Glanzpunkte Was das chaotische Pandemiejahr kulturell zu bieten hatte

Das stärkste Stück, der fesselndste Film, das überraschendste Comeback, das mutigste Experiment, aber auch die größte Enttäuschung: Die Kulturredaktion kürt persönliche Höhepunkte und frappante Momente dieses Kulturjahres.

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Meryl Streep in "Don't look Up"
Meryl Streep in "Don't look Up" © AP
 

Ute Baumhackl

Theaterereignis des Jahres: Franz Xaver Mayrs sprachsinnliche Umsetzung von Elfriede Jelineks "Das Licht im Kasten" am Grazer Schauspielhaus.
Trara des Jahres: Jenes um den neuen Salzburger "Jedermann". Und berechtigt war es auch noch.
Film: Jane Campions Westernelegie "The Power of the Dog" über die Auswirkungen unterdrückter Gefühle ist atemberaubend. Und Benedict Cumberbatch als finsterer Rancher haut einen um.
Buch: "Vati" von Monika Helfer, gleich großartig als Liebeserklärung und Beziehungsanalyse.
Album: Jazmine Sullivans "Heaux Tales". Halleluja, es gibt also noch Hoffnung für das R&B-Genre.
Versagen des Jahres: Verordnungschaos und Missmanagement der Regierung im Umgang mit dem Kulturbetrieb.

Martin Gasser

Buch des Jahres: "Fundamentals" des Physikers Frank Wilczek (C. H. Beck) vermag die Sicht auf die Welt zu ändern.
Opernaufführung des Jahres: In der angeblichen Provinz gibt es das mutigste Theater: Das Stadttheater Klagenfurt zeigte Salvatore Sciarrinos "Il canto s’attrista, perché?" Ex aequo: "Rappresentatione di anima et di corpo" im Theater an der Wien, inszeniert von Magier Robert Carsen.
Album des Jahres: Der Amerikaner Michael Spyres demonstriert auf "Baritenor", dass er beides ist: Tenor und Bariton.
Musikerin des Jahres: Self Esteem alias Rebecca Lucy Taylor für ihren Bekenntnis-Pop.
Enttäuschung des Jahres: Der Bond-Film, der sich nicht zwischen Melodram und Ego-Shooter-Ästhetik entscheiden kann.

Il canto s’attrista, perché?
Il canto s’attrista, perché? Foto © Karlheinz Fessl

Susanne Rakowitz

Ausstellung des Jahres: "Natures Mortes", Palais de Tokyo,
Paris. Anne Imhof inszeniert eine zeitgemäße Tour de Force zum Thema Stillleben.
Serie des Jahres: "Mare of Easttown" (Sky). Kate Winslet als eine vom Leben gebeutelte Polizistin in einer US-Kleinstadt.
Frauenpower auf der Bühne: "Maria Stuart", Burgtheater. Bibiana Beglau und Birgit Minichmayr stoßen sich ab, ziehen sich an und tanzen am Abgrund.
Musikalische Newcomer des Jahres: "Wet Leg" – das Indie-Duo von der Isle of Wight mit der coolsten Fuck-Off-Attitude des Jahres.
Film zum Immer-wieder-Schauen: "Ich bin dein Mensch" – Maren Eggert und Dan Stevens in einem der berührendsten Beziehungsfilme des Jahres.

Michael Tschida

Abschied des Jahres: Groß als Künstler, groß als Mensch. Arik Brauer starb im Jänner mit 92. Aber sein Geist, sein Witz, seine Kunst, seine Fantasie bleiben.
Entdeckung des Jahres: Samuel Mariño (27). Der venezolanische Sopranist, der nie in den Stimmbruch kam, brillierte bei der
styriarte in Kastratenarien.
Album des Jahres: Die in Paris lebende Grazer Lautenistin Christina Pluhar lässt auf "Alla Napoletana" mit famosem Ensemble Funken sprühen wie der Vesuv.
Die Mutigen des Jahres: Swetlana Alexijewitsch, Volha Hapeyeva, Uladzislau Ivanou, Julia Cimafiejeva, Alhierd Bacharevic, Sasha Filipenko ... Lang lebe Belarus!
Abgang des Jahres: Helga Rabl-Stadler geht nach 27 Jahren als Präsidentin der Salzburger Festspiele am 31. 12. in Pension.

Helga Rabl-Stadler geht nach 27 Jahren am 31. 12. in Pension
Helga Rabl-Stadler geht nach 27 Jahren am 31. 12. in Pension Foto © APA/BARBARA GINDL

Andreas Kanatschnig

Serie des Jahres: In der finalen "Homeland"-Staffel zeigt CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) in Afghanistan Courage: politisch am Puls der Zeit.
Comic des Jahres: Asterix hatte 2021 mit "Asterix und der Greif" im Griff: Texter Jean-Yves Ferri erneuert den Klassiker mit großem Gespür für das Ganze.
Zeitschrift des Jahres: Das "Micky Maus"-Magazin gibt es seit 70 Jahren. Mit Aktionen wie einem Architekturwettbewerb für Dagoberts Geldspeicher auch 2021 Garant für innovative Ideen.
Band des Jahres: "Mammamia", das kann nur Måneskin sein: aufregend, androgyn, Rock ‘n’ Roll für eine neue Generation.
Lexikon des Jahres: Der Kosmos Weltalmanach füllte auch heuer die Lücke, die der Fischer Weltalmanach hinterließ. So trotzt man der Internet-Recherche.

Victoria De Angelis und Damiano David
Victoria De Angelis und Damiano David Foto © Vianney Le Caer/Invision/AP

Christian Ude

Frohbotschaft 2021: Die französische Serie "Call My Agent!" wird um eine fünfte Staffel verlängert. Das Juwel über Schauspielagenten mit echten Stars ist seit heuer auf Amazon Prime abrufbar.
Buch des Jahres: "Im Wasser sind wir schwerelos" von Tomasz Jedrowski. Grandioser Erstling des deutsch-polnischen Autors, sowohl zart und poetisch als auch aufwühlend.
Album des Jahres: "Reverie" von Ben Platt. Der Schauspieler und Broadway-Star ist auch Co-Autor aller 13 Titel seines zweiten Longplayers und reißt mit seinen Tagträumen mit.
Wunder 2021: Der Eurovision Song Contest fand live in Rotterdam vor Publikum statt, nur von zwei Beiträgen mussten Videos gezeigt werden.
Comeback des Jahres: Abba was für eine Frage!

Wieder gemeinsam im Studio: Agnetha, Benny, Björn und Anni-Frid Foto © Universal

Bernd Melichar

Buch des Jahres: "Memoiren eines Irren" von Gustave Flaubert (Hanser). Erst 17 Jahre alt war der spätere Roman-Revolutionär,
als er dieses Buch schrieb, das bereits Großes erahnen ließ. Ein Genie beim Üben!
Album des Jahres: Die Londoner Rapperin Little Simz sprengt auf "Sometimes I Might Be Introvert" lust- und kraftvoll alle Genregrenzen und hat ein mutiges,
innovatives, zukunftsweisendes Album des Jahres vorgelegt.
Film des Jahres: "Don’t Look Up" ist eine messerscharfe Satire auf die Verpopung der Medienwelt, Trumpismus und eine Ohrfeige für Verschwörungsschwurbler. Es brillieren Meryl Streep, Jennifer Lawrence, Leonardo DiCaprio.
Hoffnung des Jahres: Coldplay haben für 2025 ihr letztes Album und eine Abschiedstour verkündet. Warum erst so spät?

Coldplay wollen 2025 ihr letztes Album aufnehmen
Coldplay wollen 2025 ihr letztes Album aufnehmen Foto © (c) APA/AFP/JUSTIN TALLIS (JUSTIN TALLIS)

Marianne Fischer

Film des Jahres: Österreichs Kandidat für den Auslands-Oscar: "Große Freiheit" setzt den Opfern der Homosexuellen-Kriminalisierung ein beeindruckend-aufwühlendes Denkmal.
Serie des Jahres: Die dritte Staffel von "Charité" zeigt eindringlich die Herausforderungen der Berliner Klinik zur Zeit des Mauerbaus. Auf Netflix.
Buch des Jahres: Angela Lehners "2001" erzählt witzig und berührend vom schwierigen Erwachsenwerden in der österreichischen Provinz.
Trend des Jahres: Digitale Kunst war in aller Munde: Ein NFT des US-Künstlers Beeple wurde für beeindruckende 69 Millionen US-Dollar versteigert.
Lieblingskrimi: Anne Goldmanns "Alle kleinen Tiere" über ungewöhnliche Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen.

Daniel Hadler

Podcast des Jahres: In "544 Days" schildert der Journalist Jason
Rezaian seine Haft in einem iranischen Gefängnis. Dramatik gepaart mit hoher Erzählkunst.
Freies Theater des Jahres: Die Bum Bum Pieces mit "Alles, was ich habe" – klüger, innovativer und poetischer war heuer nichts.
Digitales Theater des Jahres: In virtuelle Realitäten des Theaters stieß das Grazer Schauspielhaus mit "Krasnojarsk" vor. Ein intensives Abenteuer mit VR-Brille, belohnt mit einem Nestroy.
Comeback des Jahres: Mit "Hader on Ice" zeigte Josef Hader, dass er weiterhin der große Meister seines humorigen Faches ist.
Entzücken des Jahres: Die Verhüllung des Pariser Triumphbogens war Christos letztes Meisterwerk und herzerwärmende, globalwirksame Kunst.

Kommentare (1)
joe1406
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Liste aus dem Volk

Album des Jahres: Eric Clapton - Lady in the balcony
Mannschaft des Jahres: Austria Klagenfurt
Der grösste menschliche Verlust des Jahres: Sepp Forcher
Beste Serie aller Zeiten: Dark (Netflix) - einzige Serie der Welt, die niemand zu 100% versteht - aber trotzdem megspannend
Persönlichkeit des Jahres: Alexander van der Bellen - Krisenmanager mit viel Humor
Film des Jahres: Ich bin dein Mensch" – Maren Eggert und Dan Stevens
Peinlichkeit des Jahres: Comeback von Abba (aber auf keinen Fall deswegen weil sie nicht mehr die Jüngsten sind)
Auszeichnung für das Lebenswerk: Josef Hader