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Der 3. Stich: Was wir zu Auffrischungsimpfungen wissen

Ist ein Antikörpertest vor einer dritten Impfung sinnvoll? Und wann sollte die Auffrischung nach der Grundimmunisierung erfolgen? Was wir wissen - und was nicht wissen - in Bezug auf eine dritte Dosis Covid-Impfstoff.

Die dritte Impfung soll in Österreich nur mit Biontech/Pfizer sowie Moderna verabreicht werden
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Die dritte Impfung soll in Österreich nur mit Biontech/Pfizer sowie Moderna verabreicht werden
Martina Marx
Redakteurin Steiermark-Ressort, Gesundheit

Am vergangenen Montag hat das Pharma-Unternehmen Biontech/Pfizer die Zulassung einer Auffrischungsimpfung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt. In Österreich wird ab Mitte Oktober mit den dritten Impfungen gestartet, am Dienstag wurde bekannt, dass diese ausschließlich mit den mRNA-Vakzinen von Biontech und Moderna durchgeführt werden. 

Doch was wissen wir in Bezug auf eine Notwendigkeit eines dritten Stichs? Wann sollte dieser erfolgen und wer sollte einen bekommen?

Wenige belastbare Daten 

"Wir haben noch wenige Erfahrungswerte in Bezug auf eine dritte Dosis", sagt Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Uniklinikum Linz. Studien mit belastbaren Daten zur Wirkung einer dritten Impfung sind noch nicht massenhaft vorhanden. Es ist aber bekannt, dass die Zahl der Antikörper mit der Zeit abnimmt. Bei jungen, immunkompetenten Menschen wird das eher langsamer der Falle sein. Mit dem Alter nimmt aber auch die Fitness des Immunsystems ab, aus diesem Grund nimmt auch die Schutzfähigkeit ab, die Antikörpertiter können bei älteren schneller sinken. 

Bis wir es besser wissen, spricht sehr viel dafür, mehr Schutz in Anspruch zu nehmen.

— Bernd Lamprecht

Man könne aber auch auf Erfahrungen mit anderen Impfstoffen setzen, sagt Lamprecht. "Auch bei der FSME-Impfung wird Menschen über 65 Jahren eine Auffrischung alle drei Jahre empfohlen, bei jüngeren sind fünf Jahre die Regel." Und Lamprecht fügt im Hinblick auf den Herbst und die vorherrschende Delta-Variante hinzu: "Bis wir es besser wissen, spricht sehr viel dafür, mehr Schutz in Anspruch zu nehmen. 

Booster-Impfung funktioniert grundsätzlich

Erste Daten speziell zu einer dritten Impfung gibt es aus einer Phase-1-Studie, die Biontech/Pfizer bei der FDA eingereicht hat. Laut dem Unternehmen hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer acht bis neun Monate nach der zweiten Dosis eine Auffrischungsimpfung erhalten. Im Vergleich zu einer zweifachen Impfung hätten bei den Menschen mit Auffrischungsimpfung "signifikant höhere neutralisierende Antikörpertiter" nachgewiesen werden können - sowohl gegen das ursprüngliche Virus als unter anderem auch gegen die Delta-Variante.

"Wir wissen, dass die Booster-Impfung grundsätzlich funktioniert", sagt auch Markus Zeitlinger, Vorstand der Universitätsklinik für klinische Pharmakologie der Medizin-Uni Wien. Was aber immer noch unklar ist, ist das Schutzkorrelat - also jener Wert, von dem sicher ausgegangen werden kann, dass man gegen Sars-CoV-2 geschützt ist. Aus diesem Grund sieht Zeitlinger wenig Sinn darin, einen dritten Stich an einen Test zu knüpfen, der die neutralisierenden Antikörper bestimmt. "Diesen sehe ich nur bei immungeschwächten Personen, etwa bei Menschen, die eine Organtransplantation hinter sich haben, für angezeigt." 

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Klinische Notwendigkeit nicht abschließend geklärt

"Natürlich darf man auch die zelluläre Immunität, also die T-Zellen, nicht außen vor lassen", erklärt Lamprecht. Aber vor allem die steigenden Fallzahlen in Israel würden zeigen, dass der Schutz mit der Zeit in der Tat abnehme. Die klinische Notwendigkeit einer dritten Dosis ist laut Zeitlinger nicht abschließend geklärt. So hat etwa eine Forscher-Team, dem auch der Steirer Florian Krammer angehört, Belege dafür gefunden, dass mRNA-Vakzine eine starke und auch langanhaltende Immunreaktion auslösen und demnach Auffrischungsimpfungen möglicherweise über Jahre nicht notwendig sein könnten. 

Vor allem bei jungen, immunkompeteten Menschen, also bei Personen, deren Immunsystem sehr gut arbeitet, sei das durchaus möglich, sagt Zeitlinger. Doch für ältere Menschen, Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sowie immunsuprimierte Personen, sei ein Booster auch nach aktuellem Wissensstand durchaus sinnvoll, so Zeitlinger. 

Wer wann in Österreich einen dritten Stich erhält

Diese Personen werden auch bei der "dritten Impfrunde" in Österreich priorisiert behandelt, wie am Dienstag bekannt wurde. Das nationale Impfgremium hat drei Gruppen definiert: Als erstes erhalten sollen die Auffrischung Seniorinnen und Senioren, Personen mit Vorerkrankungen wie Krebs oder Herzschwäche sowie alle mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson Geimpften. Sie sollen die "dritte Dosis" sechs bis neun Monate nach der ersten Vollimmunisierung erhalten. Danach sollen alle Erwachsenen folgen, die bereits mit Pfizer oder Moderna geimpft wurden. Hier soll der "dritte Stich" neun bis zwölf Monate nach der Vollimmunisierung erfolgen. 

Zeitlinger gibt aber auch zu bedenken: Der Effekt auf das Infektionsgeschehen in Österreich wäre größer, würden sich zehn Prozent mehr Personen impfen lassen, die noch nicht geimpft wurden, als zehn Prozent jener Personen, die schon grundimmunisiert sind."

Kinder & Jugendliche

Für die dritte Gruppe der 12- bis 18-Jährigen wird vonseiten des nationalen Impfgremiums vorerst noch keine Auffrischung empfohlen. Hier ist die Impfung aber ohnehin erst Ende Mai angelaufen.