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Sorge vor KonjunktureinbruchWie Notenbanken in der Virus-Krise helfen könnten

Angst vor Konjunktureinbruch sorgt für verstärkte Maßnahmen-Forderungen an Notenbanken. Doch welche Möglichkeiten haben EZB, FED & Co. überhaupt noch? Ein Überblick.

EZB-Zentrale in Frankfurt
EZB-Zentrale in Frankfurt © AP/Michael Probst
 

Können die Notenbanken in der Viruskrise helfen? Die Furcht vor einem heftigen Konjunktureinbruch und schwere Kursverluste an den Börsen führen dazu, dass die Währungshüter in Europa, den USA oder Japan verstärkt dieser Forderung ausgesetzt sind.

Zwar können Fed, EZB & Co. wenig tun, wenn es zu Ausfällen in der Produktion kommt, weil etwa Vorprodukte aus China verzögert ankommen und damit in Europa die Bänder stillstehen. Und auch die Regierungen der einzelnen Ländern wären gefragt, staatliche Ausgaben zu erhöhen, um die Wirtschaft im Gang zu halten. Ohne Instrumente wären aber auch Zentralbanken nicht. Dabei haben sie allerdings ungleiche Startbedingungen. Ein Überblick.

FEDERAL RESERVE IN DEN USA

Die US-Notenbank hat bereits 2019 drei Mal ihre Leitzinsen gesenkt. Inzwischen liegt der Satz in einer Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Damit haben die Dollarwächter noch Spielraum, um mit weiteren Kappungen die Kreditaufnahme für Verbraucher und Firmen attraktiver zu machen. Der Kreditfluss würde angekurbelt, Unternehmen würden sich in der unsicheren Lage doch für den Kauf neuer Maschinen entscheiden und Privatleute für einen neuen Kühlschrank oder ein Auto. Damit hielten sie die Wirtschaft am Laufen - so das Kalkül. Das würde auch die Aktienmärkte beruhigen. Das ist in den USA besonders wichtig, weil viele Amerikaner ihr Erspartes dort als Alterssicherung anlegen. Diese Menschen nicht zu enttäuschen, dürfte auch US-Präsident Donald Trump wichtig sein, der im November wiedergewählt werden möchte.

Fed-Chef Jerome Powell hat bereits klar gemacht, dass die Notenbank die Entwicklungen genau verfolgt: "Wir werden unsere Instrumente nutzen und angemessen handeln, um die Wirtschaft zu unterstützen", sagte er am Freitag. Trump hatte Powell schon weit vor der Virus-Krise wiederholt scharf angegriffen und erklärt, die Notenbank hätte längst die Zinsen weiter senken und damit dem US-Aktienmarkt kräftigen Auftrieb geben sollen. Allerdings ist der jüngste Kurs-Einbruch auch relativ. Trotz der Einbußen etwa beim Dow Jones vergangene Woche liegt der Index nur unwesentlich tiefer als etwa Mitte August.

Inzwischen rechnen Börsianer fest damit, dass die Fed auf ihrer Zinssitzung Mitte März ihre Leitzinsen ein weiteres Mal senkt. Viele Experten erwarten dann eine Herabsetzung um 0,25 Prozentpunkte, gefolgt von einer weiteren Kappung in diesem Umfang im April. Manche halten es auch für denkbar, dass die Fed noch früher handelt.

EUROPÄISCHE ZENTRALBANK (EZB)

Anders als die Fed hat die EZB bei den Zinsen nicht mehr viel Spielraum. Ihr Leitzins liegt bereits auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Eine Kappung auf unter null wird von den meisten Experten ausgeschlossen. Darüber hinaus müssen Banken bereits seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Gelder parken. Damit soll der Druck auf die Geldhäuser steigen, dass Geld in Form von Krediten auszugeben und damit die Wirtschaft zu unterstützen. Im September hatte die EZB diesen "Einlagensatz" genannten Strafzins verschärft. Er beträgt jetzt minus 0,5 Prozent. Investoren am Geldmarkt rechnen fest damit, dass die Daumenschrauben hier nochmals angezogen werden - auf minus 0,6 Prozent bei der EZB-Sitzung im April.

Auch könnte die EZB spezielle Liquiditätsspritzen für Unternehmen aufziehen, um Finanzierungsengpässe zu verhindern. Sie hat bereits zielgerichtete Langfristkredite (TLTRO) für Banken aufgelegt und könnte dies auch für Firmen zuschneiden. Das könnte Firmen aus besonders betroffenen Branchen zu Gute kommen, etwa der Luftfahrt oder dem Automobilbau. Auch eine Aufstockung der EZB-Käufe von Unternehmensanleihen ist denkbar. Damit könnten sich Firmen zu einem Zinssatz verschulden, der sie nicht noch weiter in Bedrängnis bringt.

Direkte Geldspritzen an alle Bürger - in der Fachwelt "Helikoptergeld" genannt - gelten indes nur als letztes Mittel. Das Bild vom Geld, das aus dem Hubschrauber abgeworfen wird, stammt vom berühmten US-Wissenschaftler Milton Friedman aus dem Jahr 1969. Der Grundgedanke dahinter ist, dass die Bürger sofort Geld haben und ausgeben und damit Konjunktur und Inflation anschieben. Manche Experten bezweifeln aber, dass dies mit den EU-Verträgen vereinbar ist. Andere indes hatten schon in der Vergangenheit gefordert, die EZB sollte auch solche ungewöhnlichen Strategien in der Hinterhand haben. Die Summen, um die es dabei ginge, wären immens: Erhielte jeder der rund 340 Millionen Einwohner im Währungsraum 1000 Euro, wären das theoretisch 340 Milliarden Euro an zusätzlicher Kaufkraft.

BANK VON ENGLAND

Die Bank von England hatte zuletzt auf ihrer Zinssitzung Ende Jänner die Füße still gehalten. Der Schlüsselzins in Großbritannien liegt derzeit bei 0,75 Prozent und könnte entsprechend noch weiter gesenkt werden. Die Notenbank teilte Montag mit, sie arbeite eng mit dem Finanzministerium, der Finanzaufsicht und den internationalen Partnern zum Schutz der Finanz- und Währungsstabilität zusammen. Einige Volkswirte erwarten, dass die Pfund-Wächter als Antwort auf die Virus-Krise den Satz auf 0,5 Prozent herabsetzen werden. Denkbar sei, dass ein solcher Schritt noch vor der nächsten Zinsentscheidung am 26. März komme.

BANK VON JAPAN

Die japanische Notenbank (BoJ) hält es ebenso wie die Fed in den USA. Man werde im Fall der Fälle die notwendigen Schritte gehen, um die Märkte zu stabilisieren, sagte BoJ-Chef Haruhiko Kuroda am Montag nach einer Notfall-Sitzung. Anfang Februar war aus der Notenbank zu hören gewesen, man schließe auch schärfere Negativzinsen nicht aus. Die Yen-Wächter haben derzeit ein kurzfristiges Zinsziel von minus 0,1 Prozent und wollen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen bei rund null Prozent halten. Viel Spielraum nach unten hat die BoJ aber nicht mehr.

Da Kuroda sich inhaltlich ebenso äußerte wie Fed-Chef Powell am Freitag, gehen manche Marktteilnehmer davon aus, dass sich die großen Notenbanken bei ihren Schritten abstimmen könnten. Das wäre psychologisch von Vorteil, weil klar wäre, dass alle Seiten an einem Strang ziehen. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire befeuerte dies am Montag mit den Worten, unter den großen Industriestaaten (G7) werde es eine "konzertierte Aktion" geben. EZB-Vize Luis des Guindos bestätigte Gespräche zwischen den großen Notenbanken.

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