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Wie die Notfallversorgung von Sturm-Goalie Khudyakov abgelaufen ist

Sturm-Arzt Jürgen Mandl und GAK-Arzt Peter Hausbrandt haben beim Grazer Derby Daniil Khudjakov gemeinsam erstversorgt. Ein Einsatz über Vereinsgrenzen hinweg.

© GEPA pictures
Sichtschutz: Sturm- und GAK-Spieler schirmen Daniil Khudyakov während der Behandlung ab
Martina Marx
Redakteurin Steiermark-Ressort, Gesundheit

Sturm Graz gegen GAK, die 22. Minute im Grazer Derby. Sturms Tormann Daniil Khudyakov will den Ball abschlagen, GAK-Spieler Jacob Italiano versucht, den Ball zu blocken, trifft ihn unglücklich mit dem zweiten Fuß – der russische Torhüter geht zu Boden. Es ist eine Szene, die sich bei den Fans im Stadion und bei den Zuseherinnen und Zusehern zuhause eingebrannt hat. Eine Szene, bei deren Wiederholung man als Laie absichtlich nicht hinschaut. Das hat auch Sturm-Trainer Fabio Ingolitsch in den Tagen nach dem Derby so gehandhabt: „Ich habe mir die Situation, ehrlich gesagt, nicht mehr angeschaut und werde sie mir aus Selbstschutz auch nicht anschauen.“

Zurück zu Minute 22. Jürgen Mandl sieht, wie „Khudi“ zu Boden geht. Und rennt los. „Ich war sehr schnell am Feld, hab mir kurz das Bein angesehen und es eigentlich sofort reponiert“, sagt der Sturm-Arzt. Reponiert bedeutet in diesem Fall, dass das seitlich abstehende Bein wieder in seine angestammte Position zurückgebracht wird. Als Laie würde man sagen: Das Bein wurde wieder eingerenkt. „Man nutzt die Schrecksekunde der Verletzung, den Adrenalinschock des Patienten, denn nach dem Reponieren wird auch der Schmerz etwas weniger“, erklärt Mandl. Während er zu arbeiten beginnt, bilden Sturm- wie GAK-Spieler einen Kreis um den Verletzten.

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Nur sieben Minuten war das Grazer Derby unterbrochen, 3:45 Stunden nach dem Zusammenstoß war Khudyakov bereits operiert. Im Bild: Der Sturm-Goalie wird von Mandl (in Schwarz) und Sanitätern zum Rettungswagen gebracht.

Blindes Verständnis in Ausnahmesituationen

All das ist binnen kürzester Zeit passiert. „Und dann ist auch gleich der Peter neben mir gewesen“, sagt der Grazer Sportchirurg, der auch schon Conny Hütter, Marcel Hirscher sowie Julia Scheib erfolgreich behandelt hat. Peter Hausbrandt ist Teamarzt des GAK. „Jürgen hat kurz zu mir hergeschaut, und wenn er mich auf eine bestimmte Art und Weise anschaut, dann weiß ich, was los ist“, schildert Hausbrandt. Er und Mandl kennen sich schon lange, schließlich war er sein Mentor im UKH Graz. Und so war auch der Unfallchirurg praktisch sofort beim Patienten. Die Aufgabenteilung erfolgte in Situationen wie blind, Mandl hat sich mit dem Bein beschäftigt, Hausbrandt Leitungen gelegt, Medikamente verabreicht und das generelle Kommando übernommen. „Das große Glück ist, dass Peter auch Notfallmediziner und Flugrettungsarzt ist, er weiß genau, was in solchen Situationen zu tun ist“, sagt Mandl.

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Jürgen Mandl: „Man nutzt die Schrecksekunde der Verletzung, den Adrenalinschock des Patienten, denn nach dem Reponieren wird auch der Schmerz etwas weniger“

„Ich habe auch noch unseren zweiten Arzt hereingeholt, er hat dann Medikamente aufgezogen“, erzählt Hausbrandt. Der Sturm-Tormann wurde so weit sediert, dass er von der Situation rasch nichts mehr mitbekommen hat. „Ein Problem bei solchen Verletzungen ist immer, die Kleidung zu entfernen, denn das kann schmerzhaft sein. Im Fall von Khudyakov mussten die Fußballsocken und Schienbeinschützer aufgeschnitten werden, der Schuh ausgezogen werden. „Da waren aber die Medikamente schon drinnen“, sagt Mandl pragmatisch.

Nach 3:45 Stunden bereits operiert

Dann wurde das Bein geschient und der Patient auf einer roten Vakuummatratze gelagert – eine Standardausrüstung in Rettungswagen und -hubschraubern. „Darin ist feines Granulat, man saugt die Luft ab und die Matratze wird extrem hart und schützt das Bein zusätzlich“, erklärt Hausbrandt. Unter Applaus des Publikums wurde der Tormann in den Rettungswagen verlegt, Sturms Vereinsarzt Max Kerl hat den Verletzten ins UKH begleitet, wo er praktisch sofort von Unfallchirurg Milan Niks operiert wurde.

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Peter Hausbrandt: „Egal, ob es sich um einen Sturm- oder GAK-Spieler handelt, es geht darum, den Patienten bestmöglich zu versorgen.“

„Sieben Minuten war das Match unterbrochen, 3:45 nach dem Zusammenstoß war Khudyakov fertig operiert“, sagt Hausbrandt. „Schneller geht das eigentlich nicht“, sagt der Mediziner. „Noch während das Derby wieder gelaufen ist, habe ich schon die Bilder der Verletzung aufs Handy bekommen und mit unserem Physio über die Reha nachgedacht“, sagt Mandl, der einst auch schon für den GAK als Arzt tätig war und dort das sportärztliche System aufgebaut hat. Die Verletzung selbst hat dramatisch ausgesehen, es handelt sich um eine geschlossene Unterschenkelschaftfraktur. „Das ist keine sehr komplizierte Verletzung, man muss jetzt schauen, dass der Bruch gut heilt und auch, dass man Daniil Khudyakov psychologisch gut auffängt.“ Wohl bis Montag wird der Sturm-Tormann noch im Spital betreut werden.

Zusammenarbeit und Zusammenhalt

Die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt über die Vereinsgrenzen hinweg werden beiden Ärzten länger in Erinnerung bleiben. „Ich kann mich nicht erinnern, dass einmal der Arzt der gegnerischen Mannschaft in einer ähnlichen Situation aufs Feld gelaufen kam“, sagt Mandl. Auch dass die GAK- wie Sturm-Spieler einen Kreis um den Verletzten während der Erstversorgung gebildet haben, „war wirklich berührend zu sehen. Da hatten einige Tränen in den Augen.“ Die Augen der über 15.000 Zuschauer wiederum haben die beiden während der Behandlung ausgeblendet. „Da funktioniert man einfach“, sagt Hausbrandt. „Egal, ob es sich um einen Sturm- oder GAK-Spieler handelt, es geht darum, den Patienten bestmöglich zu versorgen.“

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