14 Mal pro Woche ist es so weit: Jeweils vier Kühe am Pichlbauerhof in Hönigsberg kommen nach der Reihe in den Melkstand. Jungbauer Manfred Rinnhofer spritzt ihre Euter mit Wasser ab, bevor er die Melkbecher über die Zitzen stülpt. Mit einem brummenden Pumpgeräusch setzt sich die Melkmaschine in Bewegung. Und schon fließt die Milch über schwarze Schläuche in einen Kühltank. Nach einer Stunde sind alle 16 Milchkühe fertig gemolken. Pro Kuh fallen morgens und abends jeweils 15 Liter Milch an. Die Hälfte davon wird einmal am Tag von der Obersteirischen Molkerei abgeholt, die andere Hälfte verarbeiten Rinnhofer und seine Frau Sabine, mit der er den Hof 2015 von seinen Eltern übernommen hat, selbst weiter.

"Außer unser Naturjoghurt verarbeiten wir alles aus frischer Rohmilch, in der noch alle Inhaltsstoffe vorhanden sind", erklärt die gelernte Altenpflegerin, die nach der Geburt ihrer drei Kinder nicht mehr in ihren Beruf zurück wollte. Vom Melkstand wird die Milch direkt in die hofeigenen Molkerei gepumpt und angesäuert. Die Nachfrage bei der Sauerrahmbutter sowie Voll- und Magermilchtopfen ist am höchsten, aber auch Frischkäse und Naturjoghurt werden gern gekauft. Die Produkte verkaufen die Jungbauern alle 14 Tage frisch in Pichi's Hofladen, den sie im September 2019 direkt neben ihrem Stall eröffnet haben. Auch selbstgebackenes Brot, Aufstriche und Wurst- und Fleischprodukte von Geselchtem über Sulz bis zur Leberpastete stehen zum Verkauf.

Manfred und Sabine Rinnhofer sind stolz auf ihren Hofladen, in dem sie mittlerweile zwei Angestellte zur Unterstützung haben
Manfred und Sabine Rinnhofer sind stolz auf ihren Hofladen, in dem sie mittlerweile zwei Angestellte zur Unterstützung haben
© Nicole Friesenbichler

Neben Schweinen, die die Rinnhofers selbst schlachten und von Nose to Tail verarbeiten, leben am Bauernhof auch Hühner, Zwerghasen und seit Ostern ein Pferd. Vier Generationen wohnen zusammen, alle helfen mit - sogar die 92-jährige Uroma. Zu tun gibt es genug: Waren es zu Beginn 60 Kunden pro Öffnungswoche im Hofladen, sind es mittlerweile 200 - hauptsächlich aus der Region, aber auch aus Wien. "Letztens waren sogar Hamburger da", lacht Sabine Rinnhofer. Zwei Angestellte greifen ihr beim Verpacken und im Verkauf unter die Arme.

Bauernhof ist mehr als Firma

Ihr Mann ist gelernter Zimmermann, wollte aber immer schon Bauer werden. Seine Eltern führten den Hof im Nebenerwerb, für ihn und seine Frau stand jedoch fest: Sie wollen rein vom Hof leben. Ohne die starke Direktvermarktung, auf die neben ihnen nur eine Handvoll Bauern im Bezirk setzt, würde sich das nicht ausgehen. Generell hat sich die Zahl der Milchbauern im Mürztal seit 2008 um 34 Prozent auf weniger als 300 reduziert. Für die Rinnhofers ist die Landwirtschaft Leidenschaft. "Man darf es nie nur als Firma sehen", sind sie überzeugt. Auch Work-Life-Balance sei wichtig, einmal im Jahr nehmen sie sich Zeit für Urlaub.

In den Umbau des Hofs, inklusive neuem Kompoststall für die Rinder, und den im alten Schweinestall errichteten Hofladen, investierten die Rinnhofers insgesamt 400.000 Euro. Auf die alternative, aufs Tierwohl setzende Stall-Idee stieß Manfred Rinnhofer auf Youtube. Jede Kuh hat zehn statt vier Quadratmeter Platz, der Stall ist offen statt niedrig und dunkel. "Wenn wir uns im Stall nicht wohlfühlen, tun es die Kühe auch nicht."

Die Zwillinge Lisa und Laurenz sowie ihre große Schwester Annalena haben viel Freude mit dem jüngsten Hofbewohner: Pferd Tiffany
Die Zwillinge Lisa und Laurenz sowie ihre große Schwester Annalena haben viel Freude mit dem jüngsten Hofbewohner: Pferd Tiffany
© Nicole Friesenbichler

Dem Preisdruck ein Ende setzen

Was den stagnierenden Milchpreis betrifft, sehen die Jungbauern dringend Handlungsbedarf. Sie sind im Arbeitskreis Milchproduktion und haben errechnet, dass sie letztes Jahr mit ihrem Betrieb 50 Cent pro Liter Milch gebraucht hätten, von der Molkerei bekommen haben sie aber nur 43 Cent. "Ich würde mir wünschen, dass sich das System umdreht und wir nicht mehr die letzten in der Kette sind", erklärt Manfred Rinnhofer. Momentan laufe es so, dass es zuerst den Konsumentenpreis gäbe, dann verdiene der Handel und die Molkerei und das, was übrig bleibe, bekämen die Bauern. Der 42-Jährige fordert ein Umdenken: "Ich als Milchproduzent muss zur Molkerei sagen können: Ich bekomme heuer etwa 55-60 Cent pro Liter Milch, dann kommt der Rest. Wenn wir das erreichen, würde sich niemand mehr abrackern und mehr Betriebe könnten erhalten bleiben."