SpezialambulanzLong Covid: ,,Die meisten, die zu uns kommen, haben eine Odyssee hinter sich''

Mariann Gyöngyösi behandelt in der ersten Long-Covid-Ambulanz Österreichs Patientinnen. Der Andrang ist enorm, die Ambulanztermine sind über Monate hinaus vergeben.

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Long Covid, Österreich, Ambulanz
Long Covid betrifft immer mehr Menschen, es braucht mehr Anlaufstellen für sie, sagt Mariann Gyöngyösi © (c) Andrzej Wilusz - stock.adobe.com
 

Seit März 2021 ist die Spezialambulanz für Long-Covid-Patienten in Betrieb, es war die erste dieser Art in Österreich. Angesiedelt ist diese an der Herzambulanz des Wiener AKH. Wie viele Patientinnen und Patienten haben Sie während der letzten Wochen behandelt?
MARIANN GYÖNGYÖSI: Grundsätzlich können wir pro Woche fünf Patienten behandeln, doch wir sehen, dass der Bedarf um ein Vielfaches größer ist. Mit Ambulanzterminen sind wir die nächsten Monate über den Sommer eigentlich ausgebucht. Aus diesem Grund versuchen wir, die Ambulanz zu erweitern.

Wer kommt zu Ihnen in die Ambulanz? Können Sie ein Muster erkennen, das auf Risikofaktoren schließen lässt? Etwa durch den Covid-Verlauf?
Im Durchschnitt sind die Patientinnen und Patienten zwischen 30 und 50 Jahre alt. Aber wir haben auch eine 85-jährige Patientin und einen 18-Jährigen in Behandlung. Etwa 70 Prozent jener, die zu uns kommen, sind Frauen. Den Verlauf betreffend: Es gibt auch Menschen, die schwere Verläufe durchgemacht haben, die Long Covid entwickeln. Wir sehen eher die leichteren Verläufe, Patienten, die etwa hohes Fieber hatten, aber nicht hospitalisiert werden mussten, die dann zu uns kommen.

Welche Symptome sind das?
Sehr häufig sind es Müdigkeit, Erschöpfung, auch Konzentrationsstörungen kommen oft vor. Also Symptome, die man vom sogenannten Fatigue-Syndrom kennt. Im Grunde weisen die Patientinnen und Patienten eine reduzierte Arbeitsfähigkeit auf, da sie nicht sehr belastbar sind. Und ihre Lebensqualität ist massiv eingeschränkt. Ihre Befunde sind oft normal, aber sie können ihr gewohntes Leben nicht weiterführen.

Wie läuft eine Behandlung ab an Ihrer Ambulanz?
Wir machen eine Reihe unterschiedlicher Untersuchungen: EKG, Blutdruck, Bluttests. Die meisten Menschen, die zu uns kommen, haben eine wahre Odyssee bei verschiedenen Ärzten hinter sich. Wir versuchen, alle notwendigen Untersuchungen an einem Ort anzubieten.

Selbsthilfegruppe

Damit sich Menschen mit Long Covid über Therapiemöglichkeiten, Sorgen und Erfahrungen austauschen können, hat Maarte Preller eine österreichweite Selbsthilfegruppe gegründet. Ziel ist es, sich zu vernetzen, unterstützen und auf das Phänomen aufmerksam zu machen. Betroffene können der Selbsthilfegruppe auf Facebook beitreten: facebook.com/groups/longcovidat

Maarte Preller hat ihre Geschichte auch uns von der Kleinen Zeitung erzählt, diese können Sie hier nachlesen:

Kommentare (3)
gm72
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Gut, dass es diese Einrichtung gibt!

Wir bräuchten wohl mehr davon!!
Selbst nach COVID genesen weiß ich annähernd, wie schwer es sein kann, mit den Folgen fertig zu werden, aber zum Glück bin ich kein Long Covid Fall. Für Leugner und Grippe-Vergleicher nicht nachvollziehbar...
Danke an alle unermüdlichen Pfleger, Ärzte und sonstige Unterstützer, die in der zweiten Reihe Hilfe leisten und viel zu wenig Anerkennung erfahren! Danke!

future4you
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Es ist nicht zu glauben,

dass selbst bei Erfahrungsberichten wie dem Ihren es noch Menschen gibt, die nichts anderes zu tun haben als notorisch den Daumen nach unten zu zeigen. Wie lebensfremd, blind, abgehoben, verhärtet oder ideologisch verbohrt müssen denn die sein?

blubl
8
9
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🤔

Grippevergleicher - der ist Gut - sie sollten sich mit dem Thema Influenza (echte Grippe) etwas genauer befassen.