Klagenfurt und Villach starten ins Rennen um große Rechenzentren
Kürzere Latenzen, mehr Ausfallsicherheit, Anbindung an Internet-Hubs: Mit „ALPSiX“ positioniert sich Kärnten als Digital-Standort – auch für KI-Rechenzentren.
Zur Inbetriebnahme des Internet-Knotenpunkts „ALPSiX“ zog Wirtschafts-Landesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP) eine gewagte Gegenüberstellung: Der 18. September 2026 sei mit dem 14. Dezember 2025 zu vergleichen, jenem Tag, an dem die Koralmbahn in Betrieb ging. Die Kostendimensionen sind es nicht – die Koralmbahn kostete die ÖBB 5,9 Milliarden Euro, die neue „Datenauffahrt“ die landeseigene Breitbandinitiative Kärnten (BIK) knapp 6 Millionen. Was gibt also Anlass zu diesem gewagten Vergleich?
Ähnlich einer neuen Schienentrasse schafft „ALPSiX“ eine Infrastruktur, die für den Erfolg erst bespielt werden muss. Der direkten Anbindung an die globalen Netzknoten von „DE-CIX“, dem nach eigenen Aussagen der weltweit führende Betreiber von Interconnection-Plattformen mit mehr als 60 Standorten auf fünf Kontinenten, gingen zwei Jahre zwei Jahre Planungs- und Bauzeit voraus. In Klagenfurt (Lakeside Park) und Villach (TPV) sollen Netzbetreiber ab Ende 2026 über den von der BIK geschaffenen Ring Daten lokal austauschen können – Umwege über Wien oder andere Knotenpunkte sind dann nicht mehr nötig. So werde der Datenfluss sicherer und schneller – bei gleichzeitiger Anbindung an internationale Daten-Hubs wie München und Wien.

Veranstaltung mit 420 Teilnehmern
Unternehmen und Forschungseinrichtungen sollen profitieren – von kürzeren Datenwegen, reduzierten Latenzzeiten und einer höheren Ausfallsicherheit. Das verspricht DE-CIX-Chef Ivo Ivanov. Er nimmt „ab sofort“ Aufträge entgegen, um österreichische und internationale Netze an ALPSiX anzuschließen. Am Freitag fand dazu bereits eine Veranstaltung mit rund 420 internationalen Teilnehmern im Klagenfurter Lakeside Park statt. Es rechne, so Ivanov, mit zwei Jahren, bis sich ein lokales Ökosystem gebildet habe, von dem man dann „Jahrzehnte profitieren“ könne. Für sein Ziel eines „Internet-Verkehrsknotenpunkts“ sei die Projektträgerschaft (und auch Kostenübernahme) durch das Land alternativlos, so Schuschnig.
Anexia sorgt für Betrieb vor Ort
Den operativen Betrieb der Infrastruktur vor Ort gewährleistet der von Klagenfurt aus weltweit agierende Cloud-Anbieter Anexia. Deren CEO Alexander Windbichler sieht in Kärnten „eine seltene Kombination“ aus Glasfaseranbindung an internationale Datenrouten, erneuerbaren Energien und Zugang zu vielen qualifizierten Fachkräften im Alpen-Adria-Raum. Es gebe zwar mehrere Internet-Knoten in Österreich, aber dank zweier internationaler „Daten-Autobahnen“, die durch Kärnten führen, habe Kärnten neben Wien eine Sonderrolle. Windbichler: „Kärnten kann neben Wien zur zweiten großen Datenauffahrt in Österreich werden.“

Direkte Anbindung an digitale Verkehrsachsen
Damit sei Kärnten direkt an Europas digitale Verkehrsachsen angeschlossen, ohne dass ein Umweg über „Daten-Landstraßen“ genommen werden muss. Klagenfurt und Villach sollen gar zum wichtigsten digitalen Knotenpunkt im südlichen Alpenraum werden, lautet die Botschaft. Dafür spricht das schnellere Tempo: Norditalien und Zagreb sollen künftig in vier Millisekunden erreichbar sein, der für Kärnten wichtige Knotenpunkt Frankfurt in elf. Der Weg Kärntens vom Transitkorridor für Daten zum Ort digitaler Wertschöpfung sei damit offen. Aber das ist vorerst noch Zukunftsmusik.
Mögliche Anwendungen, die profitieren
Als mögliche Anwendungen, die von deutlich kürzeren Latenzen und damit beinahe Echtzeit profitieren, kommen etwa die Steuerung industrieller Anwendungen, Forschung und Entwicklung, autonomes Fahren, aber auch telemedizinische Eingriffe und KI-Anwendungen infrage.
Mit schnelleren Datenverbindungen wird aber auch der Betrieb großer KI-Rechenzentren möglich. Kärnten Netz-Geschäftsführer Michael Marketz berichtete bereits im Sommer von Interessenten für den Bau großer Rechenzentren in Kärnten. Schuschnig bestätigte dies am Freitag, noch sei es aber zu früh für Erfolgsmeldungen. Windbichler betont, der neue Internetknoten werde auf jeden Fall weitere Investitionen bei Anexia anstoßen.
Daten-Wirtschaftsraum Süd
Zurück zum Koralmtunnel: Der wird auch als Daten-Autobahn genutzt. Kärnten und die Steiermark wollen, so haben es Schuschnig und der steirische Landesrat Willibald Ehrenhöfer vereinbart, auch zu einem digitalen Wirtschaftsraum zusammenwachsen.