Warum niemand das Erntedankfest in Leibnitz am Gewissen haben will
Nach der blamablen Absage ist auf den sozialen Medien unter den politisch Verantwortlichen der Kampf um die Deutungshoheit in vollem Gang.
Auch vier Tage nach der Bekanntgabe sorgt die Absage des Leibnitzer Erntedankfests für reichlich Gesprächsstoff. Die Werbeplakate für die vom 9. bis 11. Oktober geplante Großveranstaltung sind mittlerweile zwar großteils überklebt. Was bleibt, sind nicht nur viele enttäuschte Mitwirkende und potenzielle Besucher, sondern vor allem die Frage, wer für dieses Desaster verantwortlich ist.
Dementsprechend buhlen die politischen Protagonisten vor allem auf den sozialen Medien um die Deutungshoheit. Allen voran Bürgermeister Daniel Kos (FPÖ). In einer knapp vierminütigen Videobotschaft versucht er, Transparenz bei den Kosten zu vermitteln. Laut seinen mit vielen Zahlen unterfütterten Angaben hätte das Fest die Stadtgemeinde unterm Strich rund 18.550 Euro gekostet. Hingegen hätte die vom Koalitionspartner Bürgerforum Leibnitz als Kompromiss ins Spiel gebrachte Ein-Tages-Variante die Stadtkasse mit knapp 30.000 Euro belastet. Das liege vor allem an den wesentlich geringeren Einnahmen, etwa durch den Wegfall der Landesförderung (10.000 Euro) und des Hobbykünstlermarkts (4000 Euro).
Verantwortlich für die Absage des Festes seien letztlich SPÖ und Bürgerforum, die im Gemeinderat dagegen stimmten, Gelder aus anderen Bereichen des Haushalts zur Bedeckung der Kosten umzuschichten. Unbeantwortet lässt Kos hingegen, warum er nicht in der Lage war, dem Gemeinderat rechtzeitig ein korrektes und mehrheitsfähiges Budget fürs Fest vorzulegen.
Gegenerzählung
Eine andere Erzählung liefert wenig überraschend Bürgerforum-Chefin Manuela Kittler. In ihrer Videobotschaft auf Facebook macht die Finanzstadträtin alleinig Kos für die Absage des Erntedankfests verantwortlich. Eine eintägige Variante wäre aus ihrer Sicht wünschenswert und auch im Budget abbildbar gewesen. Der Umschichtung anderer Gelder habe man nicht zugestimmt, weil diese dann an anderen Stellen fehlen würden. Tenor: Das Geld sei nicht unbegrenzt vorhanden.
Rote wehren sich gegen Schwarzen Peter
Ebensowenig den Schwarzen Peter für die Absage des Erntedankfests umhängen lassen möchte sich der rote Vizebürgermeister Rene Kniewallner. Der SPÖ-Mann, der Mitte Juni im Stadtrat noch für die Ausrichtung des Fests gestimmt hatte, begründet seinen Meinungswechsel vor allem mit gestiegenen und nicht nachvollziehbaren Kosten. In der Verantwortung sieht er ohnehin die Dreierkoalition aus FPÖ, Bürgerforum und ÖVP, die das Fest mit ihrer Mehrheit hätte durchdrücken können.
Das kirchliche Enrtdankfest am 11. Oktober bleibt von der Absage wie berichtet unberührt.
