Doktor im PelzWarum sich Katzen positiv auf unsere Gesundheit auswirken können

Warum Katzen und andere Tiere gut für unsere Gesundheit sind.

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© Alexandr - stock.adobe.com (Alex_Zotov)
 

Es ist jedes Mal wie ein kleines Wunder, wenn man eine Katze streichelt, sie sich auf den Schoß setzt und sie zu schnurren beginnt. Das Gefühl, dass sie einen tierischen Therapeuten zu Hause haben, das beschleicht „Dosenöffner“ nicht von ungefähr. „Der Kontakt zu Tieren kann sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken“, sagen Bettina Mutschler und Rainer Wohlfarth, ihres Zeichens Experten für Tier-Mensch-Beziehungen und tiergestützte Therapie. „Alleine das Streicheln einer Katze ist eine Wohltat für Geist und Körper. Denn dadurch wird die Produktion von Oxytocin im Körper angeregt“, sagt der Psychotherapeut. Der Botenstoff wird auch Kuschelhormon genannt und wirkt beruhigend und blutdrucksenkend. Bereits in den 1970er-Jahren wurde damit erstmals nachgewiesen, dass Haustiere sogar ernste Erkrankungen wie einen Herzinfarkt günstig beeinflussen können.

„Das kleinste Katzentier ist ein Meisterstück.“ Leonardo da Vinci, Universalgenie
Bis heute ist sich die Wissenschaft nicht darüber einig, wie Katzen das Schnurren erzeugen. Belegt ist hingegen durch eine Studie des Schlaganfallzentrums der Universität von Minnesota, dass ihr wohliges Brummen im menschlichen Gehirn das Ausschütten des Wohlfühlhormons Serotonin ankurbelt. Das wiederum senkt den Blutdruck und damit auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch ein positiver Effekt bei Schlafstörungen wurde festgestellt. Die aus medizinischer Sicht wertvollste Schnurrfrequenz liegt laut Forschung zwischen 27 und 44 Hertz: Durch die Vibrationen wird die Muskulatur stimuliert, die wiederum das Knochenwachstum anregt. So heilen Frakturen bei Katzen schneller als bei anderen Tieren. Und dieser positive Effekt soll sich auf andere Lebewesen übertragen lassen.

„Katzen sind die rücksichtsvollsten und aufmerksamsten Gesellschafter, die man sich wünschen kann.“ Pablo Picasso,
spanischer Künstler
Aber nicht nur für den Körper, auch für den Geist ist der Kontakt zu Tieren wie Balsam. Auch, weil wir bei allen Unterschieden seit Urzeiten einen besonderen Draht zueinander haben: „Die tiefe Beziehung beruht darauf, dass wir ähnlich fühlen, denken und uns ausdrücken“, sagt Wohlfarth. Vierbeiner zeigen ihre Gefühle direkt und unmittelbar, schenken ihre Zuneigung vorurteilsfrei und ohne Gegenleistung – ja, sogar die angeblich berechnenden Katzen. „Das fehlt oft in zwischenmenschlichen Beziehungen.“ Und erst recht bei der Technik, mit der wir uns heute im Alltag umgeben. Wobei: Medienwissenschaftler der Indiana University haben herausgefunden, dass wir nicht umsonst so gerne Bilder oder Videos von Katzen im Internet anschauen: Sie zeigte 7000 Versuchspersonen solchen „Cat Content“, danach fühlten sich die Menschen optimistischer, glücklicher und tatkräftiger.

„Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, eine Katze zu streicheln, einem Affen zuzunicken oder vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.“ Maxim Gorki, russischer Schriftsteller
Laut einer Umfrage lässt jeder zweite Österreicher seine Katze oder seinen Hund im Bett schlafen. Die Mehrheit der Menschen betrachtet ihren felligen Gefährten als Familienmitglied. Und wahrscheinlich sprechen auch die meisten mit ihnen: Kein Grund zur Verlegenheit, denn das tut uns gut. „Das Sprechen mit dem Tier ist im Grunde ein Sprechen mit uns selbst“, sagt Mutschler. „Und das ist wichtig für die Klärung der eigenen Gefühle und Gedanken.“

Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen
Bettina Mutschler und Rainer Wohlfarth mit zwei ihrer vier Esel, die zur Therapie eingesetzt werden © Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen

Zur Person

Bettina Mutschler und Rainer Wohlfarth leiten seit 2006 „Ani.Motion“, ein Institut für tiergestützte
Therapie im deutschen Schwarzwald. Sie bilden zwei- und vierbeinige Therapeuten aus und bieten Trainings mit ihren vier Eseln und Hündin Thimba.
Buchtipp: Die Heilkraft der Tiere – Wie der Kontakt mit Tieren uns gesund macht. btb Verlag, 318 Seiten, 20,60 Euro.

„Wer eine Katze hat, braucht das Alleinsein nicht zu fürchten.“ Daniel Defoe, englischer Schriftsteller
In unserer Gesellschaft grassiert die Einsamkeit – nicht erst seit Coronavirus, Lockdown und Co. „Derzeit sind einige Studien im Gange, die untersuchen, wie sich Haustiere auf ihre Besitzer während des Lockdowns ausgewirkt haben“, sagt Wohlfarth, vermutet aber aufgrund der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Mensch-Tier-Beziehung, dass Haustiere ihren Menschen durch die Krise geholfen haben. „Alleine durch körperliche Nähe und Berührungen, die für viele Menschen mit der Pandemie weggefallen sind.“ Auch beobachten die beiden Experten immer wieder, dass Menschen, die zu Depressionen neigen, durch ein Tier in ihrem Leben wieder lernen, ihren Tag zu strukturieren. „Fürsorge ist ein menschliches Grundbedürfnis“, sagt Wohlfarth. „Für Menschen ist es oft einfacher, sich um andere zu kümmern als um sich selbst. Da kann ein Haustier eine hohe Motivation sein.“

„Die Menschheit lässt sich grob in zwei Gruppen einteilen: in Katzenliebhaber und in vom Leben Benachteiligte.“ Francesco Petrarca, italienischer Dichter
Dass Kinder stark davon profitieren können, wenn sie mit tierischen Gefährten aufwachsen, ist wissenschaftlich belegt. Studien aus Kanada und Australien haben sogar herausgefunden, dass Tierbesitzer weniger Kosten für das Gesundheitssystem verursachen. Dennoch sind die Doktoren im Pelz kein Medikament ohne Nebenwirkungen. Zumindest nicht für jeden Menschen: „Ein Tier sollte wirklich nur der adoptieren, der eine Affinität zu ihnen hat, ihren Bedürfnissen gerecht werden kann und sich auch bewusst ist, dass sie viel Mühe und Arbeit bereiten“, sagt Mutschler. Etwas für seine Gesundheit tun zu wollen, reicht als Motiv längst nicht aus: „Wer nicht biophil ist, bei dem werden sich auch keine positiven Effekte einstellen, nur weil er ein Tier besitzt.“

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