Osttirols Köche sind endgültig im Hauben-Himmel angekommen
Mit 26 Hauben im Restaurantführer Gault&Millau konnten die Spitzenköche im Bezirk ihren Vorjahreserfolg bestätigen. Eine vierte Haube geht neu nach Sillian.

Ein Traditionshaus mit Punktegewinn, ein starkes Comeback und ein neuer Shooting-Star im Reich der Spitzengastronomie: Osttirols Top-Restaurants und ihre Köche haben im Gault&Millau-Gourmetführer für das kommende Jahr wieder abgeräumt. Insgesamt 26 der begehrten Hauben darf sich der Bezirk Lienz aufsetzen.
Die Prämierung fand am Montag in Wien statt. Das strahlendste Osttiroler Lächeln dürfte an dem Abend Clemens Gesser getragen haben. Der Küchenchef vom familiengeführten Hotel Gesser in Sillian konnte sich mit dem „Chef’s Table by Gesser“, den er zusammen mit seinem Bruder und Sommelier Markus führt, von 15 auf 17 Punkte verbessern. Eine bemerkenswerte Steigerung, die ihm seine vierte Haube einbringt. Ebenso erstaunlich: Vor zwei Jahren waren es noch zwei Hauben. Auch im Guide Michelin und im Falstaff konnte der Alpinkoch in den vergangenen Jahren seinen Aufstieg untermauern.
„Eine der stimmigsten Tafeln des Landes“
Bei Gault&Millau heißt es: „Was als Überraschungsmenü mit vier bis sieben Gängen angekündigt wird, entpuppt sich als eine der stimmigsten Tafeln des Landes.“ Auch die Verbundenheit Gessers zur Natur wird gelobt: „Die Erdäpfelravioli mit Zwiebelcreme, Weißweinschaum und Wirsing sind die Bühne für das Lammherz und dieses Prinzip trägt auch den stärksten Moment: das Kalbsbries mit Hollandaise, begleitet von einem Cornetto mit Blutcreme. Wer Innereien so selbstverständlich einbaut, meint es ernst mit der Ganztierverwertung.“

Gesser zeigt sich am Tag danach gegenüber der Kleinen Zeitung überwältigt: „Mit einem Punkt mehr hatte ich ein wenig gerechnet, aber dass es zwei mehr werden und somit die vierte Haube, hätte ich nicht gedacht. Ich bin richtig stolz auf meine Mannschaft, jetzt legen wir erst richtig los.“
Vier Hauben für Gannerhof und Ansitz12
Der Sillianer zieht im Gault&Millau mit den zwei Osttiroler Sterneküchen von Urgestein Josef Mühlmann (Gannerhof, Innervillgraten) und Jungstar David Senfter (Ansitz12, Lienz) gleich. Für den ehrwürdigen Gannerhof und den Ansitz12 gibt es wie im Vorjahr 17 von 20 Punkten und vier Hauben. „Diese Auszeichnung gehört nicht uns allein, sondern unserem fantastischen Team, das jeden Tag mit unbändiger Leidenschaft, Kreativität und Herzblut in der Küche und im Service Vollgas gibt“, verkünden Anita und David Senfter stolz auf ihren sozialen Kanälen. Beim Gannerhof hebt der Gourmetführer hervor, dass Patron Mühlmann die Geschicke mehr und mehr in die Hände seines jungen Küchenchefs Lennart Holzmeister legt: „Eine Entscheidung, die voll aufgeht. ‚Lennys‘ Küche ist präzise, kreativ und tief mit der Region verbunden.“
Zwei bewährte Küchen mit drei Hauben
Hinter dem Spitzentrio finden sich zwei weitere Konstanten der Osttiroler Gourmetszene. Das Pfleger im gleichnamigen Hotel in Anras bestätigt mit Küchenchef Tom Mascher seine 15 Punkte und drei Hauben. „Mittlerweile ist die Handschrift des Küchenchefs deutlich erkennbar, was eine absolute Bereicherung für das gesamte kulinarische Erlebnis darstellt“, so der Restaurantführer.
Auch die Rauterstube in Matrei mit Max van Triel als Herr über die Töpfe verifiziert ihre 15 Punkte und drei Hauben. „Wahrlich ein Restaurant mit Tradition: altehrwürdig, gepflegt und stilvoll“, so der Gault&Millau. Ein verlässlicher Trumpf im Drei-Hauben-Reigen jedoch fehlt in der Neuauflage. Ernst Moser, legendärer Chef im Saluti, geht in den Ruhestand. Die Matreier Kult-Pizzeria ist daher nicht für 2027 gelistet, was dem Bezirk in der Endabrechnung ein kleines „Hauben-Minus“ beschert.
Parkhotel Tristacher See legt zu
Zurück nach Sillian. Dort dürfen nicht nur die Gessers jubeln. Das La Rosa im Belmonte Tirol-Boutiquehotel ist nach einem Jahr Pause wieder im Gault&Millau vertreten. Man erkochte sich 13,5 Punkte und zwei Hauben. Noch ein halber Punkt mehr ziert das Parkhotel Tristacher See in Amlach. Mit 14 Punkten steigert man sich mit Chefkoch Christian Hofer um einen Punkt, bestätigt so die im Vorjahr errungene zweite Haube eindrucksvoll. Juniorchefin Marie Theres Kreuzer weiß den Erfolg einzuordnen: „Unter jeder Haube steckt eine Menge Arbeit, Leidenschaft, aber vor allem Disziplin. Und nach jeder Auszeichnung muss man einmal mehr in die kulinarischen Pedale treten.“

Mit einer Haube dekoriert gehen vier Betriebe in die kommende Feinschmecker-Saison: die Strasserwirt Gourmetstuben in Strassen, das Gradonna Mountain Resort in Kals, das Im Stadl in Nußdorf-Debant und das Vincena in den Dolomitengolf-Suites in Lavant. Letzteres fällt von 13 auf 12,5 Punkte und verliert damit eine Haube. Das gilt auch für die Jakobistub’n in St. Jakob in Defreggen. 10,5 Punkte statt elf im Jahr davor bedeuten „nur“ noch einen Tipp im Restaurantführer.
Diese Vielfalt auf so engem Raum ist alles andere als selbstverständlich
— Franz Theurl, Obmann Tourismusverband Osttirol
Den Erfolg der hiesigen Gastronomiebetriebe würdigt auch Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbands Osttirol: „Diese Vielfalt auf so engem Raum ist alles andere als selbstverständlich und stärkt unsere Position als attraktive Genussregion.“ Nicht nur die Gäste, sondern auch die heimischen Produzenten und die gesamte touristische Wertschöpfung profitieren laut Theurl: „Die ausgezeichneten Betriebe sind wichtige Botschafter unserer Region und tragen dazu bei, Osttirol auch über die Landesgrenzen hinaus als authentische und qualitätsbewusste Destination zu positionieren.“
Elf Osttiroler Hauben-Restaurants:
Vier Hauben für „prägende Küche, führend in Kreativität, Qualität und Zubereitung“:
- Ansitz12 im Gasthof Goldener Stern, Lienz: 17 Punkte
- Chef’s Table by Gesser im Hotel Gesser, Sillian: 17 Punkte (+2 Punkte)
- Der Gannerhof, Innervillgraten: 17 Punkte
Drei Hauben für „hohen Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität“:
- Das Pfleger im Hotel Pfleger, Anras: 15 Punkte
- Rauterstube im Hotel Rauter, Matrei: 15 Punkte
Zwei Hauben für „sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet“:
- Restaurant im Genießer-Parkhotel Tristachersee, Amlach: 14 Punkte (+1 Punkt)
- La Rosa im Belmonte Tirol-Boutiquehotel: 13,5 Punkte (neu)
Eine Haube für „ambitionierte Küche“:
- Vincena in den Dolomitengolf-Suites, Lavant: 12,5 Punkte
- Im Stadl, Nußdorf-Debant: 12 Punkte
- Restaurant im Gradonna Mountain Resort, Kals: 12 Punkte
- Strasserwirt Gourmetstuben, Strassen: 12 Punkte