Wegen Krisen: Familien mit Kindern kaufen weniger Lebensmittel
Einkaufsmengen in Österreich sind im ersten Halbjahr gesunken – bei Familien mit Kindern sogar um 14,5 Prozent. Jeder dritte Euro wird für Produkte in Aktion ausgegeben.
Die wirtschaftlichen Bedingungen und die angespannte geopolitische Lage haben im ersten Halbjahr deutlich das Einkaufsverhalten der Österreicherinnen und Österreicher beeinflusst. Die Lebensmitteleinkaufsmenge ist um fünf Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 zurückgegangen. Die Ausgaben sind laut aktueller RollAMA-Analyse um rund drei Prozent gesunken. „Vor allem größere Familienhaushalte mit mehreren Kindern haben weniger gekauft“, sagt Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin AMA-Marketing. In diesem Segment beträgt der Rückgang sogar 14,5 Prozent.
Die Menschen achten beim Lebensmitteleinkauf auch sehr stark auf den Preis und vergleichen. 66 Prozent der Befragten verteilen ihre Einkäufe deshalb auf verschiedene Geschäfte. Rabatte werden bewusst genutzt. „Bereits jeder dritte Euro wird für ein Produkt in Aktion ausgegeben“, erklärt Micaela Schantl, Leiterin Marktforschung AMA-Marketing. Besonders hoch ist der Aktionsanteil bei Schweine- und Rindfleisch sowie Butter. Vom Preisbewusstsein der Konsumenten profitieren auch die Eigenmarken der Handelsketten, die mittlerweile schon einen Anteil von 66 Prozent erreicht haben. Zuwächse verzeichnen auch die Diskonter, deren Umsatzanteil über 30 Prozent liegt.
Mehr Hühnerfleisch
Einige Fleischsorten verzeichnen deutliche Absatzrückgänge. Am höchsten fällt er bei Putenfleisch mit minus 20,8 Prozent sowie Rind- und Kalbfleisch mit minus 10,2 Prozent aus. Hühnerfleisch gewinnt wie in den letzten Jahren weiter an Bedeutung. 2022 lag der Marktanteil noch bei 28 Prozent, 2026 schon bei 32 Prozent. Generell ist eine Verlagerung des Fleischkonsums in die Gastronomie feststellbar. Insgesamt entwickelte sich der Außer-Haus-Konsum von Lebensmitteln im ersten Halbjahr 2026 laut RollAMA-Daten dynamischer als der Einkauf im Lebensmittelhandel. Schantl erklärt das unter anderem mit dem steigenden Anteil berufstätiger Eltern und Kinder, die daher nicht zu Hause zu Mittag essen.
Der Hitzesommer hat sich ebenfalls stark auf den Lebensmitteleinkauf im ersten Halbjahr ausgewirkt. Grüner Salat verzeichnet ein Plus von 16 Prozent, gefolgt von Vollkornbrot mit 14 Prozent und Naturjoghurt inklusive Skyr mit neun Prozent.
Hoher Bioanteil
Angesichts der aktuellen Preissensibilität fällt besonders auf, dass die Bioanteile im Lebensmitteleinzelhandel ein All-Time-High von 13 Prozent erreicht haben. Damit ist Österreich europaweit führend. „Bio und Qualität sind den Konsumenten auch in Zeiten, in denen sie auch den Preis achten, wichtig“, sagt Mutenthaler-Sipek. Klara Fichtenbauer, Senior Consultant YouGov, unterstreicht ebenfalls die hohe Bedeutung von Regionalität und Qualität für die Österreicher, obwohl diese ihre Einkäufe ganz bewusst planen und nur einkaufen, was nötig ist. „Drei Viertel sind der Meinung, dass Lebensmittel aus Österreich am besten sind“, sagt die Expertin. 44 Prozent bevorzugen Lebensmittel mit dem AMA-Gütesiegel, was ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr ist.