Mit Meeresalgen und Hightech: So macht Mazda Jagd auf CO2
Wie entkommen wir dem CO2-Dilemma? Mit Meeresalgen? Oder mit Technologien, die aus den Motorabgasen CO2 abfangen? Mazda-Entwicklungschef Schultze hat die Lösung.

Es gibt Automobilhersteller, die im Mainstream nicht ihre Erfüllung finden. Christian Schultze, Entwicklungschef bei Mazda Europa, drückt das so aus: „Mazda war immer ein Automobilhersteller, der vielleicht genau einen halben Schritt neben dem Massenmarkt Sachen gemacht hat, die interessant sind. Und wir denken, dass auch weiterhin Autofahren etwas sein sollte, das den Leuten Freude bereitet.“ Damit ist der Claim abgesteckt. Ich-bin-ich-Feeling überholt den Mainstream sozusagen.
Schultze, der Luft- und Raumfahrttechnik studierte, ist ein kritischer Geist, er redet ruhig, seine Argumente erledigen den Rest. Ketzerisch erschienen seine Worte, als sich alle auf ein Verbrenner-Aus 2035 einschworen, aber er dagegenhielt. „Der einseitige Fokus auf Elektrofahrzeuge bildet nämlich nicht den Markt ab und ist auch technologisch nicht sinnvoll“, sagt er. Die Kernfrage bleibt deshalb genauso wie ein gewisser Verbrenneranteil: Wie reduziert man CO2-Emissionen bis 2035?
Wie Mazda bereits heute CO2 abfängt
Mazda ist da ziemlich umtriebig: Ein Thema sind Meeresalgen, die zu Kraftstoffen verarbeitet werden. Ein biogener Kraftstoff, der nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittel-Erzeugung tritt und in großen Mengen produziert werden kann.
Die Herausforderungen sind aber nicht einfach, das brachte Mazda auf die nächste Ebene: Wieso holt man das CO2 nicht direkt aus dem Automobilabgas heraus? Mithilfe der Adsorptionsmethode wurde ein technologischer Zugang entwickelt, ein Substrat, das aus feinen Fasern besteht und eine riesig große Oberfläche besitzt, die das CO2 bindet. Freilich bedarf es besonderer technischer Lösungen (weitere Oxidationsstufe für Partikel, Wasser-Entfernung). Am Ende der Entwicklung stand ein 50 Kilogramm schwerer CO2-„Abräumer“, der ins Auto passt und rund 20 Prozent des CO2 abfangen kann.
Die Technologie, CO2 zu binden, ist machbar. Aber es braucht einen Industriekonsens.
— Christian Schultze, Entwicklungschef Mazda Europa
Klingt nach nicht viel, aber hier schließt sich für Schultze der Kreis der Logik: „Wenn ich jetzt eins und eins zusammenzähle, sprich, mein Biokraftstoff ist ungefähr zu 90 Prozent CO2-reduziert und 20 Prozent entnehme ich mit der Technik, dann entziehe ich der Atmosphäre sogar CO2.“ Einsetzbar wäre diese Technik vom Auto bis zu großen Schiffen, die einen riesengroßen Anteil der CO2-Emissionen haben.
Mazda fordert einen breiten Industrie-Konsens bei der Jagd nach CO2
„Die Idee ist da. Aber das ist nichts, was eine einzelne Firma wie Mazda einführen kann. Dafür bräuchte man einen Industriekonsens. Das ist natürlich eine Geschichte, die nur mit regulativer Polit-Unterstützung funktionieren kann. Aber die Technologie ist machbar“, führt Schultze weiter aus. „Es ist eine Technologie, die uns vielleicht auch anregen sollte, mal darüber nachzudenken, wie stringent unsere singuläre Lösung Elektroauto wirklich sein muss, auch wenn wir wissen, der Mainstream wird in Europa die Elektrifizierung sein. Deswegen werden wir uns erst einmal darauf konzentrieren, entsprechende elektrifizierte Powertrains zu bringen.“
Die Chancen, Geschäftsmodelle aus dem CO2-„Abräumer“ zu konstruieren, seien riesig: „CO2 ist ein Produkt, das für alles genutzt werden kann, von der Limonade bis zur chemischen Nutzung in Fabriken und auch zur Herstellung CO2-neutraler Kraftstoffe“, so Schultze.


