„Ohne Geld ka Musi?“ Was das Sparpaket für die Weizer Musikschulen bedeutet
Das Land Steiermark will die Ausgleichszahlungen für die Musikschulen stoppen. Betroffen sind davon unter anderem auch die Städte Weiz und Gleisdorf. Doch wie geht es jetzt weiter?

Die blau-schwarze Landesregierung schnallt den Gürtel enger. Der Sparkurs trifft auch die Musikschulen. Zuletzt erhielten die Trägergemeinden 3,3 Millionen an Ausgleichszahlungen für die Musikschulen.
Nun strich das Bildungsressort des Landes, verantwortet von Landesrat Stefan Hermann (FPÖ), die Gelder dafür. Betroffen sind 30 Trägergemeinden, darunter auch Musikschulen im Bezirk Weiz. Indirekt trifft dies aber auch andere Gemeinden, die Beiträge für ihre Musikschülerinnen und Musikschüler leisten.
„Ein gravierender Einschnitt“
Auf Facebook schrieb Bürgermeister Christoph Stark (ÖVP), dass man das als Gemeinde nicht kompensieren könne. Das Land belaste die Gemeinden. Verträge mit Eltern und Lehrpersonen wurden bereits geschlossen. „Diese können wir nicht einfach lösen.“ Und weiter: „Ein gemeinsamer Krisensitzungstermin mit dem zuständigen Landesrat wurde bereits gefordert. Partnerschaftliche Zusammenarbeit sieht anders aus!“
„Es ist sehr unzufriedenstellend, es ist ein gravierender Einschnitt. Es geht um 60.000 bis 65.000 Euro für ein Schuljahr“, sagt Josef Bratl, Direktor in Weiz. 825 Schülerinnen und Schüler werden dort unterrichtet, es gibt 32 Lehrpersonen. „Unsere Schule ist sehr gut besucht, wir haben sogar eine Warteliste.“ Bratl fürchtet, dass künftig nicht mehr alles angeboten werden kann.
Der Einzelunterricht für Kinder und Jugendliche kostet derzeit 595 Euro im Schuljahr, Erwachsene zahlen 1149 Euro, Gruppenkurse gibt es ab 294 Euro. Wird es nun teurer? „Das ist eine Entscheidung der Politik. Aber es ist gut möglich.“ Was ihn ärgert: „Wir sind eine Bildungseinrichtung, werden von der Politik aber oft nicht als diese wahrgenommen.“
Bei Musik und Sport wird oft als Erstes gespart. Dabei sind Musik und Sport in einer digitalen Welt wichtiger denn je.
— Josef Bratl, Direktor Musikschule Weiz
Die Musikschule Passail trifft die Entscheidung weniger hart: „Durch die Installation musikalischer Früherziehung konnten wir mehr Schülerinnen und Schüler lukrieren, die auch bleiben“, erzählt Musikschulleiter Raphael Kühberger. So ist die Anzahl von 290 auf 350 Schülerinnen und Schüler angestiegen.
„Wir haben seit vier Jahren keine Ausgleichszahlungen mehr erhalten“, sagt Kühberger. Er nimmt aber große Verunsicherung und Unmut bei Lehrkräften, Leiterinnen und Leitern wahr. „Es ist schön, dass sich die Politik unserer endlich annimmt, doch Musikschule ist Bildung und keine Freizeitbespaßung.“
Auch die Musikschule Birkfeld, wo rund 580 Schüler unterrichtet werden, ist nicht unmittelbar betroffen. „Wir haben auch bisher keine Ausgleichszahlungen erhalten“, sagt Direktor Gregor Lang.

„Der falsche Weg“
Kritik kommt indes vom Städtebund. „Die Gemeinden haben Lehrkräfte angestellt und Eltern den Unterricht zugesagt. Das lässt sich mitten im Schuljahr nicht rückgängig machen. Wer jetzt die Zahlungen streicht, schiebt die Last auf die Gemeinden und am Ende auf die Familien“, so Städtebund-Vorsitzender Kurt Wallner.
Höhere Elternbeiträge oder weniger Unterricht würden vor allem Familien mit geringerem Einkommen treffen. Zugleich gefährde man den Nachwuchs für Musikkapellen, Chöre und Vereine. Man verschließe sich nicht den Reformen. „Aber zuerst braucht es Gespräche mit den Betroffenen und ein gemeinsames Konzept, dann können Förderungen angepasst werden. Ein Brief an die betroffenen Städte und Gemeinden am Tag der Budgetpräsentation ist der falsche Weg.“