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„Mateschitz wollte helfen, aber damit nicht in der Zeitung stehen“

Helmut Winkler war über 25 Jahre einer der engsten Vertrauten von Dietrich Mateschitz. Er erinnert sich, wie das „Projekt Spielberg“ entstanden ist und welche Beziehung der Milliardär zur Region hatte.

Helmut Winkler war über 25 Jahre ein enger Vertrauter von Dietrich Mateschitz und war an der Entwicklung des Projektes Spielberg maßgeblich beteiligt
© AP/Joensson, Richard Großschädl
Helmut Winkler war über 25 Jahre ein enger Vertrauter von Dietrich Mateschitz und war an der Entwicklung des Projektes Spielberg maßgeblich beteiligt
Josef Fröhlich
Redakteur Regionalredaktion Murtal & Murau

Vor zwei Jahren, am 22. Oktober 2022, verstarb Red-Bull-Gründer und Milliardär Dietrich Mateschitz. In der Steiermark wollte er ein Motorsport- und Luftfahrtzentrum von gewaltiger Dimension verwirklichen, das allerdings 2004 an einem Umweltbescheid gescheitert war. Mit jahrelanger Verzögerung wurde am Ende ein verkleinertes Projekt umgesetzt. Die Kleine Zeitung hat seinen engsten Vertrauten in Sachen „Projekt Spielberg“, Helmut Winkler, zum Interview gebeten.

Herr Winkler, Sie waren über viele Jahre die rechte Hand von Dietrich Mateschitz in Sachen Projekt Spielberg und hatten als einer der wenigen direkten Zugang zu ihm. Wie ist dieses Naheverhältnis entstanden?

Das hat seinen Ursprung im Jahr 1996 genommen. Christian Lietz war der Vater von Richard, einem meiner Schüler in der Ferienschule des Abteigymnasiums Seckau und heute ein erfolgreicher Motorsportler. Über Christian Lietz suchte Herr Mateschitz einen engagierten Lehrer, um im Schulbereich, wie er sagte, etwas zu bewegen und zu ändern.

Und dabei ist er auf Sie gestoßen?

Ja, genau. Nach unserem zweiten „Geschäftstreffen“ und mittlerweile rund zehn Stunden angeregter Gespräche und Diskussionen haben wir sehr viele Übereinstimmungen gefunden. Erst danach waren wir auf „Du-Level“, und er hat mich schließlich gebeten, ein Schulsystem für eine motorsportliche Ausbildung zu entwickeln.

Sie meinen die damals geplante Motorsport-Akademie in Seckau?

Ja. In der Entwicklungsphase gab es viele Telefonate und Treffen, es wurde gemeinsam visioniert und ein Gesamtpaket bis zu seiner Freigabe entwickelt. Ich war damals seit 16 Jahren Lehrer, und glauben Sie mir, es war ein sehr interessantes und einmaliges Angebot beziehungsweise eine herausfordernde Aufgabe für mich. 2003 ließ ich mich als Lehrer karenzieren, und Dietrich Mateschitz nahm mich unter Vertrag. Wir sahen und trafen einander mehr oder minder regelmäßig, und ich bin dankbar für jede Stunde, in der ich von seinem Wissen, von seiner Persönlichkeit und seiner Ausstrahlung lernen und profitieren konnte. 2023 beendete auch ich mein Wirken im Konzern und ging mit 71 Jahren in Pension.

Nach Übernahme des Red-Bull-Ringes sind die ursprünglichen Pläne Ende 2004 an Umweltauflagen gescheitert. Er hat daraufhin gesagt, für ihn sei das erledigt. War Mateschitz wirklich entschlossen, alle Zelte abzubrechen?

Ja. DM, wie Herr Mateschitz von vielen genannt wurde, aber auch die damaligen Projektpartner wollten nicht mehr weiterkämpfen. Dabei war die Stimmung stark für das Projekt Spielberg. Ich habe damals kaum jemanden getroffen, der gegen das Projekt und der damit einhergehenden Motorsportakademie war. Politiker aller Farben waren überzeugt, dass dieses Asset bestens zum damals maroden A1-Ring passen würde. Alle Tore gingen weit auf, sobald ich den Namen Didi Mateschitz erwähnt habe. Für Projektplanung, Kauf und Übernahme der Anlage sind mehrere Jahre vergangen. Zuerst hat man uns versprochen, dass Genehmigungen für eine angebotene Ring-Übernahme vorhanden sind, dann haben wir aber doch eine Umweltverträglichkeitsprüfung gebraucht ­­– mit Kosten von mehreren Millionen Euro. Dann wurde das Projekt aufgrund weniger Einsprüche vom Umweltsenat als nicht umsetzbar klassifiziert.

Warum ging es letztlich doch weiter?

Die gesamte Region ist hinter meinen Plänen gestanden. Das Team war inzwischen auf rund 35 Mitarbeiter angewachsen. Nach vielen Treffen, zähen Verhandlungen und stetem Informationsaustausch konnte man schließlich den Entschluss fassen, weiteren Diskussionen über eine Fortführung des Projektes zuzustimmen.

Warum hat Dietrich Mateschitz diesem Neustart zugestimmt?

Ich erinnere mich an seine Aussage dazu sehr genau: „Wir können all die netten Leute in der Region doch nicht im Stich lassen, versuchen wir es auf eine andere, aber durchführbare Art der Planung“.

War Spielberg ein Herzensprojekt von Dietrich Mateschitz oder hat er damit vorrangig geschäftliche Interessen verfolgt? Der Ring ist ja ein hervorragendes Marketinginstrument.

Es war sein Herzensprojekt für eine Region und für den Motorsport, für die Aviation und für eine allgemeinbildende, technische und wirtschaftliche so wie mehrsprachige Ausbildung unserer Jugend. Leider ist vieles dieser Visionen dem negativen UVP-Bescheid aus dem Jahr 2004 zum Opfer gefallen.

Mateschitz hat unglaublich viel gekauft, ließ Objekte teilweise spektakulär renovieren, Stichworte Steirerschlössl und Wasserturm Zeltweg, G’schlössl Großlobming, Hofwirt Seckau und natürlich der Ring selbst. Welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Herr Mateschitz wollte immer die Region rund um die Motorsportstrecke und den Militärflughafen beleben. Dazu hat es Gastronomie, Hotellerie, Wanderwege, Radwege, schöne Häuser und vieles mehr gebraucht. Ein Fremdenverkehrsort ist mit einer Industrieregion jedoch nicht vergleichbar. Alles musste hergestellt, errichtet, renoviert oder neu gebaut werden. Und ich durfte Teil davon sein. Meine Aufgabe war die Projektentwicklung, der Kauf, die Ausrichtung und nicht zuletzt die Kontakte zum Chef zu halten. Es galt, für ihn die Wege zu den Behörden zu ebnen. Bauplanung, Bau und Renovierung organisierte die Bull Bau.

Stimmt es, dass sich laut ursprünglichen Plänen auch der Sender Servus-TV in Spielberg ansiedeln sollte?

Ja, auch darüber wurde gesprochen. 

Inwieweit ließ er Ihnen bei Ideen und Planungen freie Hand?

Eigentlich relativ großzügig, ich habe ihn aber stets informiert und in Ideen für die Zukunft involviert.

Welchen persönlichen Bezug hatte Dietrich Mateschitz zur Region um Spielberg? Hat er viel Zeit hier verbracht?

Herr Mateschitz war sehr oft in der Region und sein Bezug war die schöne Gegend, die vieles zu bieten hat. Auch wenige Tage vor seinem Tod war er noch hier. Er wollte den Menschen ein angenehmeres Leben bieten und Arbeitsplätze, auch für die Jugend, schaffen. Ausbildung und Arbeit sollten in derselben Region, sozusagen in der Heimat, möglich sein.

Sie kannten ihn besonders gut: Warum hat er die Öffentlichkeit so gescheut?

Er hat die politische beziehungsweise journalistische Öffentlichkeit unterschieden von Treffen und Gesprächen mit Menschen. Diese hat er nicht gescheut. Das waren oft auch Leute, die ihn kurzerhand irgendwo angesprochen haben oder Selfies mit ihm machen wollten. Und wenn jemand seine Hilfe gebraucht hat, hat er das oft ermöglicht.

Apropos Hilfe. Es wurden im Hintergrund oft Geschäftsleute mit guten Ideen, aber auch bedürftige Menschen im Raum Murtal mit Geld unterstützt. Alle hatten aber die Auflage, das nicht öffentlich zu kommunizieren. Warum?

Sie sprechen sicher unser Projekt Werkberg an. Mehrere tausend „Wünsche“ wurden erfüllt, mehrere hundert Projekte finanziert. Mehreren in Not geratenen Menschen wurde geholfen und ein sorgenfreieres Weiterleben ermöglicht. Er hat immer gesagt: „Helmut, wir wollen helfen, aber damit nicht in der Zeitung stehen.“ Auch wir Mitarbeiter haben uns daran gehalten.

Zur Person

Helmut Winkler (72) aus Spielberg war 23 Jahre lang Lehrer für Sport, Informatik und technische Werkerziehung am Abteigymnasium Seckau, ehe ihn Dietrich Mateschitz unter Vertrag nahm. Winkler ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Aus dem Archiv zum Todestag

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