Was versteht man unter einer "Sinusvenenthrombose"?

Dabei handelt es sich um eine Verstopfung der Sinusvenen im Gehirn. Diese kommt durch Blutgerinnsel zustande. Die Sinusvenen sind dafür zuständig, das sauerstoffarme Blut aus dem Gehirn zum Herzen zu transportieren. Sind diese Venen verstopft, kann das Blut nicht mehr so einfach abfließen. Dadurch kommt es zu Sauerstoffmangel im Gehirn, erhöhtem Druck im Kopf und Durchblutungsstörungen.

Warum kommt es in seltenen Fällen zu Sinusvenenthrombosen nach der Covid-Impfung?

Bei Sinusvenenthrombosen spielt die Immunantwort die zentrale Rolle. Das haben nun Forschende aus Deutschland, Österreich und Kanada erstmals auf „Research Square” zusammengefasst: Durch die gebildeten Antikörper kommt es zu einer Aktivierung der Plättchen im Blut. Sie kann zufolge haben, dass Blutplättchen sich an den Gefäßen anheften und damit Sinusthrombosen auslösen. Gleichzeitig werden dadurch die Blutplättchen verbraucht und es kommt es zu einem starken Abfall der Blutplättchenzahl.

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Wie erkennt man eine Thrombose?

Bei Sinusvenenthrombosen kommt es vor allem zu Kopfschmerzen. Angiologe Thomas Gary von der Med Uni Graz weist darauf hin, vor allem den Zeitpunkt des Symptoms zu beachten: „Auffällig bei allen Arten von Thrombosen, die im Zusammenhang mit der Impfung auftreten, ist die zeitliche Verzögerung. Die Symptome treten ein bis zwei Wochen nach der Impfung auf, nachdem man sich schon gut gefühlt hat.“ Je nachdem, wo die Thrombose auftritt, kann es zu Schwellungen und Schmerzen an verschiedenen Körperstellen kommen. Die zeitliche Verzögerung hängt damit zusammen, dass die Antikörper erst nach einer gewissen Zeit gebildet werden. Diese aktiveren dann die Blutplättchen. Das kann zu Thrombosen an ungewöhnlichen Stellen wie an Venen im Bauch oder im Gehirn führen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

„Der Hausarzt sollte dann kontaktiert werden, wenn nach einem zeitlichen Abstand zur Impfung Symptome auftreten“, sagt Gary. Ein erster Schritt wäre dann, sich Veränderungen im Blut anzusehen und festzustellen, ob eine Blutplättchenarmut vorliegt.

Sollte man vorbeugend Blutverdünner wie Aspirin einnehmen?

Laut Angiologe Gary ist davon dringend abzusehen: „Meist wird dafür Aspirin herangezogen. Dieses schützt aber bei venösen Thrombosen nicht.“ Dazu kommt laut dem Experten, dass man im Falle einer Blutplättchenarmut eine höhere Blutungsneigung habe. „Selbstmedikation mit Blutverdünnern birgt also mehr Risiko als Nutzen.“

Sollte man wegen der Thrombosegefahr auf eine Impfung mit AstraZeneca verzichten?

„Man darf nicht vergessen, die Seltenheit dieses Phänomens im Auge zu behalten. Bei nur ungefähr einer von 100.000 Impfungen kommt es zu Thrombosen“, so Gary. Dazu kommt, dass das Thromboserisiko bei einem schweren Covid-Verlauf um ein Vielfaches höher ist als bei der Impfung. Ein guter Schutz vor einem schweren Verlauf ist also auch Thromboseprophylaxe.

Warum betrifft das vor allem AstraZeneca?

Hier muss noch vieles untersucht werden. Einen sehr wahrscheinlichen Erklärungsansatz gibt es aber bereits: Bei Vektorimpfstoffen wird ein perfekt nachgebildetes Protein in den Körper injiziert. Dieses ähnelt dem Virus stark. „Wenn wir nun bedenken, dass wir es bei Corona mit einer Erkrankung zu tun haben, die mit einer Thrombosegefährdung einhergeht, könnte man annehmen, dass eine exzellente Nachbildung von Teilen dieses Virus in seltenen Fällen auch eine Thrombose zur Folge hat“, so der Experte.

Warum sind von den Thrombosen meist junge Frauen betroffen?

Das ist aller Ansicht nach auf zwei Phänomene zurückzuführen. Zum einen haben Studien gezeigt, dass die Immunantwort bei jüngeren Menschen stärker ist als bei älteren. Diese Immunantwort scheint für die Thrombose-Fälle verantwortlich zu sein. Zum anderen kommt dazu, dass Frauen ein höheres Risiko für Autoimmunerkrankungen aufweisen: „Die Kombination aus der Veranlagung gut Antikörper auszubilden und die Neigung zu diesen Immunmechanismen dürfte das Auftreten der Thrombosen zufolge haben“, sagt der Experte.

Kennt man Thrombosen als Nebenwirkung auch von anderen Impfungen?

„Blutplättchenarmut gibt es nach mehreren unterschiedlichen Impfungen – Thrombosen nicht. Das ist ein neues Phänomen“, so Gary. Dabei dürfe man aber nicht außer Acht lassen, dass es für die Menschheit ebenso neu ist, gleichzeitig so viele Personen impfen zu lassen: „Wir lassen mehrere hunderttausend Menschen impfen. Dadurch sehen wir diese seltenen Phänomene plötzlich auch gehäuft. Wenn wir bedenken, dass manche Zulassungsstudien mit 40.000 Personen gemacht wurden, ist es auch klar, dass man hier Nebenwirkungen, die nur bei einem von 100.000 Menschen auftreten, oft noch nicht sehen konnte.“

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