Ghazal Ashrafian liebt Farben. Dafür reicht ein Blick auf ihren Instagram-Account, auf dem die aus dem Iran stammende Künstlerin immer wieder ihre Kunstwerke präsentiert. Nicht weniger farbenfroh geht es in ihren tatsächlichen Ausstellungen zu. Erst kürzlich wurde ihre Gemäldesammlung "Frauen, Lieben, Freiheit" in der Grazer Galerie "Querort" ausgestellt.

Zufällig gewählt ist der Name der Serie nicht, in Anlehnung an den Slogan "Frauen, Leben, Freiheit" möchte sie damit auf die aktuellen Protestbewegungen in ihrem Heimatland anspielen: "Ich denke immer an die Freiheit meines Landes und an die Frauen, die den Gesetzen der islamischen Regierung unterworfen sind", so Ashrafian.

"Frauen, Lieben, Freiheit"

Ihre Gemäldeserie, an der sie zwischen 2019 und 2021 gearbeitet hat, umfasst vierzig Bilder. Fast alle zeigen Frauen. "In meinen Bildern habe ich die echten Frauen meines Landes gezeichnet. Glückliche und tanzende Frauen", erzählt die Künstlerin, die seit 2015 in Graz lebt, im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Deswegen würden ihre Bilder von Frauen handeln, die das Leben lieben –nicht von solchen, wie die Islamische Republik Iran sie haben wolle. In ihren Arbeiten erforsche sie die Symbolik der "echten" Frauen im Iran: "Eine Frau ist das Konzept des Glücks im Leben und ich zeige dies in der Kombination von Gedichten alter iranischer Lieder in meinen Bildern."

Ghazal Ashrafian und ihre Kunstwerke
Ghazal Ashrafian und ihre Kunstwerke
© Mo. Hajilo

Die Idee zu der Gemäldeserie kam ihr vor vier Jahren, als sie gerade in Karenz ist. Seit sie mit ihrer Familie nach Österreich gekommen ist, habe sie die Unterschiede im Umgang mit Frauen in verschiedenen Ländern mental stark beschäftigt. Das drücke sie nun durch ihre Kunst aus.

"Eine Frau in Teheran"

Besonders stolz ist die Grazer Künstlerin, die seit über 25 Jahren malt, auf ein Gemälde mit dem Titel "Eine Frau in Teheran". Darauf zu sehen ist eine Frau mit langen schwarzen Haaren, ihr Rock symbolisiert die Kacheln und Fliesen iranischer Tempel. "In ihrer Hand ist der Vogel der Freiheit", so Ashrafian. "Eine Reihe von Fischen, die am Himmel schweben: Ein Symbol für freiheitsliebende Frauen." Das stehe in Einklang mit dem, was Mahsa Amini widerfahren ist, erklärt die Künstlerin. Daher habe sie ihrer Sammlung auch den Titel "Frauen, Lieben, Freiheit" gegeben. 

Ihre Familie und Freunde im Iran beteiligen sich ebenfalls an den Protesten im Land und kämpfen für ihre Freiheit: "Aber wir hören auch immer wieder von jenen, die verletzt werden oder ihr Leben verlieren, das ist sehr traurig und beängstigend." 

Auf die Frage hin, was sie sich für die Zukunft ihres Heimatlandes wünsche, kämpft die Iranerin mit den Tränen. "Meine Bilder sind ein Zeichen meiner Träume", sagt sie. "Ich wünsche mir Freiheit für den iranischen Boden, das iranische Volk, die iranischen Frauen, Freiheit in der iranischen Luft – Demokratie und Freiheit." Von der internationalen Gemeinschaft fordert sie, die Menschen im Iran zu unterstützen.