Red-Bull-Star: Warum Florida, wenn man den Millstätter See haben kann?
Mit der Seilwinde im Gepäck bringt Wakeboard-Profi Dominik Hernler seinen Sport dahin, wo es niemand für möglich hält und versorgt Fans mit spektakulären Videos.

Wir treffen uns in Ihrem Urlaub daheim am Millstätter See. Oder ist ihr Aufenthalt verbunden mit aktuellen Projekten?
Dominik Hernler: Genau. Ich bin am 25. Mai losgezogen, war bis Ende Juli unterwegs und zwischendurch nur ein, zwei Tage daheim. Deshalb musste ich meinem Körper jetzt einmal Zeit geben zum Regenerieren, weil der Sport doch sehr fordernd ist. Ich mache aber Trockentraining und hin und wieder fahre ich ein paar Runden am See.
Geht man als Profi noch Wakeboarden zum Spaß?
Ich mache den Sport seit über 20 Jahren und es macht mir immer noch Megaspaß. Klar fühlt sich Wakeboarden manchmal wie ein Job an, weil es ja auch mein Job ist. Aber ich versuche immer den Spaß im Vordergrund zu halten. Da kommen auch die besten Ideen.
Sie zählen zu den kreativsten Sportlern der Szene, sorgen mit spektakulären Videos für Furore, in denen Sie an Orten wakeboarden, wo es niemand für möglich hält. Mit Felix Georgii haben Sie gerade das Projekt „Foama 2.0“ fertiggestellt. Was reizt Sie daran?
Ich habe mit dem Wakeboarden hinter dem Boot angefangen, bin dann auf Cable (eine Art Liftanlage in Wakeboard-Parks, Anm.) umgestiegen. Felix und ich machen das jetzt so lange. Als es dann die Möglichkeit mit der Seilwinde gab, haben wir gemerkt, wie sehr uns das taugt, weil wir vom Snowboarden und Skateboarden kommen. Das macht man ja auch überall, wo es geht. So bringen wir das Wakeboarden jetzt auf Flüsse, Kanäle und überallhin, wo Wasser ist und etwas, wo man drüber springen kann. Für uns ist das etwas Neues, Erfrischendes und Red Bull unterstützt uns dabei. Da pitchen wir oft die wildesten Ideen und arbeiten das so aus, dass es in einem sicheren Rahmen gemacht werden kann.

Wie kommt ihr auf diese speziellen Orte?
Die meisten Locations finde ich über Google Maps. Da verbringe ich Stunden, um Flüsse abzuscrollen. Wenn ich Wehranlagen sehe, zoome ich rein, vielleicht hat auch schon jemand ein Foto hochgeladen. Dann schauen wir uns das vor Ort an. Von zehn Locations sind zwei oder drei gut. Das heißt viel Herumfahren. Es gibt auch Orte, wo wir gern etwas gemacht hätten, wo man aber gescheit genug sein muss, zu sagen: Das ist zu gefährlich, das machen wir nicht. Wir haben ein gutes Gespür dafür, wo man reingehen kann und wo nicht.
Worum geht es euch dabei? Das Ausloten von Grenzen?
Die Videoprojekte machen Spaß, nicht nur weil das Wakeboarden lustig ist, sondern auch das Herumfahren gemeinsam. Bei unseren Wakeboard-Szenen wird es zwar ernst, aber zwischendurch fühlt es sich oft an wie ein Roadtrip mit deinen besten Freunden. Wir wollen auch schauen, wohin wir unseren Sport bringen können. Es ist das Gesamtpaket, wie wir Wakeboarden gern sehen und ich glaube, das ist auch ein Weg den Sport wachsen zu lassen. Ein Anreiz für andere, Wakeboarden auszuprobieren.
Wie funktioniert ein Dreh an einem Ort, der nicht fürs Wakeboarden gemacht ist?
Das ist viel Arbeit. Wir haben eine 23 Kilogramm schwere, akkubetriebene Seilwinde. Zuerst muss man einen Platz finden, wo man die hinstellen kann. Meistens brauchen wir eine Umlenkrolle, müssen irgendwo hinaufklettern, um sie festzumachen. Davor checken wir durch Tauchen oder mit Sonden, ob im Wasser alles sicher ist, damit sich keiner weh tut. Oft dauert es einen ganzen Tag, um eine Location zu drehen. Man muss viel schwimmen, klettern, immer wieder an den Ausgangspunkt. Das Wakeboarden selbst dauert nur ein paar Sekunden. Deswegen haben wir nur eine kleine Crew dabei. Da muss jeder seinen Teil beitragen.
Zur Person
Dominik Hernler (35) ist in Döbriach am Millstätter See aufgewachsen, wo er mit elf Jahren das Wakeboarden für sich entdeckte. Mit 15 Jahren holte er den ersten von insgesamt sechs Staatsmeistertiteln, und wurde im selben Jahr Junioreneuropameister.
Er hat etliche Bewerbe gewonnen und sorgt seit einigen Jahren vor allem durch spektakuläre Videos für Aufsehen, etwa für das Red Bull-Projekt „Sound of Wake“, wo er mit dem Wakeboard quer durch Salzburg gezogen wurde; auf einem zugefrorenen See in Schweden oder in einem Steinbruch in Bad Kleinkirchheim.
Gibt es nach über 20 Jahren in diesem Sport überhaupt noch etwas, das Sie reizt?
Drei bis fünf Bewerbe im Jahr suche ich mir aus. Ich kann nicht mehr so viel trainieren, um mit den Jungen bei Top-Wettbewerben mitzuhalten. Ich bin jetzt doch einer der ältesten, die das machen. Es könnte in den nächsten Saisonen passieren, dass ich mich voll auf die Videoprojekte konzentriere. Da gibt es noch tausende Locations und Ideen, die in meinem Kopf herumschwirren.
Was steht als nächstes an?
Wir filmen jetzt in Frankreich weiter. Da soll spätestens im Frühling noch ein Video kommen. Wenn ein Projekt fertig ist, fängt meistens schon das nächste an.

Sie haben kurz vor der Matura die Schule geschmissen, um nach Orlando, Florida zu gehen und Profi zu werden. Wäre nicht beides gegangen?
Vielleicht, aber bis jetzt hat es mich nicht eingeholt, keine Matura zu haben. Für mich war es die richtige Entscheidung, weil ich meine großen Verträge genau zu der Zeit in Amerika abgeschlossen habe. Orlando war das Cable-Mekka der Welt. Dort waren die Sponsoren, Firmen, Magazine. Man musste dort sein, wenn man es als Profi schaffen wollte.
Jetzt leben Sie wieder am Millstätter See?
Genau. Am liebsten bin ich am See beim Fischen, Wakeboarden oder -surfen. Es ist aber nicht nur der See. Ich bin generell gern in der Gegend, Rad fahren oder Snowboarden. Bei all meinen Reisen – und jetzt war ich schon fast auf der ganzen Welt – bin ich draufgekommen, dass es daheim am schönsten ist. Auch meine Freunde von überall her sagen: Warum ziehst du nach Florida, wenn du das hier hast? Und hier hat alles begonnen mit meinem Bruder Patrick, Willi Sittlinger, der das erste Wakeboard-Boot angeschafft hat, als wir alle damit angefangen haben, und mit der Unterstützung meiner Mama. Ohne die wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin.



