SPÖ-ParteitagRendi-Wagner erhält 75 Prozent der Stimmen

Einen ordentlichen Dämpfer brachte die Wiederwahl von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner: Mit bescheidenen 75 Prozent wurde sie von den roten Delegierten wiedergewählt.

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WIEN: SPOe-BUNDESPARTEITAG: RENDI-WAGNER
Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner nach der Wahl © APA/MICHAEL GRUBER
 

Schockstarre nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses beim Bundesparteitag der SPÖ in der Wiener Messehalle: Mit bescheidenen 75 Prozent wurde Pamela Rendi-Wagner von den Delegierten als Parteichefin wiedergewählt. Statt die Bühne zu betreten, sich, wie es üblich ist, für das Ergebnis zu bedanken, und dann mit Blumen das Podium wieder zu verlassen,  blieb Rendi-Wagner - offenkundig bitter enttäuscht - auf ihrem Platz sitzen. 

Im Gespräch mit der Kleinen Zeitung äußerte sich Bautengewerkschafter Josef Muchitsch höchst verwundert über das Votum. "Man muss nicht immer einer Meinung sein. Das trägt man hinter den Kulissen aus, nicht auf dem Parteitag. Rendi-Wagner war die einzige, die bereit war, Verantwortung ganz vorne zu übernehmen. Sie hätte sich eine höhere Zustimmung verdient."

Die schwächsten Ergebnisse bei der Vorsitzwahl

Die 69,8 Prozent von Bruno Kreisky aus dem Jahr 1967 nach dem Duell mit Bruno Pittermann bleiben zwar das schwächste Ergebnis eines SPÖ-Vorsitzenden bei der Vorsitzwahl. Gleich dahinter reiht sich aber Pamela Wagner mit ihrem heutigen Parteitagsergebnis ein. Im Folgenden die zehn schwächsten Ergebnisse:

  • 1967 Bruno Kreisky 69,8
  • 2021 Pamela Rendi-Wagner 75,3
  • 2012 Werner Faymann 83,4
  • 2014 Werner Faymann 84
  • 1987 Fred Sinowatz 87,7
  • 2004 Alfred Gusenbauer 88,9
  • 1951 Adolf Schärf 89,7
  • 1997 Viktor Klima 90,2
  • 1995 Franz Vranitzky 90,5
  • 1988 Franz Vranitzky 93,6

Von der Löwinger-Bühne zur Quatschbude

In seiner Begrüßungsrede enthüllte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, dass ihm die Delta-Variante „große Sorgen“ bereite. Ludwig hob im Zusammenhang mit der Pandemie ausdrücklich Rendi-Wagner hervor und sparte nicht mit Kritik an Bundeskanzler Sebastian Kurz. „Da stand nicht PR im Vordergrund, sondern sachpolitischer Verstand. Man kann die Bevölkerung eine Zeitlang hinters Licht führen.“ Auch in anderen Fragen nahm Ludwig die türkise ÖVP ins Visier. „Wenn man den U-Ausschuss mit der Löwinger-Bühne vergleicht, ist man nicht weit, das Parlament als Quatschbude zu diffamieren.“ Und später: „Ich bin gegen die Abschaffung des Karfreitags als Feiertag, gegen die Islam-Karte, aber auch gegen Demütigung katholischer Würdenträger.“ 

Parteitag als Public Viewing

In launigen Bemerkungen begann Rendi-Wagner ihre Rede. Zum Glück spiele Österreich am Abend erst um 21 Uhr. „Ich hätte sonst die historisch kürzeste Parteitagsrede halten müssen. Sonst wäre der Parteitag zum Public Viewing geworden.“

Die Parteichefin arbeitete sich in ihren 48-minütigen Ansprache über weite Strecken an der  ÖVP ab: „Seitdem Kurz ÖVP-Chef ist, wechselt die Regierung im Zwei-Jahres-Rhythmus.“ In Sache Demokratie sei Österreich auf eine schiefe Ebene gekommen. Der türkise Führungszirkel habe „einen noch nie dagewesenen Tiefpunkt moralischen Anstands“ erreicht. Die SPÖ werde sich „der Zügellosigkeit, dem Hochmut mit aller Kraft entgegenstellen“. Das System Kurz habe nur den „eigenen Machterhalt als Ziel“. Und: „Mit diesem türkisen System ist kein Staat zu machen. Mit mir wird es keine Koalition mit dem System Kurz geben.“

Staatsbürgerschaft kein Thema

Rendi-Wagner hob süffisant hervor, dass gerade auch die ÖVP, die dem Slogan mehr privat, weniger Staat huldige, auf den zurückgegriffen haben. „Wo wären wir ohne den Staat in der Pandemie? Mehr privat, weniger Staat ist am Virus gescheitert.“ Die Parteichefin sprach sich für die Einführung der freiwilligen Vier-Tage-Woche sowie für einen Österreich-Scheck in Höhe von 1000 Euro aus. Auffällig war, dass Rendi-Wagner weder die Frage der Staatsbürgerschaft noch der Migration ansprach.

Die Gremien der Partei werden am Samstag verkleinert, die Vorsitzende hat künftig nur noch sechs Stellvertreter, darunter Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser, der aus familiären Gründen nicht dem Parteitag beiwohnen kann, die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures und die frisch gekürte Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner.

Während interne Kritiker wie der niederösterreichische Landeschef Franz Schnabl und Ex-Bundesgeschäftsführer Max Lercher in Präsidium bzw. Vorstand integriert werden, verzichtet der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil auf eine Kandidatur am Parteitag. In einem Interview mit der Kleinen Zeitung hatte Ex-Kanzler Franz Vranitzky eine Lanze für den Burgenländer gebrochen: "Doskozil ist einer von uns."

Inhaltlich stehen zehn Leitanträge im Mittelpunkt, in denen unter anderem eine Arbeitszeit-Verkürzung, Reichen- und Erbschaftssteuern sowie die Abschaffung von Selbstbehalten im Gesundheitswesen gefordert werden. Abgehalten wird der Parteitag in Präsenz, 642 Delegierte sind eingeladen. Es gelten die 3G-Regel und Maskenpflicht.

 

Kommentare (99+)
Civium
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Gratuliere Frau

Doktor!,,,

georgXV
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SPÖ

ist die Frau Masochistin ?
Warum tut sie sich und ihrer Familie das an ?

derdrittevonlinks
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....?, .....?

I wag eine Prognose: "Präsidentschaftskandidatur"

kropfrob
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Warum ist sie da ...

... ruhig auf ihrem Platz sitzengeblieben? Die einzige Reaktion wäre wohl gewesen, aufzustehen, ans Rednerpult zu treten und zu sagen "danke, das war es".

georgXV
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genauso ist es !!!

die arme Frau ist LEIDER die völlig falsche Persönlichkeit zur Führung der SPÖ in die Zukunft !
Sie ist schlicht und einfach KEINE Führungspersönlichkeit !

hoerndl
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Die SPÖ so viel Zukunft wie ein Dieselauto

wenn 25 % von einer Frau mit Doppelnamen Angst haben. ...

Civium
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Sie ist eine kompetente

Akademikerin und keine Show Politikerin!

rochuskobler
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BoBo Lady

..sie ist und bleibt eine BoBo Lady, mit der die eingefleischten Sozis einfach nichts anfangen können. Sie wurde von Herrn Kern, der genau so ein BoBo ist, erfunden, daher kann sie gar nichts anderes sein, als eine BoBo Lady.

hoerndl
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Besser wenn die Lady brav still ist,

wenn die Männer von Politik reden.

mobile49
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steht jemand "voll" hinter dir

ist die gefahr groß , dass er "voll" auf dich fällt
oder eben "voll" von hinten tritt .

voit60
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Heute alle türkisen Parteischreiber unterwegs

da liest man Name, die man hier noch nie gesehen hat.

hortig
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@voit60

Lesen ist halt schwer, vorallem für einen ultra Roten

Balrog206
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Voit

Stimmt der Rote Voit auch sogar ! Und das am Sonntag, ist man von der Fraktion der Fau. Pel.. gar nicht gewohnt !

Vielgut1000
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Frau Rendi Wagner hat ihr Ziel erreicht.

Ihr Ziel beim Parteitag waren 71%. Sie hat also ihr Ziel erreicht. "Die Richtung stimmt". Beim nächsten Parteitag oder bei der nächsten Wahl kann sie fragen: "Derfs ein bisserl mehr sein?"

mtttt
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Ruhekissen

für Kurz soll das trotzdem nicht werden. Wenn Kurz sein Team umbaut und professionalisiert, wird ihn nichts aufhalten. Ein Bluemel der sich nicht mit der Aura der Kompetenz umgeben hat, muss getauscht werden. Das Land in der Post Covid Zeit wird es brauchen. Die programmatischen und personellen Probleme der Opposition sind kein Ruhekissen.

UHBP
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@Mt...

Solange Basti auf seine einfache Basis zählen kann, können ihm die anderen egal sein. Die haben ja nicht einmal ein Problem wenn sie belogen und verar.. werden. Das ist Ruhekissen genug.
PS: Nicht das Erreichte zählt, die Erzählung reicht!

mtttt
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Themenwechsel

Wäre an der Zeit. Das Lied der einfachen Türkis Wähler ist totgelaufen. Spindoktor auf Urlaub ?

Planck
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Naja, ein wenig komplexer isses schon, Meister.

Denn in der Tat machen die einfach Gestrickten den Großteil aus, das ist bei allen Populisten gleich.
Gleichzeitig aber steht auf der einen Seite der Herpferd, die gute Chancen hat, den rechten Rand, der sich nach der Selbstzerstörung des Kanzlers der Herzen in die Arme des Messias geworfen hat.
Auf der anderen Seite sind die echten Bürgerlichen, und da besonders die Bildungsbürgerlichen, seit geraumer Zeit höchst irritiert vom Gehabe der türkisen Jungschar um den Sektenguru..
Das Bildungsbürgertum könnte sich mit einiger Wahrscheinlichkeit Richtung Grün bzw. Pink absetzen.
Übrig bleiben dann eben die, naja, eben die von eher bescheidenerer Weisheit *g

Balrog206
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Und

Die roten bekommen bei deiner Analyse wieder mal keinen einzigen Wähler von den anderen ab !

Planck
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Korr.

... geworfen hat, zurückzuholen.

SoundofThunder
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Die üblichen Verdächtigen.

Wie die 🪰.

SoundofThunder
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🤔

Das Who is Who der Türkisen Schreiberlinge tummeln sich hier. Wenn bei der ÖVP jemand sich traut nicht für Kurz zu stimmen ist er weg.

mtttt
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Thema

Ging es hier nicht um die SPÖ ? Ihr könntet sogar von der Nachricht einer Flatulenz eines Rentieres in Lappland auf Kurz zu schwenken. Was würdet ihr bloss ohne ihn tun ?

HansWurst
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Die Richtung

stimmt!

Adler48
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SPÖ

Diese SPÖ ist ein hoffnungsloser Fall. Wenn sie so weitermachen hat Kurz bald die Absolute. Was gut fürs Land wäre!

SoundofThunder
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🤔

Dein Kurz ist meilenweit entfernt von der Absoluten. Und das ist gut für das Land.

 
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