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Nach zähem Ringen in BerlinCDU-Vorstand für Kanzlerkandidat Armin Laschet

Die Beratungen des CDU-Bundesvorstands dauerten mehr als sechs Stunden. Das deutliche Ergebnis: 77,5 Prozent sprachen sich für CDU-Chef Armin Laschet aus, 22,5 Prozent für Söder.

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CDU-Chef Armin Laschet
CDU-Chef Armin Laschet © (c) APA/dpa/Michael Kappeler (Michael Kappeler)
 

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet soll nach dem Willen des Bundesvorstandes seiner Partei Kanzlerkandidat der deutschen Union werden. Das hat das Führungsgremium in der Nacht zum Dienstag in einer digitalen Sondersitzung entschieden. Nach mehr als sechsstündigen Beratungen stimmten 31 Vorstandsmitglieder für Laschet und 9 für seinen Kontrahenten, CSU-Chef Markus Söder. Es gab 6 Enthaltungen, wie ein Parteisprecher mitteilte.

Damit ist der tagelange nervenaufreibende Machtkampf um den Spitzenposten für die Bundestagswahl im September voraussichtlich entschieden, weil die CSU diese Frage zuvor in die Hand der CDU gelegt hatte. Dies entscheide die CDU jetzt "souverän", sagte der CSU-Vorsitzende Markus Söder in München. "Wir als CSU und auch ich respektieren jede Entscheidung."

Die CDU errechnete aus den Stimmen ein Ergebnis von 77,5 Prozent für Laschet und von 22,5 Prozent für Söder. Laschet hatte zum Auftakt des Online-Sondertreffens seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur bekräftigt. "Es geht um die besten Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen. Und ich bin bereit, für uns die Kandidatur zu übernehmen", sagte er nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wir sind heute in der Verantwortung, ein Zeichen zu setzen, wo der Wahlkampf hingeht." Viele Mitglieder hätten ihm in den vergangenen Tagen gesagt, er müsse "stehen", und ihn unterstützt.

Der Ministerpräsident von Nordhrein-Westfalen betonte demnach, er wolle jeden ermutigen, in der Runde offen seine Meinung zu sagen. Laschet wurde mit den Worten zitiert: "Nur wenn wir offen, ganz transparent sind, haben wir eine Chance, gestärkt in die nächsten Wochen und in den Wahlkampf zu gehen."

Laschet plädierte für rasche Entscheidung

Laschet plädierte für eine Entscheidung noch in der laufenden Vorstandssitzung. Nachdem der Berliner CDU-Chef Kai Wegner dafür geworben hatte, die Entscheidung zu verschieben und ein Votum der Bundestagsfraktion und der Kreisvorsitzenden herbeizuführen, betonte Laschet nach Teilnehmerangaben: "Wir sollten heute entscheiden, wie wir es uns am Anfang vorgenommen haben." Die Berliner CDU hatte sich klar für Söder positioniert.

Eine schnelle Entscheidung verlangten auch die frühere Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Beide stellten sich Teilnehmern zufolge hinter Laschet. Der Vorstand habe sich vor einer Woche aus guten Gründen für ihn ausgesprochen, das müsse gelten, sagte Günther. Kramp-Karrenbauer warf Söder den Angaben zufolge vor, sich nicht an die Zusage gehalten zu haben, das Votum der CDU vom vergangenen Montag zu akzeptieren. Vieles in den vergangenen Tagen sei ruinös gewesen.

Konträre Debatte

Ostdeutsche CDU-Politiker lieferten sich eine konträre Debatte über die Stimmung in ihren Ländern. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff wies nach Angaben aus Teilnehmerkreisen auf eine große Unterstützung der Parteibasis für CSU-Chef Söder im Osten hin. Er nehme dort eine Präferenz für diesen wahr, sagte Haseloff, der aber persönlich kein Votum für Söder abgegeben soll.

Der CDU-Fraktionschef im Landtag von Brandenburg, Jan Redmann, habe sich daraufhin klar für Laschet eingesetzt, wurde berichtet. Er wurde mit den Worten zitiert: "Ich widerspreche Reiner Haseloff ausdrücklich. Im Osten gibt es ein gemischtes Bild." So gebe es im Präsidium der CDU Brandenburg klare Mehrheiten für Laschet.

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin und Vize-Bundesvorsitzende Julia Klöckner berichtete von einem eindeutigen Meinungsbild für Söder bei einer Sitzung der Landespartei am Montagnachmittag. Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß sprach nach Teilnehmerangaben von einem "gemischten Stimmungsbild" in seinem Landesverband.

Söder nicht bei Sitzung dabei

Söder hatte zuvor deutlich gemacht, dass Laschet Kanzlerkandidat werde, wenn der CDU-Bundesvorstand dies beschließe. Er versicherte: "Wird es Armin, hat er meine volle Unterstützung und die Rückendeckung der CSU." Laschet hatte Söder angeboten, an der Sitzung teilzunehmen. "Gerade in diesen Tagen müssen wir sehr viel miteinander reden", argumentierte er. Söder lehnte dies jedoch ab.

Der bayerische Ministerpräsident betont, er stehe weiter bereit, die Kandidatur zu übernehmen, sofern die CDU dies wolle. Wichtig für den Wahlkampf sei, dass CDU und CSU als Team aufträten. Er werde bei einer Entscheidung der CDU für Laschet keinen "Groll" hegen. "Egal, wie entschieden wird: Da bleibt jedenfalls bei mir und uns nichts hängen. Wir müssen - egal, wie es ausgeht - versöhnen, zusammenführen, zu einer gemeinsamen, großen, schlagkräftigen Einheit in diesem Wahlkampf werden." Das Präsidium der CSU stellte sich laut Generalsekretär Markus Blume nochmals klar hinter Söder.

Harte Auseinandersetzung zwischen Laschet und Söder

Seit vorvergangenem Sonntag hatten sich Laschet (60) und Söder (54) eine zunehmend härter werdende Auseinandersetzung geliefert. Dabei führte Söder immer wieder - auch am Montag - seine erheblich besseren Umfragewerte ins Feld, aus denen er größere Erfolgsaussichten bei der Bundestagswahl am 26. September ableitet. Seinen vorläufigen Höhepunkt fand der Machtkampf in der Nacht zum Montag, als Laschet und Söder in einem Bundestagsgebäude rund dreieinhalb Stunden im kleinen Kreis miteinander verhandelten. Auch dieses Gespräch blieb aber ohne Einigung.

Kurz vor dem Treffen am Sonntagabend hatte sich die Junge Union mit großer Mehrheit hinter Söder gestellt und damit den Druck auf Laschet erhöht.

Söder sieht Laschet auch im Falle von dessen Nicht-Nominierung nicht politisch angeschlagen. "Da sehe ich überhaupt kein Problem, null", sagte er auf die Frage, ob Laschets Posten als Parteichef gefährdet wäre.

Baerbock Kanzlerkandidatin der deutschen Grünen

Die Union steht nicht nur wegen der internen Folgen des Streits fünf Monate vor der Bundestagswahl maximal unter Druck. Hinzu kommt, dass die Grünen - nach aktuellen Umfragen stärkste Kraft hinter der Union - Parteichefin Annalena Baerbock als ihre Kanzlerkandidatin präsentierten. Dass für die SPD Olaf Scholz antritt, steht seit längerem fest. Einzig die Union, die mit Angela Merkel seit fast 16 Jahren die Kanzlerin stellt, hat diese Personalie wegen des internen Streits noch nicht entschieden.

Kommentare (17)
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Dickerchen
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Die bewusste Entscheidung der CDU...

....nach 16 Jahren in die Opposition zu gehen ist doch legitim:-)))

perosegger
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Damit werden CSU und CDU bald..

... zwei gleich starke Flügel einer Partei. Die Ost-CDU nähert sich Söder an, die Einladung aus Bayern steht! Da können sie dann den Weißwurschtäquator auf und ab hüpfen ⛈️ Aber: wer braucht schon "Großparteien"? Die Grenzen verlaufen nicht mehr an ihren Mehrheiten, sondern quer durch die Gemüsegärten: der eine will mehr Mais, der zweite mehr Soja, der/die dritte die Kohle, der/ die vierte die Windkraft, die/der Vierte mehr Autos usw, usw. Nur den verläßlichen, ausgleichenden und sozialen Staat hat die SPD mit Hartz IV eh schon lang eingestampft. Und es regiert: das Kapital für viele ICH-ICH-ICH-AGs 😱

fwf
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War klar

Spitzenkandidat muss ein politisch korrekter und überzeugter EU-Vasall sein. Söder ist zuerst ein überzeugter Bayer, dann erst EU-Mitglied. Laschet ist wie Merkl ein Europa-Politiker, zuerst die EU und dann erst Deutschland. Wie weit die Wähler das goutieren werden, wird sich zeigen.

Civium
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Söder ist

Franke !!!!!

crawler
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Diese Überlegung

ist vielleicht nicht so abwegig. Dass der Kanzler überzeugter Europäer sein soll/muss ist aber schon deshalb wichtig, da ja Deutschland in Sachen EU eines der wichtigsten Länder ist. Da braucht es einen diplomatisch denkenden Kanzler nicht einen Sturkopf.

yzwl
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Großkotz

Söder ist draußen!

Lodengrün
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Kann mir

nicht vorstellen das Söder seine Waffen schon abgebaut hat. Seine Zusagen, siehe auch diese zu Herrn Kurz, sagen in der Regel gar nichts.

pink69
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somit

Wahl verloren und die erste grüne Kanzlerin Deutschlands !

lucas200497
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Wahl

Somit werden die Grünen die Wahl sicher gewinnen
Ebenso könnte sich die AfD viele Stimmen der Union schnappen oder die Wahlbeteiligung wird rapide senken
Eines ist ebenso sicher
CDU/CSU demontieren sich ebenso wie den Sozialdemokraten

VH7F
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Merkels Erbe: Deutschland zu Tode gespart

Die CDU CSU Union zerstört, an die EU Spitze die inkompetente Uschi gehieft. Sozialisiert von den Kommunisten im Osten.

Frohsinnig
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Todestrieb

Die CDU will Scholz und den Grünen auch eine Chance geben. Das Ende der Ära Adenauer-Kohl ist da.

derhannes
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Ära Adenauer-Kohl

Guten Morgen, vielleicht haben Sie da etwas verpasst. Die Ära Adenauer endete 1963, die Ära Kohl 1998.

derhannes
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Neue Ära

Entschuldigung, falls mein Kommentar etwas zynisch geklungen haben mag. Ich bin der Ansicht, dass im 21. Jahrhundert mit all den Veränderungen der letzten Zeit kein Platz mehr für eine Politik im Stil von Adenauer oder Kohl ist. Nicht in Deutschland und auch nicht bei uns.

lombok
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Das beste, was den Grünen passieren konnte!

Jetzt werden die Grünen eine Dreierkoalition mit SPD und Linken (oder Freiheitlichen) machen und die Kanzlerin stellen.

CDU in Selbstzerstörung ...

georgXV
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???

wenn sich 2 streiten, freut sich der Dritte ...
Friedrich Merz ?

lucas200497
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Laschet - Söder

Ich find den Söder nicht gerade sympathisch
Dennoch wäre er der einzige Politiker der ein noch nie gesehenes Debakel der Union verhindert kann - mit ihm wird CDU/CSU die Wahl sicher gewinnen
Mit Laschet geht diese Partei komplett unter - mit weitreichenden Folgen

derhannes
6
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Untergang

Die beste Voraussetzung für einen Untergang ist, diesen vorab zu postulieren.