Volkswagen setzt voll auf Elektro2026 kommt die letzte Verbrennerplattform des Konzerns

Volkswagen hat eine Wette auf die Zukunft der E-Mobilität gesetzt: Chefstratege Michael Jost über die letzte Verbrennerplattform im Jahr 2026 und ein E-Auto um 20.000 Euro.

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Michael Jost ist so etwas wie der strategische Eisbrecher des Volkswagenkonzerns: Er steht für die Wette auf die Zukunft als E-Mobilitätskonzern. Sein Job als Leiter Konzern Strategie Produkt und Chief Strategy Officer der Marke Volkswagen – vulgo Chefstratege – impliziert einen hohen Reibebaumfaktor. Er muss ja nicht nur mal dem Vertrieb erklären, wie viele E-Autos verkauft werden sollen, oder einzelne Marken aufeinander abstimmen.

Seine Strategien, die er mit dem Vorstand entwickelt, müssen einen Industrietanker umdrehen, der 44.000 Fahrzeuge täglich produziert, der mit seinen Marken 130 Modelle anbietet, in 150 Märkten präsent ist, 100 Werke weltweit betreibt, ein Portfolio zwischen 60 und 1500 PS managt und dabei über 600.000 Menschen beschäftigt. Jost ist kein Weichspüler, seine Sätze haben Substanz, seine Aussagen sind Botschaften. Er kommt gern auf den Punkt: „Gleich sagen, wenn’s langweilig wird.“

Modellvorstellung: VW ID.3

Neues Logo. Er soll der Vorbote einer ganzen Familie an Elektroautos aus dem Hause Volkswagen sein, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen. Als Pionier ist der ID.3 auch das erste Modell, das das neue Logo der Wolfsburger ausführen darf.

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Technik. Die technische Plattform wurde komplett neu entwickelt und gezielt auf die Bedürfnisse der E-Mobilität ausgelegt. Das heißt: Der Motorraum fällt sehr kompakt aus, um maximale Platzverhältnisse im Innenraum bieten zu können. Die Akkus verstecken sich flach im Unterboden. Deshalb lautet die Devise: Bei den Abmessungen eines Golfs soll der ID.3 so viel Raum bieten wie der Mittelklässler Passat, aber so wendig sein wie der Kleinwagen Up.

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Reichweiten. Der ID.3 wird mit drei Batteriegrößen angeboten. Die Basisvariante hat 45 kWh und ermöglicht eine elektrische Reichweite von bis zu 330 Kilometern nach dem realitätsnäheren WLTP-Zyklus. Darauf folgt eine Batterievariante mit 58 kWh und bis zu 420 Kilometern Aktionsradius. Der größte Akku hat 77 kWh und kommt bis zu 550 Kilometer weit.

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Leistung. Der Elektromotor in der Einstiegsversion des Hecktrieblers leistet 110 kW (150 PS). Eine Stufe darüber werden im Fünfsitzer 150 kW (204 PS) und ein maximales Drehmoment von 310 Newtonmetern abgespult. Damit erreicht der ID.3 eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.

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Laden. Mit seiner Schnellladefähigkeit lassen sich beim ID.3 mit 100 kW Ladeleistung innerhalb von 30 Minuten rund 290 Kilometer Reichweite nachladen. Für Zuhause haben die Wolfsburger eine Wallbox im Programm. Unterwegs wird an den Säulen des eigenen Netzes Ionity gezutzelt.

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Infotainment. Für die neue Elektrofamilie hat Volkswagen ein neues Cockpit mit eigenen Anzeigen- und Bedienelementen entworfen, das neben digitalen Instrumenten einen zentralen Touchscreen mit einer Bildschirmdiagonale von zehn Zoll hat.

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Bedienung. Sämtliche Bedienelemente – auch am Multifunktionslenkrad – werden über Touch-Funktionen mit berührungssensitiven Tasten bedient. Nur die Fensterheber und das Warnblinklicht haben noch klassische Knöpfe.

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Preise & Marktstart. Der Einstiegspreis in die Welt des ID.3 liegt in voraussichtlich um die 30.000 Euro. Die ersten Fahrzeuge werden Mitte 2020 ausgeliefert.

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Launch-Edition ID.3 1st. Bereits im Mai hat VW die Bestellbücher für die Launch-Edition geöffnet, ab Herbst konfigurieren die Vorbesteller mit ihrem jeweiligen Händler ihre gewünschte Version. Die Erstauflage kommt mit 58-kWh-Batterie, 150 kW Leistung und 420 Kilometern Reichweite.

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Klimabilanz. Der ID.3 wird den Kunden CO2-neutral übergeben. Sowohl die Lieferkette und die Herstellung der Batteriezellen als auch die Produktion sind auf dieses Ziel ausgerichtet. Nicht vermeidbare Emissionen im Herstellungsprozess werden in zertifizierten Klimaprojekten ausgeglichen.

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Wird’s nicht, so viel steht bei unserem Gespräch in Wolfsburg (vor Corona), in der Vorstandsetage, schnell fest. Jost entwickelt argumentativ ein Konstrukt, bei dem am Ende ein Wort steht: „Alternativlos“ sei die Transformation Richtung Elektromobilität. Mit dem Diesel-Gate war die Bereitschaft zum disruptiven Wandel auch entsprechend groß.

Die Klimaziele Paris 2050 seien laut Jost die echten „Gamechanger“ gewesen, die Erderwärmung müsse eingebremst werden. Der Volkswagenkonzern stößt rund zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen/Verkehr aus, der Umkehrschub müsse entsprechend stark sein.

Detroit Motor Show: VW I.D. Buzz

Der I.D. Buzz orientiert sich optisch am Kult-Bus der 1950er-Jahre, ist aber ein reiner Stromer.

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Mit seinen 3,3 Metern Radstand bietet er im Inneren jede Menge Platz: 660 bis 4600 Liter Laderaum stehen auf dem Programm.

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Für einen brauchbaren Wendekreis soll eine  Hinterachslenkung des Allradlers sorgen.

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Der Buzz ist 4,94 Meter lang, misst in der Breite 1,98 und in der Höhe 1,96 Meter.

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Die Elektromotoren – einer an der Vorder-, einer an der Hinterachse – sollen gemeinsam maximal 374 PS leisten, bei der Reichweite sprechen die Wolfsburger von 600 Kilometern nach dem NEFZ.

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Die 111-kWh-Lithium-Ionen-Akkus benötigen angeblich keine 30 Minuten, um bei einer Ladeleistung von 150 kW einen Ladestand von 80 Prozent zu erreichen.

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Die Höchstgeschwindigkeit des Buzz ist auf 160 km/h limitiert.

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Ab 2025 hält es Volkswagen für realistisch, dass der Bus der Zukunft vollautomatisch fahren kann: Ein leichter Druck auf das VW-Logo und das elektrisch versenkbare Lenkrad verschwindet im Cockpit.

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Während der Fahrer entspannt, erkennen Laserscanner, Ultraschall- und Radarsensoren sowie Kameras andere Verkehrsteilnehmer und das Umfeld.

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Von einem Marktstart ab 2022 ist beim Buzz die Rede.

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Man wollte dabei aber nicht nur Gesetze erfüllen, sondern Restriktionen auf eine visionäre Ebene heben. Und diese war plötzlich ganz nah: Wenn im Jahr 2050 die komplette Dekarbonisierung des Konzerns geschafft sein soll, dann muss das letzte Verbrennerauto nach den aktuellen Lebenszyklen rund um 2040 zugelassen werden.

Der Rest ist eine einfache Rechnung. Die Plattform für so ein Produkt erlebt zwei Modellzyklen, pro Zyklus hat ein Auto rund sieben Jahre. Das heißt, die letzte, echte Verbrennerplattform kommt 2026 auf den Markt. Als Jost das ein erstes Mal vorrechnete, legte der Boulevard die Ohren an. Dabei ist’s nur simple Modell-Mathematik. „Wir haben gesehen, man kann keine Kompromisse mehr machen“, sagt Jost trocken. Damit ist aber auch eines klar: VW hat sich für diese Wette auf die Zukunft entschieden. Es gibt kein Zurück mehr.

Der Systemwandel greift noch viel tiefer: Der Verbrauch auf 100 Kilometern hat ausgedient, es geht auch bei Volkswagen längst um eine Gesamterfassung der CO2-Emissionen von der Produktion bis zum Lebenszyklus des Autos. Das beginne bei der grundsätzlichen Einordnung, so Jost: Sechs Liter Diesel würden rund 100 km Reichweite entsprechen, aber auch einer Wärmeenergie von 60 Kilowattstunden. Und mit einer 60-Kilowattstunden-Batterie, so Jost, schaffe man 400 Kilometer Reichweite. Deshalb seien Diskussionen um die Sinnhaftigkeit der E-Mobilität entschieden.

Wichtig sei, dem Kunden ein Auto ohne CO2-Rucksack übergeben zu können, immerhin komme ein ID.3 auf mehrere Tonnen CO2-Emissionen (Batterieproduktion etc.) in seiner Produktion. Das will Volkswagen mit Maßnahmen gegen null reduzieren: Vom stärkeren Einsatz erneuerbarer Energien bei der Batterieproduktion über neue Materialien bis zu einer eigenen Fakultät, die VW gegründet hat, um Ideen zur Dekarbonisierung zu realisieren. Dazu laufen Projekte zum Waldschutz und Waldaufbau. Jost weiß, das sind Argumente. Aber sie müssen auch funktionieren und Ergebnisse bringen.

Studie in Los Angeles: ID Space Vizzion

Das also ist der siebente Streich: Nach dem bereits präsentierten Kompaktwagen ID 3, dem kleinen SUV Crozz, dem heiß ersehnten Elektro-Bulli ID Buzz, der Limousine Vizzion, dem großen SUV Roomzz und dem lustigen Buggy zeigt Volkswagen auf dem Autosalon in Los Angeles das nächste Familienmitglied der Elektro-Familie.

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Der ID Space Vizzion ist so etwas wie ein elektrifizierter Passat Kombi und für das Jahr 2021 fix gesetzt. Die Wolfsburger selbst nennen ihn einen Variant von morgen, der die aerodynamischen Eigenschaften eines Gran Turismo mit den großzügigen Raumverhältnissen eines SUV verbinden soll.

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Wie schon der Rest seiner Sippe basiert der Kombi auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) des Konzerns. Besonders prägnant sind die vom Fahrtwind durchströmte und dadurch aerodynamisch optimal gestaltete Front- und Dachpartie.

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Dank der Effizienz der sehr guten aerodynamischen Eigenschaften soll es der Space Vizzion auf eine Reichweite von bis zu 590 Kilometern bringen, gemessen nach dem realistischeren Messzyklus WLTP.

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Im Innenraum bildet die Studie mit ihrem digitalisierten Cockpit den Status quo der intuitiven Bedienbarkeit ab. Die Materialien sind konsequent aus nachhaltigen Rohstoffen, wie zum Beispiel dem neuen „AppleSkin“, ein Kunstleder mit einem Anteil von Reststoffen aus der Apfelsaftproduktion. Wir werden uns dieses Showcar schmecken lassen.

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„Wenn es keine anderen Nachteile gibt, und man Bereiche wie die Infrastruktur im Griff hat, dann ist die E-Mobilität unschlagbar.“ VW setze auf skalierbare Batterien für unterschiedliche Reichweiten. Von einer Batterie für 800 Kilometer Reichweite hält er nichts: „Da fahren Sie mit zu viel Kapital und zu viel Gewicht herum, das bringt nichts.“

Die Bezahlbarkeit der Elektroautos bleibt ein heikles Thema. Ein ID.3 soll etwa gleich viel wie ein Diesel-Golf kosten. Aber die neuen Abgasnormen (Euro 7 etc.), um die gerungen wird, werden herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor empfindlich teurer machen: Bis 2000 Euro sind für einen Benziner, bis zu 4000 Euro für einen Diesel mit Euro 7 aufzurechnen, so Experten. Damit wird die E-Mobilität zwar relativ betrachtet günstiger, aber auch das ermöglicht nicht deren Massendurchbruch.

Josts strategische Antwort: Es wird an einem VW-Elektro-Citycar, das weniger als 20.000 Euro kosten soll, gearbeitet. Realisierungszeitraum? 2023/2024, mit einer Reichweite von 220 bis 250 Kilometern.

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