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„Wir warnen seit langem vor der Gewalt an Schulen“

Dominik Knes, Chef der Arge Jugend gegen Gewalt, mahnt: „Präventionsstellen werden seit Jahren gekürzt, dabei sind Schulen auch Hort für Radikalisierungen.“

Dominik Knes ist Geschäftsführer der Arge Jugend gegen Gewalt
© KK
Dominik Knes ist Geschäftsführer der Arge Jugend gegen Gewalt
Bernd Hecke
Chefreporter

Mit einem emotionalen Appell wendet sich Dominik Knes, Chef der Arge Jugend gegen Gewalt und Rassismus, am Tag nach dem Amoklauf im Grazer Borg Dreierschützengasse an die Öffentlichkeit: „Wir haben die Politik mehrfach nachdrücklich vor der Gewalt an den Schulen gewarnt und vor Entwicklungen, die meist an Eltern und Lehrern vorbeigehen. Aber trotzdem werden die Gelder für Präventionsstellen seit Jahren gekürzt.“ Aktuell könne man sich fast nicht erwehren vor Workshop-Buchungen zu Gewalt-, Mobbing- und Radikalisierungsprävention.

Demütigungsvideos und Erpressung

Und das sei im Nachhall des Amoklaufes auch nachvollziehbar: Es herrsche, vor allem an Mittelschulen, oft ein Klima der Gewalt. „Ein Trend sind Demütigungs- und Entschuldigungsvideos. Da werden Schüler angespuckt und geschlagen, müssen sich vor laufender Handykamera erniedrigen lassen und entschuldigen.“ An einer Schule sei man auf einen Fall gestoßen, „wo das Opfer, ein Bursche zehn Euro pro Woche zahlen musste, damit seine Schulkollegen das Video nicht via soziale Medien verbreiten.“

Da werden an Schulen unter Jugendlichen Videos geteilt, die zeigen, wie ein Kind getötet wird.

— Dominik Knes, Arge Jugend gegen Gewalt

Die meisten Eltern wüssten einfach nicht, was da auf den Smartphones ihres Nachwuchses unterwegs ist: „Da werden an Schulen unter Jugendlichen Videos geteilt, die zeigen, wie ein Kind getötet wird.“ Das sind Szenen aus dem Gaza-Krieg, authentisch oder nicht, ist unklar. Aber mit dem furchtbaren Material werde Stimmung gemacht, aufgehetzt, in diesem Fall gegen Israel: „Hier passiert vor den Augen der Erwachsenen Radikalisierung, aber keiner sieht das.“ Schulen würden so zu einem Hort des Extremismus.

Lehrer haben keinen Tau von TikTok

Ob der grausame Amoklauf in Graz zu verhindern gewesen wäre, könne man so nicht sagen. Aber es sei höchste Zeit, intensiv an Schulen zu arbeiten, um auch die Themen Mobbing und Kränkung stärker in den Fokus zu nehmen: „Und es kann auch nicht sein, dass Lehrer heute keinen Tau haben, was TikTok ist und sich auch nicht damit befassen wollen. Das ist doch längst die eigentliche Lebenswelt der Jugendlichen.“

Beim 21-Jährigen, der zehn Menschen und schließlich sich selbst getötet hat, „kann ich mir sehr wohl vorstellen, dass es hier auch Impulse aus Social Media gegeben haben kann“, sagt Knes, „bevor er zu den Waffen gegriffen hat und einfach in die Schule gegangen ist um zu töten.“ Jeden Euro, den die Gesellschaft in Präventions- und Schulsozialarbeit stecke, bekomme sie dreifach zurück, unterstreicht Knes abschließend seinen Appell, nicht am falschen Ort zu sparen.

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