der geneigte Barcelona-Fan jetzt brüllen und vor lauter schöner Erinnerung beide Fäuste ballen. Aber alles der Reihe nach. . .

Rapid Wien – Dynamo Dresden, Europapokal der Pokalsieger 1984/1985

Regelrecht chancenlos war Rapid Wien am 6. März 1985. Bei Dynamo Dresden unterlag die Mannschaft von Trainer Otto Baric 0:3. Die Mannschaft um Kapitän Hans Krankl ließ sich davon aber nicht entmutigen: Mit zwei Toren von Peter Pacult, einem Treffer von Leo Lainer, Antonin Panenka (Elfmeter) und Hans Krankl kamen die Rapidler doch noch weiter. Die Hütteldorfer zogen damals ins Finale des Pokalsieger-Cups ein, mussten sich in diesem aber Everton mit 1:3 beugen. Da wusste freilich noch niemand, dass Peter Pacult wesentlich später Trainer von Dynamo Dresden werden würde. . .

Real Madrid – Borussia Mönchengladbach, UEFA Cup 1985/1986

Was war das für ein Fußballfest am 27. November 1985 vor 65.000 Zuschauern im Rheinstadion? Borussia Mönchengladbach, betreut von Jupp Heynckes, besiegte Real Madrid 5:1 und stand – gefühlt – mit mehr als nur einem Bein in der nächsten Runde. Die Deutschen hatten die Rechnung aber ohne Real Madrid gemacht. Im Rückspiel – zwei Wochen später – setzten sich die Spanier 4:0 durch. Jorge Valdano sorgte in der Anfangsphase mit zwei Kopfballtoren für eine komfortable Real-Führung, Santillana traf in der Schlussphase doppelt. Real Madrid konnte den UEFA Cup in diesem Jahr für sich entscheiden, setzte sich im Finale – damals noch mit Hin- und Rückspiel – gegen den 1. FC Köln durch.

Austria Salzburg – Sporting Lissabon, UEFA Cup 1993/1994

Und wieder hatten Otto Baric und Leo Lainer ihre Finger im Spiel: Nach dem 0:2 bei Sporting Lissabon ahnte niemand mehr, dass Austria Salzburg im UEFA Cup doch noch weiterkommen würde. Auch nicht die Portugiesen – mit Sir Bobby Charlton als Trainer und dem jungen Luis Figo als Regisseur: Sie buchten den Flug aus Salzburg zurück nach Lissabon relativ bald nach Abpfiff. Und verpassten diesen, weil die Salzburger die Portugiesen in die Verlängerung bezwangen. Leo Lainer, Adi Hütter und Martin Amerhauser waren als Torschützen erfolgreich. Salzburg zog damals ins UEFA-Cup-Finale ein und mussten sich in diesem Inter Mailand zwei Mal 0:1 geschlagen geben.

Werder Bremen – Olympique Lyon, UEFA Cup 1999/2000

Es sah finster aus für Werder Bremen. Im UEFA-Cup-Hinspiel am 25. November 1999 unterlag die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf Olympique Lyon 0:3. Im Rückspiel konnten die Bremer das Spiel aber drehen und Andreas Herzog hatte einiges damit zu tun. Der ÖFB-Nationalspieler war mit zwei Assists und einem Tor maßgeblich am 4:0-Erfolg der Deutschen beteiligt.

Andreas Herzog beim 4:0 gegen Lyon
Andreas Herzog beim 4:0 gegen Lyon © www.imago-images.de

Deportivo La Coruna – AC Milan, Champions League 2003/2004

Die Favoritenrolle war geklärt, AC Milan sollte im Champions-League-Viertelfinale an Deportivo La Coruna nicht scheitern. Dafür stehen die Namen Maldini, Nesta, Cafu, Seedorf, Pirlo, Gattuso, Kaka, Shevchenko, Inzaghi. Und auch Trainer Carlo Ancelotti. Und das Hinspiel entwickelte sich nach der Pause ganz nach dem Geschmack der Mailänder: 4:1 durch vier Tore zwischen den Minuten 45 und 53. La Coruna – mit Djalminha, der das Jahr zuvor bei der Wiener Austria verbachte – ließ sich davon aber nicht beirren und setzte sich zu Hause gegen den großen Favoriten 4:0 durch. Im Halbfinale war dann gegen Porto Endstation. Porto, mit Startrainer Jose Mourinho, setzte sich damals im Endspiel gegen AS Monaco 3:0 durch.

Barcelona – Paris Saint Germain, Champions League 2016/2017

Barcelona – mit Messi, Neymar und Luis Suarez in der Offensive – wurde in Paris vorgeführt. 4:0 setzte sich PSG, Trainer war Unay Emery, gegen Barca durch. Die Katalanen ließen sich davon nicht beirren. Im Camp Nou entwickelte sich ein Spektakel sondergleichen. Und doch: Als Cavani für PSG in der 62. Minute auf 1:3 verkürzte, wähnte man die Franzosen im Viertelfinale. Neymar hatte aber was dagegen: Ein direkter Freistoß (88.), ein Elfmeter (91.) und eine Neymar-Flanke, die Sergi Roberto verwertete (95.) – und das Comeback der Katalanen war perfekt.