Biologisches Alter von Hund und KatzeSo alt ist mein Haustier wirklich

Hund und Herrl, Katze und Frauerl – alle werden sie alt. Aber unterschiedlich schnell. Was man beachten muss, wenn das Haustier ein Senior wird.

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© chendongshan/stock.adobe.com (Chendongshan)
 

Katzen haben sieben Leben. Und das Alter des Hundes multipliziert man mit sieben, dann weiß man, wie alt er in Menschenjahren ist. So sagt man, aber stimmen tut beides nicht.

Fakt ist hingegen, dass die beliebtesten Haustiere der Österreicher heutzutage deutlich älter werden. „Das liegt an der besseren Pflege und Ernährung, aber natürlich auch den medizinischen Möglichkeiten“, sagt Kurt Frühwirth, Präsident der Tierärztekammer. Dass Katzen, aber auch kleine Hunde mehr als 15 Jahre auf dem Buckel haben, ist keine Seltenheit mehr.

Weil Menschen und ihre Vierbeiner allerdings stark unterschiedliche Lebenserwartungen haben, falle es vielen Tierbesitzern schwer, das tatsächliche auf das biologische Alter ihres Schützlings umzulegen.

Foto © KLZ/Infografik

„Bei Hunden variieren die Lebenserwartung und die Geschwindigkeit des Alterns stark nach Rasse und deren spezifischen gesundheitlichen Problemen sowie der Körpergröße“, sagt Frühwirth. Das bedeutet: Während ein Rottweiler schon ab dem fünften Lebensjahr als Senior einzustufen ist, kommt ein Yorkshire Terrier gerade ins beste Alter. Bei Katzen wird als Faustregel das zehnte angenommen, allerdings ist auch bei sehr großen Rassen wie Maine Coons die Lebensspanne in der Regel kürzer.

Ab wann ist mein Tier ein Senior?

Katzen. Im Durchschnitt werden Stubentiger rund 15 Jahre alt, wobei Freigänger, aber auch manche Rassekatzen eine geringere Lebenserwartung haben. Als Senioren gelten Katzen ab einem Alter von zehn Jahren.

Hunde. Wie alt Hunde werden, hängt stark von Körpergröße und Rasse ab. Als Faustregel gilt, dass sie als Senior einzustufen sind, wenn sie drei Viertel ihrer spezifischen Lebenserwartung erreicht haben.

Das Fell wird schütter, die Sinne und der Bewegungsdrang lassen nach, der Appetit flaut ab – wie beim Menschen muss man auch bei Tieren zwischen altersbedingten Zipperlein und Krankheiten unterscheiden. „Leider werden Symptome von den Besitzern oft spät oder gar nicht erkannt“, sagt der Veterinär. „Oft denken die Besitzer, das ist im Alter ganz normal. So geht kostbare Zeit verloren und man kann den Tieren nicht mehr helfen.“

Ab dem Seniorenalter gilt also für Zwei- und Vierbeiner: zur Vorsorgeuntersuchung gehen. „Schwierigkeiten mit der Nierenfunktion etwa gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei älteren Katzen. Deshalb muss man die Nierenwerte regelmäßig kontrollieren“, sagt Frühwirth. Dabei sollten die Abstände kürzer sein als beim Menschen: Ein Jahr in unserer Zeitrechnung entspricht mehreren Jahren in Bezug auf den Alterungsprozess des Haustieres.

So verändert sich das Verhalten mit dem Alter

Katzen. Als Senior haben Katzen ein erhöhtes Bedürfnis nach Ruhe und ihr Spielverhalten ändert sich: statt wildem Toben sind vermehrt Spiele gefragt, die Intelligenz und Geschicklichkeit fordern. Sie suchen mehr Körperkontakt zu ihren Besitzern, werden aber auch eigensinniger. Viele Tiere werden durch das Nachlassen von Geruch- und Geschmacksinn beim Futter wählerisch.

Hunde. Bei Hunden macht sich das Alter dadurch bemerkbar, dass sie sich nicht mehr so viel und langsamer bewegen. Das Interesse am Spielen mit dem Menschen und anderen Hunden lässt nach. Ein Anzeichen für zunehmendes Alter ist das Ergrauen des Fells, insbesondere am Kopf. Dass sie Kommandos nicht mehr befolgen, kann an Schwerhörigkeit liegen, aber auch daran, dass sie starrsinniger werden.

Wie beim Menschen ist das biologische Alter ein Cocktail aus genetischer Veranlagung, richtiger Ernährung, ausreichend Bewegung und medizinischer Vorsorge. Wobei das, was der Tierhalter in den Futternapf füllt, eine gewichtige Rolle spielt: „Wir sehen immer öfter Diabeteserkrankungen bei Katzen, weil sie überfüttert werden. Bei Hunden schlägt sich das Übergewicht vor allem auf die Gelenke.“

Was dem Zweibeiner auch bekannt vorkommt: Der Stoffwechsel verändert sich mit den Jahren. Auch bei Hund und Katz setzen sich Fettpölsterchen leichter an, auch weil sie sich weniger bewegen. „Deshalb gibt es spezielle Futtersorten für ältere Tiere, bei denen der Energiegehalt reduziert ist. Auch der Anteil an Eiweiß ist geringer, weil die Nierenfunktion nachlässt“, sagt Frühwirth.

Rekordhalter bei Hund und Katze

Als offiziell ältester Hund der Welt wird der Australian Cattle Dog namens Bluey im Guinness-Buch der Rekorde geführt, der ein methusalemisches Alter von 29 Jahren und 160 Tagen erreichte.

Rekordhalterin bei den Miezen war die weiß- getigerte Hauskatze Creme Puff, die im US-Bundesstaat Texas lebte und stolze 38 Jahre und drei Tage alt wurde.

Die gestiegene Lebenserwartung bringt aber auch Krankheiten mit sich, die bei Hund und Katze bisher kein Thema waren: Bei Katzen ist ein Beispiel dafür die Überfunktion der Schilddrüse. „Wir sehen inzwischen auch sehr betagte Tiere, die Demenz entwickeln. Das hat man früher nicht gekannt“, sagt Frühwirth. Wie auch beim Menschen geht das mit Vergesslichkeit, Desorientierung und einer Veränderung des Schlafrhythmus einher.

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