Eishockey-Frauen siegen auch ohne Stars – der Konflikt bleibt ungelöst
Das Frauen-Nationalteam hat sich in der Woche nach der Eskalation im Streit mit dem ÖEHV in die Slowakei begeben – und seine Forderungen untermauert. Rein sportlich durfte man mit zwei Siegen zufrieden sein.

Es war im Prinzip die Geschichte der vergangenen Sport-Woche: Die via Sport-Gewerkschaft „Younion“ an die Öffentlichkeit getragene Diskrepanz im Umgang des Verbandes mit seinem Männer-Nationalteam auf der einen und dem Frauen-Team auf der anderen Seite. Das hat sich erstmals in der Geschichte für die im November steigende WM der höchsten Kategorie qualifiziert. Trotz teils beschämender Bedingungen, die vor allem die „Stars“ rund um Anna Meixner, Theresa Schafzahl und Co. auf die Palme brachten. Das Vorbereitungsturnier in der Slowakei, den „Nations Cup“ boykottierte deshalb ein Gutteil der Stamm-Elf, die Drohung, auch bei der A-WM nicht dabei zu sein, wenn der Verband nicht einen Forderungskatalog abarbeitet, steht weiter im Raum.
Rein sportlich war der Ausflug in die Slowakei aber auch ohne die allererste Garnitur ein Erfolg. Nach einem 2:5 gegen die letztlich ungeschlagenen Slowakinnen gab es mit einem 2:0 über die Niederlande zum Abschluss am Sonntag durch einen Doppelpack von Lena Dauböck von den KSV Highlanders und ein Tor von Tamara Grascher (Graz99ers Huskies) einen 3:1-Erfolg. Und ein zufriedenes Resümee von Co-Trainerin Sarah Hodges: „Das Turnier war ein wichtiger Schritt für unsere Kaderauswahl und die Vorbereitung auf die WM. Es war spannend zu sehen, wie einige Spielerinnen neue Rollen übernommen und sich der Herausforderung gestellt haben. Die Spielerinnen haben Österreich mit Stolz vertreten und sich ihre Siege verdient.“
Doch, siehe oben: Der Sport war nur bedingt im Vordergrund in der Auseinandersetzung zwischen Spielerinnen und Verband. Die Sportgewerkschaft „Younion“ eröffnete diese am 15. August per Aussendung, in der mitgeteilt wurde, die Akteurinnen um die Top-Athletinnen Anna Meixner, Theresa Schafzahl, Antonia Matzka, Selma Luggin und Co. im Kampf für Gleichbehandlung innerhalb des Verbandes zu unterstützen. Denn die Spielerinnen fühlen sich im Vergleich zu den Männern eklatant benachteiligt.
Gewerkschaft und Spielerinnen übermittelten dem Verband eine Liste an Forderungen, was sich ändern bzw. verbessern müsse – und das ist viel: Die Frauen wollen etwa nicht länger mit gebrauchter Ausschuss-Ware der Männer ausgerüstet werden. Dazu seien andere Rahmenbedingungen – Schlafen in Stockbetten, Umziehen in kalten, unbeheizten Kabinen, mitunter gar zu wenig Essen und schlicht zu wenig Aufmerksamkeit für Spiele und Wertschätzung für Spielerinnen teils unzumutbar. Ebenso wird ein Taggeld als Entschädigung für die Teamspielerinnen gefordert; bei den Männern schon lange Selbstverständlichkeit. Dieses wird auch, wie der ÖEHV betont, ab 2027 ausbezahlt. Zudem wurde die Trennung von fünf Mitgliedern des Betreuerstabs kritisiert, darunter auch Teammanager Christian Klepp. Der ist auch Manager der Sabres St. Pölten, der Verband berief sich deshalb auf einen Interessenskonflikt in Anbetracht der Doppelfunktion. Etwas, das im österreichischen Fraueneishockey jedoch alles andere als selten vorkommt.
Gleichzeitig arbeitet der Verband mit Nachdruck an einer ausführlichen und sachlich aufgearbeiteten Antwort auf die gesamten Forderungen. Das ist die Grundlage, auf der der Verband den direkten Dialog mit allen Spielerinnen führen möchte.
— ÖEHV in einer Aussendung
Mit der Aussendung verließ Frauen-Eishockey die „Eishockey-Blase“, die Empörung ging weit über den Sport hinaus. Innerhalb der Szene stellten sich mehrere männliche Kollegen an die Seite der Frauen. Und das Turnier in der Slowakei sollte genützt werden, um mit den Verantwortlichen, allen voran Fraueneishockey-Manager Martin Kogler, Tacheles zu reden. In einer Aussendung nach dem Turnier betonte der Verband auch, dass „es im Laufe der Woche bereits mehrere ausführliche Gesprächsrunden zwischen dem Staff und den Spielerinnen in der Slowakei, in denen gemeinsam und auf konstruktive Art und Weise über die bestmöglichen Lösungsansätze gesprochen werden konnte“, gegeben habe. Und man betont: „Diesen lösungsorientierten Dialog auf Augenhöhe möchte der Verband fortsetzen. Gleichzeitig arbeitet der Verband mit Nachdruck an einer ausführlichen und sachlich aufgearbeiteten Antwort auf die gesamten Forderungen. Das ist die Grundlage, auf der der Verband den direkten Dialog mit allen Spielerinnen führen möchte.“
So will man sicherstellen, tatsächlich in bestmöglicher Besetzung zur WM in Dänemark (6. bis 16. November) fliegen zu können. Wobei: Viele Spielerinnen machten schon klar, unter dieser Führung nicht mehr für Österreich zu spielen, wie auch Meixner sagte. Kogler ist also angezählt, ebenso wie die Vizepräsidentin des Verbandes, Yasmin Stepina. Hinter den Kulissen wird speziell Kogler vorgeworfen, dem geänderten Zeitgeist nicht Folge zu tragen bzw. ihn nicht zu erkennen. Denn unumstritten ist die jahrelange Pionierarbeit des Vorarlbergers, die auch von Kritikern anerkannt wird. Im Vergleich zu Nationen, die später mit Fraueneishockey begannen, habe man den einst erworbenen Vorsprung an Infrastruktur und Professionalität aber längst eingebüßt. Weil Kogler praktisch Allein-Entscheider sei, auch keinerlei Verantwortung abgebe und so den wachsenden Aufgabebereichen nicht gewachsen sei.
Weitreichende Vorwürfe: Organisation und Finanzierung in der Kritik
Kogler ist deshalb im Schussfeld von (Team-)Spielerinnen, Gewerkschaft und auch Klubs. So kritisierte „Younion“ jüngst, dass die obersten Ligen der Frauen noch immer keinen Spielplan für die kommende Saison haben. Das wiederum verzögert die Planung und die Buchung der Eiszeiten, die damit teurer werden und höhere Kosten verursachen. Apropos Kosten: Von vielen Seiten wird auch bestätigt, dass 2024 eine Förderung aus dem Sportministerium in der Höhe von 160.000 Euro für die Frauen-Vereine aufgrund einer Fristversäumnis bei der Einreichung nicht ausbezahlt wurde. Der Verband, finanziell nicht auf Rosen gebettet, sprang in die Bresche – gut möglich, dass die schlechten Rahmenbedingungen im Team helfen sollen, das Geld hier wieder zu sparen. Verantwortlich dafür soll, sagen die Kritiker, auch Kogler sein. „Younion“-Anwalt und Ex-Eishockey-Profi Sascha Tomanek: „Wer für Frauen-Eishockey verantwortlich ist und dafür im Unterschied zu den Frauen selbst gut bezahlt wird, trägt Verantwortung für die Rahmenbedingungen – und das vom Nationalteam bis zu den Ligen. Für Vereine bedeutet ein fehlender Spielplan im August nicht bloß Unannehmlichkeiten, sondern zusätzliche Kosten und massive organisatorische Probleme.“
Am Ball wäre also der Eishockeyverband selbst. Klaus Hartmann, einst mit den Frauen-Vertretern als Mehrheitsbeschaffer überhaupt erst ins Präsidentenamt gewählt, hat sich zur Causa übrigens selbst noch nicht geäußert. Auch in der Aussendung nach dem Turnier in der Slowakei ist immer nur vom „Verband“ die Rede. Die Frage, die sich weiter aufdrängt: Können die handelnden Personen aus dem Verband und die (Spitzen-)Spielerinnen überhaupt wieder zusammenfinden? Was keine Frage sein sollte: Dass sich etwas ändern muss. Die Zeiten, in denen Frauen-Sport so offensichtlich nicht dieselbe Wertschätzung genießt wie Männer-Sport, sollten Geschichte sein.