Wirtschaft auf Vor-Krisen-NiveauStaatliche Hilfen genommen, aber teils gar nicht gebraucht

Laut einer aktuellen Erhebung des Kreditschutzverbandes KSV 1870 befindet sich die heimische Wirtschaft wieder auf Vor-Krisen-Niveau. Wie auch schon im Jahr zuvor hat sich die Zahlungsmoral verbessert.

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Laut KSV hätten einige Unternehmen, welche die staatlichen Hilfen in Anspruch genommen haben, diese gar nicht gebraucht © M.Dörr & M.Frommherz - stock.ado
 

Laut einer aktuellen Erhebung des Kreditschutzverbandes KSV1870 befindet sich die heimische Wirtschaft wieder auf Vor-Krisen-Niveau. Zwei Drittel, der in der Erhebung befragten heimischen Unternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftslage mit sehr gut bzw. gut. Auch die Zahlungsmoral in Österreich habe sich trotz Coronakrise 2021 verbessert, erklärte Ricardo-José Vybiral, Chef des Kreditschutzverbandes KSV1870, am Mittwoch bei einer Online-Pressekonferenz.

Drei von vier Betrieben gaben zudem an, bereits einen wirtschaftlichen Aufschwung im Tagesgeschäft zu spüren. Allerdings erkennt nur rund ein Drittel eine sehr bzw. eher starke Entwicklung, hier gibt es laut Vybiral noch "Luft nach oben". Der Großteil der heimischen Unternehmen bleibt aber optimistisch: Laut Umfrage gehen 63 Prozent davon aus, das laufende Geschäftsjahr mit einem Gewinn abzuschließen, 20 Prozent erwarten eine "schwarze Null".

Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der befragten Unternehmen gab an, im heurigen Jahr zu investieren. 43 Prozent taten dies wie geplant, 14 Prozent in reduziertem Umfang. "Bei den 57 Prozent hat sicher auch die Investitionsprämie durchgeschlagen", erklärte Vybiral. Trotzdem sei es auch mit Blick auf 2022 notwendig, Investitionen stärker voranzutreiben, betonte er.

Die Erhebung zeigte ebenfalls, dass mehr als die Hälfte (54 Prozent) der heimischen Unternehmen auf staatliche Unterstützungsmaßnahmen vertraut hat, um die Pandemie zu meistern - oftmals auch dann, wenn gar keine finanzielle Dringlichkeit bestand. So hätte laut dem KSV-Chef jedes dritte Unternehmen, dass staatliche Hilfen in Anspruch genommen hat, diese gar nicht gebraucht.

Musterschüler in puncto Zahlungsmoral

Wie auch bereits im Jahr zuvor hat sich laut KSV1870 auch die Zahlungsmoral in Österreich verbessert. Zuletzt wurden rund 77 Prozent der offenen Forderungen beglichen, heuer waren es 87 Prozent. Auffallend sei, dass sowohl Firmen als auch Privatpersonen dieses hohe Niveau trotz der coronabedingt instabilen Wirtschaftslage halten konnten. Private seien laut Walter Koch, Chef des KSV Forderungsmanagements, die "absoluten Musterschüler" in puncto Zahlungsmoral. Mit nur einer von 10 unbeglichenen Rechnungen befinde sich das Zahlungsmoral-Niveau der Privaten in diesem Jahr auf einem Spitzenwert.

Einzig der Bund fällt auch heuer wieder aus der Reihe. Denn obwohl sich die Zahlungsdauer der Bundesbehörden heuer um 16 Tage gegenüber 2020 verbessert habe und sie damit ihre Rechnungen im Durchschnitt innerhalb von 33 Tagen begleichen, liegt die öffentliche Hand weiterhin über dem gesetzlich festgelegten Zahlungsziel von 30 Tagen. Der Bund sei damit laut Koch "immer noch nicht dort, wo er als Vorbild sein sollte".

Mit Blick auf die Insolvenzen erklärte Vybiral: "Wir sehen, dass sie weiterhin steigen, vor allem im Osten Österreichs. Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Ende des Jahres, bzw. mit Anfang nächsten Jahres, wieder in Richtung des Niveaus von 2019 kommen werden." Einen "Insolvenz-Tsunami" erwarte er allerdings nicht.

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