Riesiges Rechenzentrum: Jetzt wird über Standort diskutiert
Ein Rechenzentrum mit Gemüseplantage und einer halben Milliarde Euro Investitionsvolumen soll in Villach entstehen. Nun wird die Prüfung alternativer Standorte gefordert.
Vor wenigen Wochen wurde bei der Gemeinderatssitzung in Villach ein Projekt mit beachtlichen Dimensionen vorgestellt: Geht es nach den von Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) präsentierten Plänen, könnte in Federaun schon bald ein Rechenzentrum mit einer Leistung von 100 Megawatt entstehen. Daran angeschlossen wäre eine Gemüseplantage auf einer Fläche von rund 15 Fußballfeldern, auf der jährlich Hunderte Tonnen Gemüse produziert werden könnten. Die kolportierte Investitionssumme beträgt eine halbe Milliarde Euro. Wir berichteten.
Auf dem Areal in Federaun wurde seit 2006 und bis zuletzt um die Errichtung eines Lkw-Verteilerzentrums gerungen. Dass das Projekt nie umgesetzt wurde, lag am heftigen Widerstand von Naturschützerinnen und Naturschützern, die sich unter dem Namen „Rett ma die Schütt“ formierten sowie an entsprechenden Gerichtsurteilen. Mit den neuen Plänen scheint das Logistikcenter nun Geschichte zu sein.
Forderungen nach Prüfung alternativer Standorte
Derzeit erarbeitet eine gemeinsame Taskforce aller Villacher Gemeinderatsfraktionen Vor- und Nachteile sowie offene Fragen zum neuen Projekt „Food and Data“. Während dabei teilweise bereits Details wie Vertragsgestaltung und Abwärmenutzung des Rechenzentrums diskutiert werden, fordern Erde und Grüne, auch alternative Standorte zu prüfen.
Erde-Klubobmann Gerald Dobernig bringt dabei die frei werdende Rohrkaserne in Seebach ins Spiel. Er verweist dahingehend auch auf die Kasernenzufahrt, in die die Stadt viel Geld investiert habe. „Alles, was für Federaun spricht, ist, dass die Fläche der Stadt gehört. Das ist eine Bilanzposition, kein Standortargument – und als Begründung für die Zerstörung eines so sensiblen Gebietes zu wenig“, so Dobernig.
Auch die Grünen stellen die Standortwahl infrage: „Warum soll ausgerechnet die Schütt dafür verbaut werden?“, so Klubchefin Karin Herkner. Für sie gehört die Prüfung alternativer Standorte ebenfalls zum weiteren Prozess.
Dass die Villacher Politik heute über Lebensmittel-, Energie- und Datenkreisläufe nachdenkt, ist ein Meilenstein für unsere Stadt. Aber Souveränität beginnt beim Boden. Wer sie ernst meint, prüft zuerst Alternativen.
— Gerald Dobernig, Klubobmann Erde
Im Rahmen der ersten Ankündigung erklärte Albel, dass für den Bau eines solchen Rechenzentrums der direkte Zugang zum neuen ALPSiX-Knotenpunkt und die damit besonders schnelle Internetverbindung entscheidend sei. Als weitere Vorteile in Federaun sieht Albel außerdem die bestehende Industriewidmung sowie die vorhandene Energie-Infrastruktur. Die Zech Group SE, die hinter dem Projekt steht, sieht in Federaun den vielversprechendsten von ursprünglich drei möglichen Standorten in Österreich.
Stadt investierte bereits Millionen
Die Stadt Villach hat bereits 7,05 Millionen Euro für das Areal ausgegeben. Rund 90 Prozent davon fielen auf den Grunderwerb. Für Planungen, Gutachten und Studien und Rechtskosten wurden 13.800 Euro aufgewendet. Die dabei erarbeiteten Gutachtengrundlagen können laut Stadt weiterhin verwendet werden. 186.000 Euro flossen in Abbrucharbeiten, Mäharbeiten und ähnliche Maßnahmen. Zudem musste die Stadt eine Anzahlung der Deutschen Logistik Holding (DLH), die das Logistikzentrum errichten wollten, in der Höhe von drei Millionen Euro zurückzahlen. Die Zech Group SE ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der DLH.
Die Taskforce hat sich bereits zweimal getroffen, weitere Termine sind geplant. Darüber hinaus sind laut Stadt regelmäßige Informationsveranstaltungen für die Villacher Bevölkerung vorgesehen. Konkrete Termine stehen noch nicht fest.