"Zwangssparen"Österreicher haben durch Corona so viel Geld wie nie

Die spärlicheren Möglichkeiten in der Pandemie Geld auszugeben sorgen für einen enormen Aufbau des Geldvermögens in Österreich. Mit 799 Milliarden Euro wurde Ende Juni ein Rekordhoch erreicht. Jetzt wird auch mehr an der Börse angelegt.

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© APA/HANS PUNZ
 

Teilweise geschlossene Geschäfte oder Gastronomiebetriebe und extrem eingeschränkte Reisemöglichkeiten haben das Geldvermögen der österreichischen Haushalte auf ein Rekordniveau anschwellen lassen. Lag es Ende 2019 bei 742 Milliarden Euro, waren es nur eineinhalb Jahre später 37 Milliarden Euro mehr. Im Schnitt legten die Menschen im Vorjahr 14,4 Prozent ihres Einkommens auf die hohe Kante. Diese Zahlen veröffentlichte am Donnerstag die Oesterreichische Nationalbank (OeNB).

OeNB-Statistik-Chef Johannes Turner betont allerdings ausdrücklich, dass die Pandemie auch viele Haushalte finanziell massiv getroffen habe. Die Rekorde seien auf Zwangssparen zurückzuführen. "Wenn die Pandemie vorbei ist, erwarten wir Sparquoten von zehn bis elf Prozent", so Turner. Ursprünglich war sogar mit einem Rückgang auf acht Prozent gerechnet worden. Allerdings bremsen derzeit die Lieferketten-Probleme den Konsum. 

Johannes Turner
Johannes Turner Foto © Fotodienst/KK

Durchschnittlich 275 Euro hatten Haushalte 2020 am Monatsende mehr übrig als 2019. Ein großer Teil davon sorgte im Vorjahr für den Rekordschub bei den Geldvermögen: Auf 28,5 Milliarden Euro belief sich die in nur zwölf Monaten augebaute Summe. Im Vergleich zu 2029 war das ein Plus von 70 Prozent. "Das Geld geht natürlich nicht eins zu eins auf Sparbücher," so Turner. Aktien und Investmentzertifikate waren erstmals richtig gefragt. Immerhin flossen 6,5 Milliarden an die Börsen.

Die wichtigste Anlagekategorie bleibt die täglich fällige Einlage: 21 Milliarden Euro wurden 2020 so geparkt. Hier sieht Turner derzeit einen großen Umschichtungsprozess weg von zeitlich gebundenen Einlagen. Angesichts der realen Minuszinsen sei nun Liquidität, die sofortige Verfügbarkeit des Geldes gefragt. Wie viel Vermögen der Sparer durch die Nullzinsen und die derzeit hohe Inflation sozusagen vernichtet wird, dazu gibt es von der OeNB keine Berechnungen. Angesichts der enormen Vermögen geht es Schätzungen zufolge um zweistellige Milliardenbeträge. Die Verschuldung änderte sich übrigens während der Pandemie kaum.   

Trend zu Aktien weiter stark

Der Trend zu Aktien und Investmentzertifikaten setzte sich im ersten Halbjahr 2021 so stark fort, dass sich die Veranlagungen in Aktien & Co und der Zufluss zu den Tageseinlagen inzwischen fast die Waage halten. Turner räumt ein, dass man derzeit nicht einschätzen kann, ob das ein langfristiger Effekt ist oder dieses Anlageverhalten auch auf die Pandemie zurückzuführen ist. "Die Gründe, in Aktien zu investieren, sind vielschichtig", sagt der OeNB-Experte. Das Zinsumfeld und die Werbemaßnahmen der Banken seien nur zwei von vielen Faktoren.

Wer übrigens die starken Kurseinbrüche zu Beginn der Pandemie für einen Einstieg in die Welt der Aktien nutzte, hatte zum Stichtag Ende Juni 2021 richtig gut verdient. Netto seien in dieser Zeit elf Milliarden Euro an Kursgewinnen erzielt worden. Turner: "Da konnten Haushalte hohe Gewinne mitnehmen." Inzwischen halten 13 Prozent der Österreicher Aktien oder ähnliche Wertpapiere. 

Kommentare (14)
Schagowetz
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Wer

....hat dann mein Geld? #
ich hab eben nachgeschaut in meiner Geldbörse, ich kann es nicht finden....

maka_
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Ja...

Kann ich bestätigen, war fast durchgehend im Homeoffice und jetzt immer noch 3 Tage/Woche. Nicht mehr täglich im Gasthaus Mittagessen (habe während Corona/Homeoffice selbst gekocht, koche jetzt vor), 1 Jahr lang kein neues Gewand für die Arbeit, fast keine Kosten für Öffis/Auto, nicht mehr täglich im Kaffeehaus/Biergarten (war ich seit Coronabeginn nur 3 Mal und werde weiter nur noch selten gehen), keine Urlaube (im Garten ist es auch schön erholsam), keine teuren Ausflüge. Und eigentlich geht mir das alles gar nicht ab. Freunde trifft man Zuhause, ohne Sperrstunde und ohne Rauchverbot und das Bier ist auch billiger!

crawler
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So viel Geld wie nie haben nur jene,

deren Konto sich auch ohne Arbeit automatisch vermehrt.

ARadkohl
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Die Geldschwemme der EZB ist ja da.

Irgend jemand muss das Geld haben. Der normale Hackler sicher nicht.

Geom38
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Ist das so.....

Schätze mal, davon haben viele in diesem Land noch nichts bemerkt.

Kulak
6
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Mehr Geld, weniger Kaufkraft

Der Wert der Euro-Lira nimmt rasant ab. Das Geld zerrinnt einem buchstäblich zwischen den Fingern.

So schaut Draghis "whatever it takes" -Eurorettung in der Praxis aus.

Luxi100761
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Rekordhoch.

Da muss sofort eine neue Steuer her.

isogs
3
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Naja

Aber es ist nicht richtig verteilt...

wiwo64
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Und deshalb brauchen wir ja jetzt eine ordentliche Preissteigerung (Inflation)

damit der "kleine Mann" nur ja nicht zu reich wird und sich die "großen Fische" weiterhin an Aktienspekulationen und verschiedensten Investments bereichern können. Tolltolltoll (:-(((

microfib
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Inflation

Wirklich viel Ahnung haben Sie nicht. Glauben Sie, da sitzt jemand und dreht an den Preisen. Nach wie vor gilt das Prinzip des Angebot und Nachfrage, wenn Sie auf Eby zehn Bieter statt zwei haben, wird der Arikel aller warscheinlichkeit nach einen höheren Preis erzielen. So ist es auch jetzt, da gibt es mehr Geld und zu wenig Waren auf dem Markt. Was die Folge ist, das die Arbeitslosigkeit stark sinkt, da man mit der Produktion nicht nachkommt. Das Gegenteil wäre eine Deflation, wo ein Überschuss an Waren bestät, aber die menschen kein Geld haben, die Folge: Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten, zusammbruch dr Wirtschaft.
Der junge "kleine Mann" investiert und handelt schon lange mit Aktien, vor allem viele junge investieren in Aktien, speziell jetzt über das Handy kein Problem, sich nebenbei Kapital aufzubauen. Mit ein bischen know how, kann man auch mit kleinen Beträgen recht gut verdienen. (Auch der "kleine Mann")

selbstdenker70
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..

Uiuiui....sorry, aber viel Ahnung hast du aber auch nicht davon. Die Preissteigerung ist nur eine Schraube im Bereich der Inflation und das sichtbare Resultat für jedermann. Der Rest entsteht ganz ganz tief im Finanzwesen.

Hazel15
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Österreicher haben durch Corona .....

Fehlt nur der Zusatz "Österreichs Unternehmer", über die das Geld im Gieskannenprinzip gegossen wurde. Firmen, die trotz guter Auftragslage (kenne ich pers. einige, davon) in Kurzarbeit gingen, Arbeiter trotz genug Arbeit zu hause bleiben mußten, um nicht zu viel Stunden zu machen, Einzelunternehmer einen Tag in der Woche deswegen zusperrten... Firmen, die geradeso durch kamen, oh Wunder Geld hatten für zu- und umbauten usw.. Nun, irgendwie sind die enormen Schulden die Österreich (europaweit die meisten) machte, auch zu erklären sein.

Stratusin
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Es wird gerade richtig viel investiert bei den Firmen,

obwohl sie alle gerade so überleben konnten. :) Noch mehr investieren die Firmeninhaber in ihrem Eigeheim. Und das in der Krise. Ich hab mir eine Krise immer anders vorgestellt gehabt.

DukeNude
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...

... oder in Kurzarbeit waren und trotzdem (im HomeOffice) gearbeitet haben