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Podcast zur Wien-WahlNepp: „Geistige Nackerpatzl gibt es überall“

Dank Ibiza kam der FPÖ Wien mit dem Parteichef auch der logische Spitzenkandidat abhanden, Nepp musste übernehmen. Eine Wiedervereinigung mit Strache? „Da scheide ich lieber aus der Politik aus.“

FPÖ-Spitzenkandidat Dominik Nepp
FPÖ-Spitzenkandidat Dominik Nepp © Ballguide/Christoph Kleinsasser
 

Eigentlich sollte es nicht Dominik Nepp sein, der an diesem sonnigen Nachmittag als Spitzenkandidat der FPÖ über den leeren Rathausplatz zum vereinbarten Treffpunkt schlendert – sondern Heinz-Christian Strache. Doch dessen flüssiger Abend auf Ibiza und üppige Spesenzahlungen haben dafür gesorgt, dass nicht er, sondern Nepp die Freiheitlichen in diese Wien-Wahl führt. Und damit ins sichere Verderben.

Denn Skandale und Parteiobmann-Ausschluss lassen die FPÖ Wien auf eine herbe Wahlniederlage zusteuern. Nepp zeigt sich von den Umfragen nicht beeindruckt. Er glaube an die „freiheitliche Familie“.

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Woran er nicht glaubt, ist die „von der Regierung propagierte Coronapanik“, wie er sagt. Dennoch setzt er eine Maske auf, als er wenig später den Waggon der Straßenbahnlinie D betritt, die uns in ein Lokal im Schweizer Garten bringt. „Hier agiert die Regierung nicht mit Vernunft und Hausverstand, sondern mit bewusster Angst- und Panikmache.“ Bei der Nachfrage, ob seine Partei mit ihrem plakativen Schüren der Angst vor Ausländern nicht genau gleich agiert, winkt er ab.

Dabei handle es sich um ein reales Problem, das sich mit einer Fahrt in der U-Bahnlinie 6 leicht veranschaulichen lasse. „Früher hat es bei Jules Verne ,In 80 Tagen um die Welt‘ geheißen. Heute muss man sich nur einen Fahrschein für die U6 kaufen, um in acht Minuten von Afghanistan über Syrien bis nach Marrakesch zu kommen.“ Die Strecke zeige, dass in Wien „vieles im Argen liegt“.

Störaktion in der Bim

Dass sich Nepp mit Aussagen wie diesen nicht nur Freunde macht, zeigt sich, während die Straßenbahn über den Ring schrammelt. Ein Mann beginnt zwei Reihen hinter Nepp ein offensichtlich fiktives Telefonat mit lautstarken verbalen Angriffen auf die FPÖ. Ihr Spitzenkandidat zeigt sich zuerst gelassen, als der Mann aber auch nach Bitte um Ruhe nicht aufhört, ist Nepp verärgert. „Geistige Nackerpatzl gibt’s überall“, sagt er kopfschüttelnd.

Nepp im Gespräch mit Innenpolitik-Redakteurin Traar in der Straßenbahn D Foto © Ballguide/Christoph Kleinsasser

Dass Nepp überhaupt erkannt wird, ist nicht selbstverständlich. Denn vor einem halben Jahr haben nicht allzu viele Einwohner der Bundeshauptstadt sein Gesicht gekannt. Dabei war der Aufstieg des gebürtigen Wieners in der FPÖ ein steiler. Er engagiert sich bereits früh beim Ring Freiheitlicher Jugend, wird Chef der FPÖ im noblen Bezirk Döbling und später blauer Vizebürgermeister von Wien. In der Partei gilt Nepp, der dank Familienbetrieb auch als Unternehmer tätig ist, als umgänglich und zielstrebig. Einige Parteifreunde attestieren ihm jedoch auch ein übersteigertes Selbstbewusstsein.

"Politischer Suizid"

Seine Freundschaft zu Strache ist für immer zerbrochen, beteuert Nepp nach Ankunft im Gastgarten. Dieser habe die Partei getäuscht und betrogen. Eine Wiedervereinigung zwischen dem Team Strache und der FPÖ – ganz nach BZÖ-Vorbild – schließt Nepp aus. Und er gibt ein überraschendes Versprechen ab: „Bevor es zu einer solchen Wiedervereinigung kommt, würde ich aus Anstands- und Sauberkeitsgründen aus der Politik ausscheiden.“ Die bereits aus den blauen Reihen zu Strache Übergelaufenen haben laut Nepp „politischen Suizid“ begangen.

Strache und Gudenus
Strache und Gudenus waren früher enge Freunde von Nepp. Foto © APA/HANS PUNZ

Bei seinem Leibthema Integration werden Nepps Aussagen deftig. Neben Klagen über „Scharia-Gesetze“ und bewaffnete Milizen, die in manchen Bezirken herrschen würden, sind auch ungewöhnliche Angriffe auf politische Mitbewerber dabei. So bezeichnet Nepp Kanzler Kurz und Finanzminister Blümel als Ermöglicher der „Willkommenskultur 2015“. Wie würde der Vater zweier Töchter reagieren, wenn diese eine Freundin mit Kopftuch mit nach Hause bringen? „Ich glaube, dass die Kinder selbst eine Debatte darüber starten würden und spüren, dass etwas nicht der Norm entspricht.“

Wer sich integriert, die Sprache lernt und irgendwann die Staatsbürgerschaft erlangt, „der ist hingegen ein echter Österreicher – auch für mich“. Für diese Menschen wolle er „Schutzpatron“ vor ungeregelter, neuer Zuwanderung sein, sagt er und grinst dabei.

Fixer Absturz dank Strache

Die Wiener FPÖ ist an Erfolg gewöhnt. Die Partei konnte bei der letzten Wahl sogar Platz zwei ergattern – lediglich neun Prozentpunkte hinter Wahlsieger SPÖ. Zu verdanken hatte sie diesen Höhenflug ihrem Spitzenkandidaten – Heinz-Christian Strache. Doch genau der ist für die sichere Niederlage verantwortlich, die der FPÖ nun bevorsteht.

Aktuell werden der Partei maximal neun Prozent prophezeit, was ein Minus von rund 22 Prozent bedeuten würde. Nachfolger Dominik Nepp, der durch den Ausfall seiner Ex-Parteifreunde Strache und Johann Gudenus aus der dritten Reihe ins Rampenlicht katapultiert wurde, kämpft weiterhin mit Vorwürfen gegen seinen Ex-Chef und jetzigen Konkurrenten Strache. Der stellt ihn nicht nur in Sachen Bekanntheit und Erfahrung in den Schatten, Strache will seinem Nachfolger durch seinen eigenen Antritt auch noch treue FPÖ-Wähler abspenstig machen. Doch auch die Themenlage stellt für die FPÖ eine Herausforderung dar. Konnte man im Flüchtlingskrisenjahr 2015 mit dem Leibthema Migration punkten, wurde dieses nun von Corona verdrängt.

Ob Nepp sich auch nach dem bevorstehenden Wahldebakel an der Parteispitze halten kann, wird sich zeigen. Auch Bundesparteichef Norbert Hofer wird sich interne Kritik gefallen lassen müssen. Die Partei verbucht diese Wahl jedenfalls schon jetzt als verloren.

Kommentare (16)
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tomtitan
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„Geistige Nackerpatzl gibt es überall“ -

Selbsterkenntnis...

AloisSteindl
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Also wirklich überall

Dass das "überall" sogar bis unter die eigene Haut reicht, wird ihm wohl nicht so bewusst sein, das verhindert schon der Dunning-Kruger-Effekt.

tannenbaum
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Zweiter Versuch!

Geistige Nackerpatzl in Wien. Stand 2015: 30,8%!

Horstreinhard
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Selbsterkenntnis?

🤣

anonymus21
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Nepp: „Geistige Nackerpatzl gibt es überall"

Das mag stimmen, und seit ein paar Jahrzehnten drängen diese verstärkt in die Politik. Da sieht man wohin die Technolisierung und die massive Abschaffung der einfachen Produktion in AUT geführt hat... Es gibt kaum noch Arbeit für Nackerbatzl, in der Politik bleibt man mit geistigen Defiziten anscheinend am längsten unbemerkt. =]

sonniboy
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Werte Redaktion,

das sind "Nackerbatzl", nicht "Nackerpatzl".

zweigerl
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Der Grinser Nepp

Auch mit der Semantik hat diese innovative Nachwuchsjournalistin Probleme. Man mag zu den - desperaten - Freiheitlichen stehen, wie man will, aber die Regeln einer fairen neutralen Position werden in diesem Beitrag auf eklatante Weise gebrochen, indem das, was dieser Politiker sagt, mit einem abschließenden "und grinst dabei" hämisch dementiert wird. Auch nicht ganz die feine Art.

AloisSteindl
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Die Sache mit der Semantik

Wenn man mit Fremdwörtern auf Kriegsfuß steht, das gehört wohl zum Rüstzeug der FPÖ-affinen, sollte man sie besser gleich vermeiden.

Vielleicht könnten Sie Ihrem Idol auch die Empfehlung zukommen lassen, seine Mimik sachgerechter einzusetzen. Ein Grinser, der das Publikum in den Jahnhallen zum Johlen bringt, wirkt bei anderen Zuhörern eventuell widerlich. Kein Wunder, dass das einer Journalistin auffällt.

zweigerl
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Fremdwortnachhilfe

Fremdwortnachhilfe: Wer eine Partei als "desperat" (= hoffnungslos) bezeichnet, ist zu ihr wohl kaum "affin". Sonst ist mir "der Grinser Nepp" live nicht bekannt, aber er verdient es aus Gründen der Wettbewerbsfairness, dass eine Reportage über ihn wenigstens das, was er sagt, für voll nimmt.
Die Mimik der Politiker: Ein eigenes Kapitel! Die SP-Vorsitzende baut da in ihre gouvernantenhaften Ansagen immer so ein Reflex-Lächeln ein, als ob in der politischen Arena Friede, Freude und Eierkuchen herrschen würde. Das kommt dann immer so verzerrt rüber, sodass man weiß: Da werden die Piranhas aufeinandergehetzt.

AloisSteindl
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Grinsen als Botschaft

Dass die Aussichten der Partie für die kommenden Wahlen nicht gerade hoffnungsfroh sind, dämmert inzwischen ja schon ihren eigenen Häuptlingen, obwohl die doch recht affin sein dürften. Aus der Verwendung von "desperat" lässt sich daher nicht auf Nichtaffinität schließen.
Im Kontext des letzten Satzes im Interview tut der Herr ja so, als gäbe es irgendeinen normalen Ausländer, für den er sich als Schutzpatron empfindet, da muss er wohl gleich dafür sorgen, dass das eh nicht wörtlich genommen werden sollte, das wäre ja ganz gegen die Parteilinie. ("Normaler" Ausländer deswegen, weil es schon immer wieder Gestalten von jenseits der Grenze gibt, bei denen denen das Herz aufgeht.)
Was die Journalistin "dementiert" haben soll, hat sich mir nicht recht erschlossen.

zweigerl
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Fremdwortauskunft Teil 2

"Dementieren" = widerrufen. Beispiel: "Gestern sagte mir der Herr Steindl, er habe beschlossen, bei der Wienwahl den Strache zu wählen, und er grinste dabei." Ich frage Sie: Wird nun Herr St. den Str. wählen oder nicht? Ich glaube, dass er mit seinem Grinser seine Absicht gründlich "dementiert" hat. Die gefinkelten Sprachwissenschaftler sagen dazu "performativer Selbstwiderspruch". "Performativ" wird aber jetzt nicht mehr erklärt.

AloisSteindl
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Etwas daneben

Sie hätten in Ihrem ersten Posting wohl eher schreiben wollen, die Journalistin hätte die Aussage und das Grinsen "hämisch kommentiert". Wenn in diesem Zusammenhang irgendetwas zu dementieren gewesen wäre, dann eventuell durch Nepp. Auch in Ihrem konstruierten Beispiel hätte ein Grinser meinerseits die Aussage nicht dementiert, sondern abgeschwächt. Dementiert würde etwa so lauten: "Ich bestreite, jemals eine Aussage in diese Richtung getroffen zu haben!" Außerdem würde in dem Fall ich das dementieren, nicht Sie.

Mit Fremdwörtern können Sie mich nicht schrecken; wenn Ihnen wieder der Sinn danach ist, nur zu! (Aber ich verspreche nicht, Ihnen die wahre Bedeutung auseinanderzusetzen.)

zweigerl
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Komplex

Die Sache ist kompliziert und nicht uninteressant. "Dementieren" kann natürlich der Sprecher selbst: "Ich widerrufe meine Aussage." Aber es kann auch der Fall eintreten, dass eine Aussage durch die Gestik des Sprechers dementiert wird. Das nennt man dann "performativ". Jetzt hab ich's ja doch "erklärt".
Herr Nepp würde sich freuen, dass seine politischen Äußerungen sprachphilosophisch ausgeschlachtet werden. Ich bleib' dabei: Politiker senden oft solche widersprüchlichen Botschaften, weil sie einfach mittels eingelernter Reflexe (und Phrasen) agieren (müssen). "Pamela, lächle nach jedem zweiten Satz!" Wie oft hat sich diese gequälte Frau das wohl von ihren Trainern sagen lassen müssen! Journalisten haben sowas nicht nötig.

0A0G4FLK9CKZ4QC8
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Danken Sie den Göttern, Herr Nepp...

...dass Sie nicht dazu gehören!

beneathome
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Geistig?

Viel schlimmer ist in der FPÖ die hohe Konzentration an moralischen Nackerpatzerln. Das artet in eine Art Konzentrationslager aus. Diese Leute kann man aber, wie zu Haiders Zeiten, gut leiten.

fans61
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„Geistige Nackerpatzl gibt es überall“

und interessanterweise die meisten in der FPÖ.