Vanessa Herzog: „Es sind alle Dämme gebrochen, ich hab‘ geweint“
Die Ferlacherin wagte sich am Samstag nach einer intensiven Reha in Mailand aufs Eis. „Ich bin glücklich und fast schmerzfrei, aber ich weiß, dass nicht jeder Tag so sein wird.“
Eisschnellläuferin Vanessa Herzog musste Anfang Jänner, knapp vor Olympia, einen ganz herben Rückschlag hinnehmen. Das Iliosakralgelenk macht nach einem Sturz Probleme. Beim Training auf Höhe des Kurveneingangs krachte die Weltmeisterin von 2019 mit knapp 55 km/h gegen eine Bande direkt auf die Hüfte, nachdem sie sich verkantet hatte. Und das alles vor den Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina.
Am Samstag wagte sich die 30-Jährige in der riesigen Mailänder Arena nach intensiven Reha-Einheiten wieder aufs Eis – Nervosität und Anspannung inklusive. „Es war ein eher kleineres Programm. Ich hatte geringe beziehungsweise fast keine Schmerzen, aber mir ist auch völlig bewusst, dass nicht jeder Tag so schmerzfrei sein wird. Ich spür es und ich weiß, dass es da ist, aber es hindert mich derzeit nur wenig. Was irgendwie cool, aber gleichzeitig auch eigenartig war, dass wir beim Training komplett allein am Eis gewesen sind“, erzählt die Kufenflitzerin und verriet dabei, dass bei ihr anschließend alle Dämme gebrochen sind. „Ich bin dann im Bus gesessen. Ich musste echt weinen, weil so viel von mir abgefallen ist. Viele können sich vielleicht gar nicht vorstellen, was es für mich bedeutet, dass der Olympiatraum weiter lebt. Der ‚worst case‘ ist zum Glück nicht eingetreten, dass wir wieder zusammenpacken hätten müssen.“
„Wollen auf keinen Fall den Nerv triggern“
Natürlich war auch ihrem Mann und Trainer Tom Herzog die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Er ließ nach diesem positiven Erlebnis seinen Gedanken freien Lauf. „Ich wusste, dass es nur null oder eins gibt, entweder es geht oder es geht nicht. Wir haben so enorm viel investiert, gearbeitet, gekämpft. Wenn es nicht gegangen wäre, haben wir trotzdem alles versucht und können es nicht ändern. Ich hatte aber immer die Hoffnung, dass es funktioniert, wobei es keine Garantie gibt, dass die Schmerzen nicht wiederkommen.“
In den kommenden Tagen wird sich Herzog sukzessive herantasten. „Wir werden reduziert am Eis trainieren, um auf keinen Fall den Schmerz und den Nerv zu triggern, aber ich muss ein gewisses Programm fahren, um konkurrenzfähig zu sein“, verdeutlicht die Kärntnerin, deren erster Bewerb am 9. Februar über die 1000 Meter in Szene geht.
Angesprochen auf das Olympische Dorf in Mailand erzählt Herzog von einem eher kleinen, aber äußerst feinen und komprimierten Dorf. „Die Wege sind nicht lang, die Nudeln al dente. Lediglich an den Verkehr hier muss man sich gewöhnen.“

