Hartmann oder Kern an ÖEHV-Spitze? „Würden uns Kampfabstimmung stellen“
Eishockey-Präsident Klaus Hartmann (65) stellt sich den Vorwürfen rund um den Verband und wäre bereit, in einen Wahl-Showdown mit Ex-Kanzler Christian Kern zu gehen.
Turbulente Zeiten rund um den ÖEHV und Ihre Person: Zuletzt brachte ein Konsortium von Klubvertretern offen Christian Kern als Ihren Nachfolger ins Spiel. Was hat diese Nachricht bei Ihnen ausgelöst?
KLAUS HARTMANN: Mich hat das einigermaßen überrascht, weil wir gerade in der letzten Zeit einen positiven Newsflow nach außen bringen. Nach zweieinhalb Jahren der laufenden Amtsperiode ist auch der Zeitpunkt überraschend. Ich kenne die Ecke, aus der das kommt. Seit 2020 haben wir aus meiner Sicht eine vorzeigbare Leistungsbilanz geliefert, speziell in sportlicher Hinsicht: Sechsmal in Folge in der Top-Division, der Männer, 2025 erstmals seit 1994 im Viertelfinale und bei der Sportgala zu Österreichs Team des Jahres gewählt. Im November in Dänemark sind wir mit einem internationalen Top-Staff auch erstmals mit den Frauen in der oberen Leistungsgruppe. Am 16. November folgt zudem die Eröffnung des Bundesleistungszentrums der Frauen in Villach, ein europäisches Leuchtturmprojekt.
99ers-Manager Bernd Vollmann hat sie offen angegriffen. Gab es seither ein Gespräch mit Vollmann oder anderen Vertretern aus Graz, Wien, Linz oder Villach?
Ich war zuletzt oft in Oberösterreich und in Kontakt mit Linz-Präsident Peter Nader. Dass die Black Wings da dabei sind, ist deshalb für mich genau so überraschend wie die Tatsache, dass der VSV unter der inzwischen aufgrund massiver finanzieller Probleme zurückgetretenen Führung Teil dieses „Viererkonsortiums“ war. Durch die erforderliche Neuaufstellung hat sich das natürlich wieder relativiert.
Die Vorwürfe öffneten dabei mehrere inhaltliche Flanken. Aber der Reihe nach: Den Anfang machte der inzwischen gelöste Wirbel ums Frauen-Nationalteam. Wieso haben Sie sich als Präsident zu dem Thema ruhig verhalten, andere ÖEHV-Vertreter diesen Streit in der Öffentlichkeit wie u. a. Vizepräsidentin Jasmin Stepina führen lassen?
Ich war extrem unruhig, habe im Hintergrund gekurbelt. Aber wir haben uns gemeinsam so entschieden, dass die Vizepräsidentin, die für das Frauen-Eishockey zuständig ist, hier auch auftritt. Ich wollte auch nicht von oben herab etwas diktieren, sondern alle an einem Tisch wissen bei der Lösung des Konflikts. Eigentlich hatten wir mit der Gewerkschaft rund um Sascha Tomanek seit April Gespräche und ich dachte, wir würden uns in die richtige Richtung bewegen. Am Ende haben wir eine herzeigbare Lösung gefunden.
Im Zuge dessen äußerte Bernd Vollmann auch, dass seiner Meinung nach „mitunter wichtiger sei, dass alle Mitglieder des ÖEHV-Präsidiums bei der A-WM dabei sein können und die besten Hotels haben“. Was entgegnen Sie?
Die Präsenz bei der WM ist für uns Arbeit. Wir werden an den Spieltagen eingeladen, wohlgemerkt. Dort werden Gespräche über Kooperationen und etwaige Testspiele mit Topnationen geführt. Dass das in VIP-Klubs passiert, ist der Regelfall. Wenn ich als Einziger zur Würstelbude gehe, werde ich also keine Gesprächspartner antreffen. Wir sind auch nicht ständig alle vor Ort, wechseln uns ab. Und zum Thema Hotels ein Beispiel: Unser Geschäftsführer Alex Helwig hat in Zürich in einem kleinen Apartment geschlafen, nicht in einem Hotel.
Dass Vertreter von Ligaklubs versuchen, einen Gegenkandidaten zu positionieren, zeigt auch, dass das Verhältnis zwischen ÖEHV und ICE nicht gerade harmonisch ist. Wird hier zu oft gegeneinander statt miteinander gearbeitet?
Die Liga hat aus meiner Sicht ein finanzielles und ein Strukturproblem. Früher gab es einen Sportausschuss mit einem Vorsitzenden namens Oliver Pilloni. Das machte es für uns leichter, direkt mit der Liga über Sportliches zu kommunizieren. Jetzt gibt es den nicht mehr. Mit Manager Christian Feichtinger kommunizieren wir vor allem über gemeinsame organisatorische Herausforderungen. Wir haben im Ligavertrag, der nächste Saison ausläuft, klare Wunschvorstellungen, um unsere Spieler zu schützen. Unser Wunsch wären acht plus drei Imports, also eine Begrenzung auf maximal acht ausländische Feldspieler pro Klub. Ein ausländischer Tormann wird dabei als zwei Importspieler gewertet. Zusätzlich sollen pro Saison maximal drei weitere Transfers ausländischer Spieler möglich sein, womit insgesamt höchstens elf ausländische Spieler pro Saison einsetzbar wären. Manche Klubs wollen sogar mehr. Wenn diese Forderung umgesetzt wird, fehlt uns der Einfluss. Aber, wie gesagt, es benötigt eine Identifikationsfigur, mit der wir gut zusammenarbeiten können. Interimspräsident Erich Falkensteiner wäre so jemand. Wir werden auch demnächst konkreter mit ihm sprechen.
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Ein weiterer Vorwurf lautet: Mit der Auflösung der Stiftung zur Nachwuchsförderung 2021 seien eigene Budgetsorgen gelöst worden.
In der Niedrigzinsphase 2021 sind wir der Möglichkeit zum Widerruf der Stiftung nachgekommen, weil die Wertpapiere im Veranlagungsvermögen der Stiftung (Renten- und Geldmarktpapiere) schon negative Ergebnisse geliefert haben und die gesamte Stiftungskonstruktion unnötige Kosten verursacht hat. Wir haben das Anlageportfolio einem professionellen Management übergeben und erzielen dadurch eine attraktive Rendite für den Verband. Zudem sind wir dadurch flexibler im Handlungsspielraum und haben das Vermögen aus der Stiftung im Eigenkapital. Wir müssen dadurch als ÖEHV auch keine Mieten mehr für unsere Immobilien bezahlen. Zudem gibt es einen Jugendförderungsbeirat, der über das Einsetzen der Gelder mitbestimmt. Wir zahlen Jugendturniere sowie Anschubförderungen für das AKES (Ausbildungskosten-Entschädigungssystem für österr. Klubs, Anm.). Laufende Kosten werden mit dem Geld nicht bedient.
Im Zuge dessen verliefen auch die Verfahren rund um Ihre Klage gegen den Kurier wegen Rufschädigung des Verbandes ob der Berichterstattung über die wirtschaftlichen Belange des ÖEHV zäh. Ein Urteil der Richterin ist nach der zweiten Verhandlung am 28. April noch nicht eingelangt. Würden Sie wieder so handeln?
Nach meinem Gerechtigkeitsempfinden würde ich das wieder so machen. Es ist mir darum gegangen, dass es so viele Ehrenamtliche gibt, die sich für das Eishockey und im Verband den Hintern aufreißen und nichts bezahlt bekommen. Aus meiner Sicht wurden Dinge falsch dargestellt.
Ihre aktuelle Amtszeit läuft bis Juni 2028. Bereiten Sie sich schon auf eine Kampfabstimmung gegen Christian Kern vor?
Wenn Christian Kern Interesse hat und antreten will, ist das legitim. Ein Wettbewerb ist dazu da, Leistungssteigerungen zu erreichen. Kerns Interesse zeigt zudem, dass Eishockey wohl doch nicht so eine Randsportart ist, wie des Öfteren behauptet wird. Was ich den Personen, die das anzetteln und einen Umsturz vor Ende der laufenden Amtsperiode wollen, schon mitgeben möchte: Stillstand, Tristesse und Untergang beim ÖEHV darstellen zu wollen, geht aus meiner Sicht entschieden zu weit. Diese Personen sollten auch einmal ihre eigenen Leistungsbilanzen evaluieren. Wir würden uns jedenfalls einer Kampfabstimmung im Zuge einer außerordentlichen Generalversammlung stellen.
