„Ich bin sicher, diese Demos haben Dietrich Mateschitz umgestimmt“
Ende 2004 galt das Projekt Spielberg mit dem Red Bull Ring nach einem negativen Behördenbescheid als gescheitert. Doch die Region stellte sich auf die Beine.
Vor 20 Jahren, im Oktober 2004, war die Hoffnung noch groß. Dietrich Mateschitz hatte in die Rennstrecke in Spielberg investiert, wo sich 2003 die Formel 1 verabschiedet hatte. Mateschitz ließ gewaltige Umbaupläne entwerfen, erwähnte die Summe von 750 Millionen Euro, die verbaut werden sollten.
Negativer Bescheid
Aufgrund der euphorischen Grundstimmung kam es den meisten gar nicht in den Sinn, dass das Projekt scheitern könnte. Das Land Steiermark hatte für den Bau und Betrieb der Rennstrecke bereits die Bewilligung erteilt. Doch zwei Bürgerinitiativen und sieben Privatpersonen bekämpften diesen Bescheid. Zum Entsetzen der Befürworter hatte der inzwischen abgeschaffte Umweltsenat den Berufungen Anfang Dezember stattgegeben. Damit war das Projekt gescheitert, Mateschitz ließ schriftlich ausrichten, die Sache sei erledigt.
Ich habe vorher und nachher nicht annähernd etwas Ähnliches erlebt, die ganze Region ist für dieses Projekt aufgestanden.
— Josef Herk, Wirtschaftskammer-Präsident
„Zuerst hat diese große Euphorie geherrscht, dann nur noch grenzenlose Enttäuschung“, erinnert sich der steirische Wirtschaftskammerpräsident und Unternehmer Josef Herk aus Knittelfeld. Er war damals Chef der regionalen Wirtschaftskammer. Nach dem ersten Schock sei allerdings etwas Einzigartiges entstanden. „Ich habe vorher und nachher nicht annähernd etwas Ähnliches erlebt, die ganze Region ist für dieses Projekt aufgestanden“, so Herk. „Ob Touristiker, Wirte, Gewerbetreibende oder Bürgerinnen und Bürger: Alle haben gesagt, wir müssen etwas tun, wir nehmen diesen negativen Bescheid nicht hin.“
Drei Pro-Spielberg-Demos
Bei zahlreichen Zusammentreffen und hektischen Telefonaten seien Pläne geschmiedet worden, die in drei Demonstrationen auf dem Ringgelände, in Knittelfeld und bei der „Burg“ in Spielberg gipfelten. „Wir haben nur einen Wunsch!!! Das Projekt Spielberg“ stand auf einer überdimensionalen Weihnachtskarte an Dietrich Mateschitz, die Hunderte Anwesende bei einer Demo am Ring zwei Wochen vor Weihnachten unterzeichneten.
Josef Herk ist sich heute noch sicher: „Dieses starke Zeichen aus der Region war für Herrn Mateschitz ein wichtiger Faktor, sich nicht endgültig aus der Region zu verabschieden.“ Vor allem aber erzeugte die öffentliche Stimmung Druck auf die steirische Politik, eine Lösung zu finden – was letzten Endes mit komplizierten Konstruktionen gelungen ist. So wurde das Projekt Spielberg in verkleinerter Form wiederbelebt, sieben Jahre nach dem negativen Bescheid konnte der Red Bull Ring 2011 in Betrieb gehen. Was man bekommen habe, sei neben den großen und vielen kleinen Motorsport-Events eine „Infrastruktur von Weltrang“. Denn was meist nicht öffentlich sichtbar sei: Das Hauptgebäude sei ein wichtiges Zentrum für Tagungen und Konferenzen, sagt Josef Herk.
Für Josef Herk hat die damalige Entwicklung bis heute Symbolkraft: „Es war eine unpolitische Bewegung, eine Demonstration für und nicht gegen ein Projekt. Vielleicht kann man diesen Geist von damals dort und da wiederbeleben.“ Der Wirtschaftskammer-Präsident meint damit keine Demonstrationen, aber Ideen und Initiativen aus der Region, die „sicherstellen, dass wir auch die nächsten 20 Jahre bestmöglich von dieser Einrichtung profitieren“.
