Festivalchefin: „Internationale Gäste konnten wir früher begeistern“
Die Millstätter Musikerin Julia Malischnig erfüllte sich mit einem eigenen Gitarrenfestival einen großen Traum. Im Hinblick auf das 20-Jahr-Jubiläum blickt sie zurück.

Als Treffpunkt haben Sie den Millstätter See vorgeschlagen. Wieso?
Er ist das Zentrum meines Lebens – Ruhepol und Inspirationsquelle zugleich. Ich habe die Umgebung bewusst für mein Gitarrenfestival „La Guitarra Esencial“ ausgewählt.
Sie sind Musikpädagogin, Gitarristin, Sängerin, Komponistin und Festivalorganisatorin. Mit welcher Aufgabe identifizieren Sie sich am meisten?
Meine große Leidenschaft – die Musik – zieht sich durch all diese Rollen. Ich lebe sie mit meinem gesamten Sein. Die Herausforderung ist, allen Tätigkeiten gerecht zu werden. Als Fachbereichsleiterin für Künstlerische Entwicklung bei den Musikschulen des Landes Kärnten habe ich – wie alle Musikschullehrenden – das Privileg, den Sommer frei zu haben. Ich nutze die Ferien für meine künstlerischen Haupttätigkeiten.
Diese führen Sie auf unterschiedliche Bühnen. Trotzdem kehren Sie immer wieder nach Oberkärnten zurück.
Ich sehe mich nicht als Reisende, die überall ihre Zelte aufschlägt. In meinem Herzen war ich stets Kärntnerin. Meine Heimat hat für mich einen großen Stellenwert.
Ist die Region ein guter Nährboden für Nachwuchstalente?
Die örtlichen Musikschulen sind der beste Beweis. Wir haben ein riesengroßes Potenzial an künstlerischer Qualität.
Wann haben Sie ihre Liebe zur Musik entdeckt?
Als ich im Kindergarten das erste Mal an den Saiten einer Spielzeug-Gitarre gezupft habe. Die Faszination und Begeisterung für die Musik habe ich schon immer in mir getragen.
Inzwischen begleitet Sie diese Leidenschaft schon ein Leben lang. Welche besonderen Momente sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
Als ich im Rahmen des Gitarrenfestivals Millstatt mein Herzensprojekt „Austria meets South Africa“ gemeinsam mit meiner Band, den „Boulevard Harmonists“ und dem Singkreis Porcia umsetzen konnte. Zudem war der Auftritt von David Helfgott im Rahmen des zehnten Festivaljubiläums ein unvergesslicher Moment. Es waren Sternstunden, die man in dieser Form nicht wiederholen kann. Ich bin dankbar, dass ich sie erleben durfte.
Wie lange hat es gedauert, bis sich das Festival etabliert hat?
Wir haben bei null angefangen. Jeder Fortschritt war ein großer Erfolg. Das fünfte Jahr war ein Knackpunkt – wir konnten die Millstätter überzeugen. Es dauerte, bis uns die Einheimischen auf dem Schirm hatten. Internationale Gäste konnten wir viel früher begeistern.
Was macht das Festival so einzigartig?
Die Möglichkeit, den Künstlern nahe zu sein – es ist eine Form der Intimität, die vor dieser beeindruckenden Kulisse entsteht.
Haben Sie eine Wunschbesetzung?
Wir leben in einer Zeit, in der die Zahlen stimmen müssen. Die finanzielle Situation für Kunstschaffende ist schwierig. Kultur braucht ihren Raum und eine passende Infrastruktur, um wachsen zu können. Jedoch glaube ich daran, das Unmögliche möglich machen zu können. Noch behalte ich meine Ideen aber für mich, um nichts vorwegzunehmen.
Stimmt Sie das bevorstehende 20-Jahr-Jubiläum nachdenklich?
Man blickt zurück und beschäftigt sich gleichzeitig mit der Zukunft. Vielleicht küsst mich morgen die Muse und ich entdecke einen Künstler, den ich zuvor nicht kannte. Oft überraschen mich meine eigenen Ideen.
Wer inspiriert diese?
Ich hatte nie Vorbilder im klassischen Sinne, aber es gab immer wieder außergewöhnliche Künstler, die mich inspirierten und motivierten. Nach dem Studium lag es an mir, meine eigene Stimme zu finden. Es war ein Lernprozess, der mich gleichermaßen herausforderte und bestärkte. Ich habe begonnen, meine Stimme mit meiner Gitarre zu verbinden, zu komponieren und Schritt für Schritt meinen eigenen Klangstil zu entwickeln. In einer Welt voller talentierter Gitarristen bleibt die Herausforderung dieselbe: sich von der Masse abheben. Die zentrale Frage lautet: Was macht mich aus? Es ist eine spannende Reise, seinen individuellen Stil zu entdecken.
Nimmt diese je ein Ende?
Gottseidank nicht. Die Suche nach dem eigenen musikalischen Ausdruck ist ein fortlaufender Prozess, weil man sich als Künstler ständig weiterentwickelt. In meiner frühen Jugend habe ich an unzähligen Wettbewerben teilgenommen. Doch erst nach dem Studium begann die eigentliche Entwicklung als Musikerin. Ich wollte immer Konzerte spielen und Menschen erreichen. Dabei ging es mir stets um die offene Kommunikation mit dem Herzen und damit, meine eigene Version auf der Bühne umzusetzen.
Ich hatte und habe das Glück, mit vielen großartigen Musikerinnen und Musikern zusammenarbeiten zu dürfen. Wir sprechen eine gemeinsame Sprache, die auch mein neues Album prägt. Gleichzeitig bin ich offen und dankbar dafür, immer wieder neue spannende Künstler kennenzulernen. Solche Begegnungen sind wahre Glücksmomente, die meinen Weg bereichern.
Wann erleben Sie diese noch?
Sobald ich mein Instrument – die Gitarre – in der Hand halte, tauche ich in eine andere Welt ein. Es ist eine Form der Entspannung und Inspiration, die mich kreativ werden lässt.
Auch auf der Bühne? Haben Sie kein Lampenfieber mehr?
Ich würde es gesunden Respekt nennen. Es ist eine produktive Form der Aufregung, die mich belebt.
Wie können junge Musiker eine solche Selbstverständlichkeit erlangen?
Üben, üben und noch mehr üben. Sie müssen immer in Bewegung bleiben, wissbegierig sein und Erfahrungen sammeln.
Ist das auch Ihr Geheimrezept?
Man braucht Zeit, Durchhaltevermögen und einen Traum. Ich konnte den meinen verwirklichen und blicke voller Vorfreude auf all die Visionen, die in Zukunft noch vor mir liegen.
Zur Person
Julia Malischnig (49) wuchs in Spittal auf, bevor sie nach einigen Zwischenstationen ihren Wohnsitz nach Millstatt verlegte. Festivals führten sie bereits durch die ganze Welt – sie bereiste unter anderem Südamerika, Südafrika, Südkorea, Marokko, Algerien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Zum Wirken. Malischnig studierte klassische Gitarre, unter anderem an der Universität für Musik in Wien und an der Musikakademie in Basel. 2003 wurde sie mit dem Würdigungspreis des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur ausgezeichnet. Weitere Ehrungen folgten. Ihre erste CD nahm sie 2005 auf. Diese und sämtliche darauffolgende Alben produzierte sie unter eigenem Label.
Jubiläum. Malischnig ist Initiatorin und Leiterin des internationalen Gitarrenfestivals „La Guitarra esencial“ in Millstatt sowie des internationalen Gitarrenfestivals „La Guitarra Erl“. Nächstes Jahr steht das 20-jährige Gründungs-Jubiläum an.