Deutsche StudieLong Covid: Indiz für die Ursache scheint gefunden

Blutkörperchen könnten bei der Entwicklung von Long Covid eine Rolle spielen, schreibt ein Forscherteam aus Erlangen in einer neu publizierten Studie.

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© (c) Ulia Koltyrina - stock.adobe.com
 

Hinter dem Schlagwort Long Covid stehen noch so einige Fragezeichen. Denn die Symptome der Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion sind vielfältig und äußerst schwer abgrenzbar, eine genaue Definition des "Post Covid Syndroms" fehlt weiterhin. Klar ist aber, dass zahlreiche Menschen, die eine Infektion überstanden haben, über Monate mit Beschwerden zu kämpfen haben. Nun könnte es sein, dass Forscherinnen und Forscher in Deutschland einer der Ursachen ein Stück weit näher gekommen sind. 

Ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für Physik und Medizin sowie des Deutschen Zentrums für Immuntherapie in Erlangen konnte im Rahmen einer Studie nachweisen, dass Blutkörperchen bei Covid-19-Infizierten deutliche Veränderungen gegenüber jenen von gesunden Menschen aufweisen. Die Studie wurde in der Fachpublikation Biophysical Journal veröffentlicht.

"Corona Update"-Podcast

Wie sehr Long-Covid-Betroffene beeinträchtigt und wie schwierig es ist, die Nachfolgeerkrankung von Covid-19 zu behandeln, erklärt Neurologe Michael Stingl in einer Folge unseres "Corona Update"-Podcast.

Unflexible Blutkörperchen

Basis der Untersuchung ist ein Verfahren, dass die Forschenden in Erlangen selbst entwickelt haben, die sogenannte "Verformungszytometrie". Und diese Methode zeigte, dass Blutkörperchen von Covid-19-Infizierten wenig elastische und eher rund waren. Normalerweise passen sich "gesunde" Blutkörperchen an, haben ein eher tröpfchenförmiges Aussehen, um auch dünnste Äderchen passieren zu können. Bei mit Covid-19-Infizierten war diese Eigenschaft aber eingeschränkt, die Blutkörperchen blieben eher rund. Was auch die Fließeigenschaften des Blutes sowie die Sauerstoffversorgung beeinflussen könne, so die Forscherinnen und Forscher. 

Untersuchungsverfahren

Bei der "Verformungszytometrie" werden Blutzellen, mit einer Hochgeschwindigkeitskamera durch ein Mikroskop fotografiert. Eine Software teilt die Blutkörperchen dann in Gruppen ein und ermöglicht so einen Vergleich dieser. 

Untersucht hat das Forscherteam vier Millionen Blutkörperchen von erkrankten, genesenen und gesunden Menschen, die festgestellten Verformungen könnten ihrer Einschätzung nach auch Thrombosen bzw. Embolien in der Luge erklären. Denn auch bei einer Infektion mit Covid-19 gilt ein erhöhtes Risiko für diese Krankheitsbilder. 

Ursache für Long Covid?

Da die Verformungen weit über das Abklingen der akuten Infektion bestehen bleiben, bei manchen untersuchten Patientinnen und Patienten bis zu sieben Monate, vermuten die Wissenschaftlerinnen, dass dies eine Ursache für Long Covid sein könnte. Laut ihrer Hypothese würden die veränderten Blutkörperchen Symptome wie Atemnot, Abgeschlagenheit aber auch Konzentrationsstörungen (brain fog) erklären. Sie stellen auch einen möglichen Zusammenhang zum Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns her. 

Anzumerken ist allerdings, dass es sich hierbei um eine sehr kleine Studie handelt, die erste Hinweise geben kann. Diese Hinweise müssen aber durch weitere und umfangreichere Untersuchungen bestätigt werden.

Auch der Bayrische Rundfunk hat über die Erkenntnisse des Forscherteams berichtet. Den Beitrag können Sie hier ansehen: 

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