Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Heinz Trixner: „Ich bin ein alter Mann, den man mieten kann“

Schauspieler Heinz Trixner spricht über seine Kindheit in St. Veit, seine vielseitige Karriere und warum er sich nie als „Star“ gesehen hat.

Das Bild zeigt ein Szenenfoto von Schauspieler Heinz Trixner mit seinem Kollegen Christian Schmidt (hinten) „Furtwängler, Kategorie 4“ am Stadttheater Klagenfurt im Jahr 2004
© Zoltan
Schauspieler Heinz Trixner mit seinem Kollegen Christian Schmidt (hinten) "Furtwängler, Kategorie 4" am Stadttheater Klagenfurt im Jahr 2004
Simone Jäger
Redakteurin Regionalredaktion Lavanttal & Völkermarkt

Wenn man im Internet durch Ihre umfangreichen Tätigkeiten als Bühnen- und TV-Schauspieler, Intendant, Regisseur und Schauspiellehrer scrollt, stößt man auf Sie auch als Hörspielsprecher: Sie gelten als bekanntester „Old Shatterhand“ durch die Karl-May-Hörspielaufnahmen in den 1970er-Jahren?

Heinz Trixner: Ich habe damals alle Karl-May-Hörspiele eingelesen. Heute noch schreiben mir Leute, dass sie diese Hörspiele in ihrer Kindheit gehört haben und ganz begeistert waren. Das wundert mich selbst nach so langer Zeit.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit und Jugend in St. Veit?

Ich bin in St. Veit geboren und aufgewachsen bis ich 17 Jahre alt war. Mein Vater war Kfz-Mechaniker und hatte ein Geschäft am Hauptplatz. Als kleines Kind erinnere ich mich noch an die Fliegerangriffe auf den Güterbahnhof in St. Veit, die Flieger sind über unser Haus geflogen. Ich habe noch lange als Erwachsener davon geträumt. Nach der Volks- und Hauptschule habe ich die Realschule in Klagenfurt besucht. Von dieser Schule bin ich aber geflogen, weil ich auf dem Schulweg mit dem Bus meistens schon bei der Burgruine Taggenbrunn ausgestiegen bin und den ganzen Tag auf der Ruine Ritter gespielt habe – für mich allein. Ich wollte Schauspieler werden – der Traum eines ländlichen Buben. Meine Eltern hatten keine Freude damit.

Heinz Trixner (rechts) mit Schauspieler Borhan Hassan Zadeh (links) und Regisseur Karl Markovics anlässlich eines Fototermins zu den Dreharbeiten des Films „Nobadi“ im Jahr 2018
© APA / Hans Punz
Heinz Trixner (rechts) mit Schauspieler Borhan Hassan Zadeh (links) und Regisseur Karl Markovics anlässlich eines Fototermins zu den Dreharbeiten des Films „Nobadi“ im Jahr 2018

Wie ging es danach weiter?

Ich wurde nach Bad Aussee zwangsversetzt, bin aber auch dort von der Schule geflogen, weil ich mit Schulkollegen Holz gestohlen habe. Wir haben so gefroren, weil nicht geheizt wurde. Dann kam ich nach Wien und stieß dort auf ein Schild der privaten Schauspielschule in der Alserstraße. Zum Vorsprechen bekam ich einen Ausschnitt aus einem Textbuch und habe daraus gleich alle Rollen gelernt und vorgespielt – die Jury hat sich zerkugelt. Ich hatte damals ja keine Ahnung, wie das richtig geht. Ein Lehrer hat mich aber unter seine Fittiche genommen. Nach einiger Zeit hat er mir gesagt, dass, wenn er einmal nicht mehr ist, ich unbedingt die Aufnahme am Max-Reinhardt-Seminar machen muss. Zwei Wochen später hat er Suizid begangen …

… und Sie kamen aufs Reinhardt-Seminar.

Ja, ich wurde genommen und dann ging es dahin. Ich besuchte dieselbe Klasse wie Regisseur Hans Neuenfels, wir waren gut befreundet. Über meine Lehrerin Susi Nicoletti bekam ich ein Vorsprechen am Burgtheater und wurde gleich genommen, aber ich habe abgesagt. Ich wollte zuerst in die Provinz und dort Erfahrungen sammeln. Ich hatte aber die Abmachung, jederzeit ans Burgtheater zu können und als ich das später annahm, habe ich gleich große Rollen gespielt. Danach ging es dann für acht Jahre ans Thalia Theater in Hamburg.

In 117 Folgen verkörperte Heinz Trixner die Rolle des Vinzenz Strobel in der TV-Serie „Schlosshotel Orth“ - am Bild mit seiner Schauspielkollegin Nicole Beutler
© APA / Johannes Cizek
In 117 Folgen verkörperte Heinz Trixner die Rolle des Vinzenz Strobel in der TV-Serie „Schlosshotel Orth“ - am Bild mit seiner Schauspielkollegin Nicole Beutler

Wie sind Sie dann zum Fernsehen gekommen? Man kennt Sie ja auch aus der TV-Serie „Schlosshotel Orth“, wo Sie die Rolle des Vinzenz Strobel in 117 Folgen verkörpert haben oder aus Filmen wie „Nobadi“.

Das hat sich so ergeben. Ich mochte nur das Aufsehen nie. Ich habe immer gesagt, dass ich kein Star, sondern Schauspieler bin und habe vieles nicht gemacht, was andere gerne gehabt hätten. Das hat vielen nicht gepasst.

Welche Rollen haben Sie am liebsten verkörpert?

Richard III. von Shakespeare. Ich sehe mich immer als Anwalt der Figur, die ich spiele. Mir ist es wichtig zu erklären, warum jemand so geworden ist, wie er ist. Im Fall von König Richard III. eben so böse.

Wie hat sich das Schauspiel im Laufe der Jahrzehnte verändert?

Es hat sich enorm verändert, finde ich. Wenn ich Hamlet nicht verstehe, wenn er ein historisches Kostüm trägt, verstehe ich ihn auch nicht, wenn er einen modernen Smoking trägt. Man muss die Figur verstehen. Als Schauspieler hat man die Aufgabe, Leute im Kopf und in der Seele zu berühren, sie zum Lachen und zum Nachdenken zu bringen – und man muss eine Freude dabei haben.

Porträtbild von Heinz Trixner
© Privat/KK
Porträtbild von Heinz Trixner

Sie haben selbst an der Filmakademie in Wien unterrichtet. Worauf haben Sie dabei Wert gelegt?

Auf das Können. Die Leidenschaft für den Schauspielberuf zu haben reicht nicht aus, man muss ihn auch können. Es genügt nicht, einfach sein Gesicht hinzuhalten.

Haben oder hatten Sie selbst Vorbilder?

Alle guten Schauspieler sind meine Vorbilder. Wenn ich schlechte Schauspieler sehe, sehe ich, was man nicht tun darf. Bei guten Schauspielern hingegen bin ich einfach nur begeistert und finde das schön.

Sind Sie selbst noch auf der Bühne oder im Fernsehen aktiv?

Aktiv habe ich jetzt ein Jahr nichts gemacht. Ende August habe ich wieder ein paar Drehtage für den Kinofilm „Blinde Kuh“. Da habe ich eine nette kleine Rolle. Ich bin bequemer geworden: Fernsehen ist jetzt angenehmer für mich, auf der Bühne hat man doch über Wochen und Monate vorher Proben und dann Vorstellungen. Ich bin also ein alter Mann, den man nach wie vor mieten kann.

Heinz Trixner im Stück „Das Dorf an der Grenze“
© Stefan Zoltan
Heinz Trixner im Stück „Das Dorf an der Grenze“

Wie geht es Ihnen mit dem Älterwerden?

Ich dachte früher, dass es schlimm werden wird, aber es ist kein Problem. Natürlich laufe ich nicht mehr so gut und brauche länger beim Einkaufen, aber es bringt nichts, deshalb traurig zu sein. Gedanken an den Tod sind selbstverständlich. Ich habe mich mit dem Tod – auch aufgrund meines Berufs – schon früh auseinandergesetzt.

Wann waren Sie das letzte Mal in Ihrer Geburtsstadt?

Das ist schon einige Jahre her. Mein älterer Bruder ist bereits verstorben, mein jüngerer Bruder lebt in Klagenfurt. Wir sehen uns manchmal. In Wien lebe ich wieder fix seit 1990, vorher habe ich immer dort gewohnt, wo ich ein Engagement hatte. Deshalb hatten meine leider bereits verstorbene Frau Gabriele und ich auch keine Kinder. Ich war immer dort, wo das Theater war, und ich wollte nicht, dass Kinder dann den Großteil der Zeit ohne ihren Vater aufwachsen.

Zur Person

Heinz Trixner wurde am 21. Juni 1941 in St. Veit geboren und lebt heute in Wien. Er absolvierte das Max-Reinhardt-Seminar in Wien und spielte unter anderem am Burgtheater Wien, Thalia Theater in Hamburg, am Bayrischen Staatssschauspiel und bei den Salzburger Festspielen.
Im TV bekannt ist er etwa aus der ZDF-Serie „Schlosshotel Orth“, hatte aber auch Auftritte in Serien wie Tatort. Er spielte außerdem große Filmrollen wie etwa 1986 in „38 – auch das war Wien“. Dieser Film war 1987 für den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. Trixner war auch Hörspielsprecher und von 2001 bis 2005 Intendant der Kreuzgangspiele in Feuchtwangen.

Mehr zum Thema