Immer den Weinen nach
In Friaul-Julisch Venetien liegen traditionsreiche Weinbaugebiete, historische Orte und regionale Produzenten eng beieinander. Die Wein- und Genussstraße macht die kulinarischen Besonderheiten der Region auf sechs Routen zugänglich.

Im äußersten Nordosten Italiens, an der Grenze zu Kärnten und Slowenien, nimmt Friaul-Julisch Venetien mit knapp 8000 Quadratkilometern zwar nur einen kleinen Teil der Landesfläche ein, vereint jedoch eine bemerkenswerte landschaftliche Vielfalt. Alpen und Dolomiten treffen hier auf Weinberge, historische Städte auf mittelalterliche Dörfer und die Adria auf weitläufige Kulturlandschaften. Dadurch eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten, die Region ausführlich zu erkunden.
Die Wein- und Genussstraße Friaul-Julisch Venetien erschließt diese Vielfalt in sechs Routen. Sie führen durch die Bergwelt, über die Hügellandschaften, entlang von Flüssen, durch die Ebene, über den Karst und bis an die Adriaküste. Jede Strecke setzt einen anderen Schwerpunkt und verbindet Landschaft, regionale Erzeugnisse und kulturelles Erbe.
Die Wein- und Genussstraße ist kein zusammenhängender Wanderweg, sondern ein Netz aus Genuss-, Wein- und Kulturstrecken. Die Routen lassen sich überwiegend mit dem Auto oder Motorrad bereisen; viele Abschnitte eignen sich ebenso für Fahrräder, E-Bikes oder Wanderungen.

DIE SECHS ROUTEN
Bei uns in den Bergen
Weite Täler, markante Gipfel und ausgedehnte Waldgebiete sind die Markenzeichen der Julischen Alpen rund um Tarvisio. Zu ihnen gehört auch der tausendjährige Wald von Tarvisio, einer der ältesten Wälder Italiens.
Weiter westlich erstreckt sich Karnien mit seinen sieben Tälern, die die Karnischen Alpen durchziehen. Die Landschaft ist von Wäldern, Almen und Bergdörfern geprägt. Im Gebiet von Pordenone führen die sogenannten
„Itinerari Slow“ durch die Friauler Dolomiten und ihre Täler. Entlang dieser Routen lassen sich Spuren traditioneller Lebensweisen entdecken – von ländlicher Architektur über historische Siedlungen bis hin zu Flüssen, Seen und Waldlandschaften.

Zur Bergwelt Friaul-Julisch Venetiens gehören auch die Valli del Natisone. Die abgelegenen Täler sind bekannt für ihre kulturellen Traditionen, lokalen Feste und eine von slawischen, romanischen und germanischen Einflüssen geprägte Geschichte. Zu den regionalen Spezialitäten zählt die Gubana, ein Germkuchen mit einer Füllung aus Nüssen, Trockenfrüchten und Gewürzen.
Die Bergregionen pflegen zudem eine lange kulinarische Tradition. Dazu gehören verschiedene Käse- und Wurstspezialitäten, darunter der DOP-zertifizierte Montasio-Käse, dessen Herstellung bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Ebenfalls eng mit der Region verbunden sind der IGP-zertifizierte Schinken aus Sauris sowie die Pitina IGP, eine geräucherte Fleischspezialität mit langer Tradition in den Tälern des Friauls.
Bei uns auf den Hügeln
Es ist ein gelobtes Land für Genusstouristen, das sich von den Hügeln der Provinz Gorizia zu den Valli del Torre, vorbei an Cormòns, Cividale del Friuli und San Daniele, erstreckt. Und es ist kein Zufall, dass sich in diesem weitläufigen Gebiet nicht weniger als vier DOC-Gebiete überschneiden, und zwar die DOC-Weingebiete Collio, Friuli Isonzo, Friuli Colli Orientali und Friuli Grave, die gemeinsam mit den DOCG-Gebieten Picolit, Ramandolo und Rosazzo sowohl ein kulinarisches als auch ein weinbauliches Erbe von allerhöchster Qualität darstellen. Zwischen sanften Anhöhen und weitläufigen Rebflächen entstehen hier einige der renommiertesten Weine Nordostitaliens. Zu den wichtigsten Rebsorten zählen Pinot Grigio, Pinot Bianco, Friulano, Sauvignon, Ribolla Gialla, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot. Hinzu kommt der Collio, eine für die Region typische DOC-Cuvée.
Doch die kulinarische Identität der Gegend erschöpft sich nicht in ihren prominenten Tropfen: Entlang der Route begegnet man traditionsreichen Weinkellern, kleinen Produzenten und Handwerksbetrieben, die seit Generationen regionale Spezialitäten herstellen. Dazu gehört der luftgetrocknete und weltbekannte Schinken aus San Daniele del Friuli, dessen Herstellung eng mit den klimatischen Bedingungen dieses Ortes verbunden ist: Hier treffen nämlich die warmen Winde von der Adria auf die kühlen Brisen aus den Alpen (dieser Schinken wird ausschließlich hier in San Daniele del Friuli produziert). Eine Versuchung für den Gaumen sind auch die Käsespezialitäten aus den örtlichen Genossenschaftsmolkereien, darunter der traditionsreiche Käse aus Fagagna.
Bei uns auf dem Fluss
Auf der Route „Bei uns auf dem Fluss“ ist man auf den umliegenden Hügeln und im Umland von Pordenone unterwegs. Worauf man sich da einstellen und freuen kann: auf eine einzigartige Mischung aus bäuerlicher Architektur, Flüssen mit klarstem Wasser, malerischen Dörfern und grünen Wäldern.
Der Boden, also das Schwemmland, auch Magredi genannt, gleicht dem einer Steppe. Er ist vorwiegend steinig und kiesig und hat sich im Laufe der Jahrtausende aus Ablagerungen der Flüsse Meduna, Cellina und Tagliamento gebildet.

Die Region spielt zudem eine bedeutende Rolle im internationalen Weinbau: In Rauscedo befindet sich der weltweit größte Komplex für Rebenzüchtung. Die dortigen Winzergenossenschaften produzieren jährlich mehr als 60 Millionen Rebstöcke und beliefern Weinbaubetriebe in zahlreichen Ländern. Die Weine der Region schmecken nach den besonderen geologischen und klimatischen Bedingungen: Die Weißweine zeichnen sich häufig durch Frische, Fruchtigkeit und Eleganz aus, während Rotweine für ihre Harmonie, Fülle und floralen Noten bekannt sind.
Ihren Namen verdankt die Weinbauregion übrigens den sogenannten Grave, den kiesreichen Böden, die das nach Rebfläche größte DOC-Anbaugebiet Friaul-Julisch Venetiens prägen. Es erstreckt sich im Westen der Region vom Alpenvorland bis zur Adriaküste und wird vom Fluss Tagliamento sowie der Grenze zur benachbarten Region Veneto begrenzt.
Bei uns in der Ebene
Auf dieser Route können Sie sich die klassischen Fahnenträger des friaulischen DOC-Geschmacks auf der Zunge zergehen lassen. Die Herstellung von Salami, Bratwürsten, Presswurst, Bauchspeck und anderen Wurstspezialitäten gehört vielerorts noch immer zum kulinarischen Erbe der Region. Zahlreiche Rezepte werden von Generation zu Generation weitergegeben und gelten in den Familien und kleinen Handwerksbetrieben als gut gehütete Tradition.
Neben den herzhaften Fleischspezialitäten spielt auch Gemüse eine wichtige Rolle. Besonders geschätzt wird der weiße Spargel aus Tavagnacco, der im Frühjahr geerntet und bei regionalen Festen gefeiert wird. Seine kurze Saison macht ihn zu einer begehrten Zutat der friaulischen Frühlingsküche.

Zu den bekanntesten Gerichten der Region zählt der Frico, eine Spezialität aus geschmolzenem Käse und Kartoffeln, die je nach Zubereitung knusprig oder weich serviert wird. Einst als einfache bäuerliche Mahlzeit entstanden, zählt der Frico heute zu den kulinarischen Wahrzeichen Friauls.
Die Landschaft der Ebene garantiert allerdings weit mehr als nur gastronomische Aha-Erlebnisse: Zwischen Feldern und Weinbergen finden sich zahlreiche Schlösser, historische Villen und kleine Dörfer, die vom Wohlstand vergangener Jahrhunderte erzählen.
Bei uns im Karst
Der Karst – Carso auf Italienisch – ist das Grenzgebiet zwischen Friaul-Julisch Venetien und Slowenien und Heimat eigenständiger regionaler Spezialitäten wie Wein, Wurstwaren oder Käse. Diese werden am besten in den vielen Agriturismi oder in den lokaltypischen Osmize – einfachen, saisonal geöffneten Buschenschanken – verkostet. Berühmt ist der Jamar-Käse, der mindestens vier Monate in einer Karsthöhle reift, aber auch die Jota, ein Eintopf mit Bohnen und Kraut, den man mit dem hausgemachten Brot, der Porcina, genießt.
Weitere geschmackvolle Erzeugnisse des Karsts sind das in Essig eingelegte Gemüse, der Rohschinken des Karsts, die typischen Käsesorten, begleitet vom Kirschblütenhonig, der hier weit verbreitet ist, die Porcina, das hausgemachte Brot, … und dazu ein Glas Terrano oder aromatischer Vitovska-Wein. Und natürlich das berühmte native Olivenöl Extra DOP-Tergeste. Der Karst ist aber auch Natur pur: Sehenswürdig sind unter anderem das Val Rosandra und die ausgedehnte Karsthöhle Grotta Gigante.

Bei uns an der Riviera
Das ist eine Route mit Meer-Wert – denn sie reicht von den goldfarbenen Stränden von Lignano Sabbiadoro und Grado über Aquileia bis zu den felsigen Buchten des Naturschutzreservats von Duino. Hier sind in erster Linie Entspannung, Freizeitspaß, Sport und Kultur angesagt, aber auch hervorragende Küche. Der Gaumen wird hier mit Fisch aus den Fischgründen der Lagune von Marano verwöhnt, darunter Venusmuschelsorten, Meeräschen, Doraden, Barsche und Aale, die in Zuchtbecken mit geringer Füllmenge gezüchtet werden.
Dementsprechend finden sich entlang der Küstenstraße unzählige Lokale und Restaurants, die frisch gefangenen Fisch und Krustentiere anbieten, beispielsweise Boreto à la Graisana (eine lokaltypische Art Fischsuppe), Seppie col Nero (Tintenfisch mit Tinte) und Sievoli sotto Sal (Meeräsche, die zwei bis drei Monate unter Salz konserviert wurde).

Feste und Veranstaltungen in der Region
10. bis 13. September 2026
Friuli DOC in Udine
24. bis 27. September 2026
Gusti di Frontiera in Gorizia
2. bis 4. Oktober 2026
Pordenone Art & Food in Pordenone
2. bis 11. Oktober 2026
Barcolana in Triest
14. bis 18. Oktober 2026
Ein Prosit in Udine
24. bis 25. Oktober 2026
Il Filo dei Sapori in Tolmezzo
Weitere Informationen zur Wein- und Genussstraße finden Sie hier: www.turismofvg.it/de/wein-und-essen




