Die Dancing Stars im Eiertanz um den ORF

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Redaktion. Heute: Warum „Zurück in die Zukunft“ der Lieblingsfilm der ehemaligen Großparteien ist.
Kindermund tut Wahrheit kund. Auch nach mehr als 40 Jahren, wie ich vor Kurzem irgendwo zwischen dem schönen Kärntner Glantal und den Wimitzer Bergen erfahren durfte. Eine Einheimische erzählte mir dort von ihrem früheren Weg zu Fuß in die mittlerweile längst geschlossene Volksschule: „Er war so steil, dass wir ihn als Kinder manchmal rückwärts hinaufgegangen sind, um zu glauben, dass es eigentlich abwärts geht.“
Das klingt, wenn man es einmal verstanden hat, recht logisch und erinnert mich an unsere Bundesregierung. Sie stolpert rückwärts abwärts, um sich und uns vorzumachen, es gehe aufwärts. Vor allem am Küniglberg.
Beginnen wir mit der bemerkenswerten Rückwärtsrolle vorwärts (oder Vorwärtsrolle rückwärts bzw. im Volksschuldeutsch und sehr passend: Purzelbaum) der ÖVP. Sie ließ nach der Implosion der ORF-Führungsebene in der noch zu klärenden Causa Weißmann die Chance auf einen völligen und überfälligen Neustart des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verstreichen. Stattdessen „freute“ man sich über die Bewerbung von Clemens Pig als ORF-Generaldirektor, der dann tatsächlich schon im ersten Wahlgang „überraschend“ das Rennen machte. Erst knapp drei Monate später – und nach der Kür der weiteren ORF-Direktoren – kam die ÖVP auf die Idee, eine Abschaffung der Haushaltsabgabe und einen (übrigens ebenfalls überfälligen) enger gefassten öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF anzuregen.
Beseelt von einer naiven Vorstellung?
Wollte da jemand zuerst den Laden in den Griff bekommen, bevor er – getrieben von der FPÖ und ihrem angekündigten ORF-Volksbegehren – überfällige Reformen andenkt? Das ist natürlich nicht der Fall, weil ja hoffentlich niemand in der ÖVP so naiv ist, zu denken, man könne den gesamten ORF so gut auf Linie bringen wie manche Landeshauptleute ihre Landesstudios. Es ist ja auch niemand in der ÖVP so naiv, zu glauben, der Wirtschaftsbund wäre eine am Gesamterfolg interessierte Teilorganisation der Partei.
Damit zur SPÖ. Nach dem Abgang von Roland Weißmann als Generaldirektor machte der ORF-Redaktionsausschuss öffentlich, dass mehrere (natürlich von Parteien dorthin entsandte) Mitglieder des Stiftungsrates die Funktion für ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen missbraucht haben könnten. Von den zum Rücktritt aufgeforderten Betroffenen nahm der dem ÖVP-Lager zugerechnete stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende den Hut – natürlich erst nach der Kür von Pig zum Generaldirektor. Schon vorher salutierte der vom Land Steiermark (FPÖ/ÖVP) entsandte Stiftungsrat ab. Heinz Lederer, der Stiftungsratsvorsitzende und Leiter des SPÖ-Freundeskreises, blieb. Er durfte sogar am ORF-Zukunftsforum teilnehmen, zu dem Vizekanzler, Medienminister und SPÖ-Chef Andreas Babler „Experten“ unlängst geladen hatte. In einem Grimm-Märchen hätte man diese zutiefst österreichische Tatsache so formuliert: Der böse Wolf arbeitet am Herdenschutz für die sieben Geißlein mit.
Was ist wirklich öffentlich-rechtlich?
Apropos Märchen: Der öffentlich-rechtliche Auftrag des ORF wird von den handelnden Personen und Parteien nach wie vor recht uferlos ausgelegt. Aber das würde die Grenzen dieser Morgenpost sprengen. Fortsetzung folgt. Wie bei einer „guten“ ganz im Sinne des öffentlich-rechtlichen Auftrags auf Kosten unserer Haushaltsabgabe eingekauften US-Serie. Als Titel würde „The Walking Dead“ gut passen.