PorträtWerner Kogler: "Es erschüttert mich nichts mehr!"

Wer erdet den Vizekanzler? Miriam, die Tochter seiner Lebenspartnerin, ist einer der großen Ankerpunkte von Werner Kogler. Ein weihnachtliches Treffen mit dem grünen Urgestein und seiner Patch-Work-Familie in Graz.

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Vizekanzler Werner Kogler mit Miriam und Sabine Jungwirth
Vizekanzler Werner Kogler mit Miriam und Sabine Jungwirth © (c) Juergen Fuchs (FUCHS Juergen)
 

Sie ist, sagt er, Sonne und Erdung zugleich. Klingt nach ein wenig Pathos, ist aber eher eine nüchterne Analyse. Miriam, 24 Jahre alt und eines jener Kinder, die das 21. Chromosom dreimal hat, nickt begeistert und lacht herzhaft, wenn er erzählt, dass sie vor einigen Tagen heimlich gekocht hat. Oder wenn er sie Minuten später als „Spaziergangverweigerin“ bezeichnet. „Ich mag keine Spaziergänge, ich tanze lieber“, erzählt sie.

Ein Mädchen, das mit ihrer Lebenslust, Lebenskraft und Unbekümmertheit vieles relativiert. Nicht nur im Leben des Werner Kogler mit 14- bis 16-Stunden-Tagen, Delta- und Omikron-Krisenstäben, der Atemlosigkeit des Politikbetriebes. Es relativiert vieles auch bei jenen, die immer noch ein verzerrt falsches Bild von Menschen mit Down-Syndrom haben. Da werde, klagen Mütter, die Diagnose oft wie ein Todesurteil mit der unausgesprochenen Erwartungshaltung überbracht, das Kind nicht zu bekommen. „Verschwommene Gedankenlosigkeit“ hat Tobias Moretti, ein Kämpfer für das Lebensrecht von ungeborenem behinderten Leben, einmal Umgang und Einstellung gegenüber Behinderten bezeichnet. Das größte Manko der Gesellschaft sei, meine betroffenen Mütter, das Anderssein nicht verstehen zu können.

Sabine Jungwirth, Lebenspartnerin von Werner Kogler und Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft, kennt diese Geschichten mit all ihren Schattierungen. Sie selbst wusste bis zur Geburt nicht, dass bei ihrem dritten Kind das 21. Chromosom dreifach vorhanden sein wird. Nach der Hausgeburt wurde ihr im Spital verschnörkelt die Diagnose erklärt. „Ganz gleich wie sich Eltern entscheiden, es ist immer ein Zaudern und Zerrissensein. Arg ist aber, wenn auf Eltern Druck ausgeübt wird, weil geglaubt wird, diese Menschen hätten keinen Wert für die Gesellschaft. Ich habe vieles von Miriam gelernt, ich habe gelernt, geduldig zu werden, einen Gang zurückzuschalten.“ Miriam hört zu und wirft energisch ein, dass die Mutter bei der Übertragung von Nationalratssitzungen sich oft so ärgert, dass sie „ausflippen kann“. „Kochprinzessin“, ruft Werner Kogler Miriam zu.

Die 24-Jährige ist einer der Ankerpunkte in seinem Leben. „Sie hat eine sonnige Ausstrahlung. Da kommt man herunter“, sagt er. Wie am 24. Dezember, wenn er zu Mittag für Licht ins Dunkel im ORF telefoniert, um dann am frühen Abend nach Graz zu kommen.

Ein Leben auf einer Hochschaubahn mit Vollbremsung, wenn er mit Miriam in der Küche über die Zusammensetzung des Sugos diskutiert. Er kennt zwar Kochbücher und von früher auch viele Kochsendungen fast auswendig, aber kochen kann er dennoch nicht. Sabine Jungwirth korrigiert: „Mittlerweile kann er Risotto und Sugo.“

Wie er den Dauerstress seit Ausbruch der Pandemie bewältigt? Er wehrt ab. „Nicht erst seit der Pandemie, die Rüttelstrecke hat bereits 2017 begonnen, als wir aus dem Parlament geworfen wurden und Millionenschulden umverteilen und zurückzahlen mussten. Insofern erschüttert mich nichts mehr.“

Im Gegensatz zu Rudolf Anschober dürfte er die nötige Elefantenhaut und Gelassenheit haben, um den Covid-Krisenmodus durchzuhalten. Er würde viel mit Humor und Schmäh bewältigen, meinen seine Mitstreiter. Er lächelt amüsiert: „Ja, sagt man.“ Miriam nickt: „Schmäh hat er viel.“
Wie viel Politik im Haus Kogler und Jungwirth zugelassen ist? „Natürlich reden wir über Politik, aber weniger als man glaubt. Es gibt auch noch ein anderes Leben“, sagt Sabine Jungwirth. „Faultag“ wirft Miriam ein. Eines ihrer Lieblingsworte für die Weihnachtsfeiertage, an denen selbst Werner Kogler einmal seinen verlängerten Arm, das Handy, nicht wie an Wochenenden nur für drei, vier Stunden ablegt. Der 25. Dezember sei, sagt er, die Luxusvariante der Erholung. Ob Politik, wie einmal ein langjähriger deutscher Politikjournalist geschrieben hat, eine Droge sei, von der Politiker nicht mehr loskommen, weil sie irgendwann beginnen, die Politik mit der Wirklichkeit zu verwechseln und sich selbst mit ihrer öffentlichen Rolle? Er überlegt kurz und meint, diese Gefahr bestehe. Bei sich selbst sieht er sie weniger. Schon deshalb, weil er sich als Teamplayer nie in die erste Reihe gedrängt habe.

Als Teamplayer spielt er nun mit Karl Nehammer, seinem dritten Kanzler, in einer neuen Liga. Es hätte sich doch, meint er, niemand erwartet, dass einmal die Grünen die stabile Kraft dieser Regierung sein würden. Stabilität erwartet er sich nun auch von Nehammer. Er habe ihn bei den Regierungsverhandlungen als anderen Typ kennengelernt, als der er in der Öffentlichkeit erschienen ist. „Er ist lange unterschätzt worden und bringt sicher bei unseren türkisen Partnern, die jetzt wieder lieber schwarz sein wollen, Stabilität hinein. Er ist von hoher Aufrichtigkeit, hat Handschlagqualität und ist einer, der sich rhetorisch nicht verstellt.“ Er überlegt kurz und fügt hinzu, dass Nehammer auch in Bleiberechtsfragen „anders gewickelt“ sei. Immerhin hätte es noch nie so viele positive Bleiberechtsfälle gegeben. Als Kritik an Kurz will er sein Lob allerdings nicht verstanden wissen. „Ich bin keiner, der jetzt Steine hinterherwirft. Sebastian Kurz hat mehr Qualitäten, als ihm viele zugestehen wollen. Aber es war eine sehr kleine, auf sich selbst bezogene Gruppe, die von Meinungsumfragen getrieben war.“

Was er von Neuwahlen und neuen Ampelkonstellationen hält? Er winkt ab: „Was ich da an Zurufen bekomme. Die Pandemie geht weiter. Da braucht man an nicht viel anderes denken. Das wäre verantwortungslos.“
Wie er damit umgeht, dass Kickl ihn und andere als Hochverräter bezeichnet? Er winkt ab. Neu sei da nur, dass nicht nur die Grünen attackiert würden. „Da kann ich nur sagen: Welcome to the club!“ Wirkliche Sorgen bereiten ihm Rechtsextreme, die bei den Demonstrationen ebenfalls mitmarschieren. „Wenn ein Prozent radikalisiert ist, können die das ganze Land terrorisieren.“

Ein Vollblutpolitiker, der wieder in die Politik gehen würde, wenn er heute 30 Jahre alt wäre? „Ja, würde ich. Da geht es um Feuer und Energie, etwas verbessern zu wollen. Und wenn man die nicht mehr hat, sollte man aufhören.“ Dass er im Schaufenster steht und sogar ein Foto über ihn mit einem Burger in der Hand für Empörung sorgte, kann ihn nicht aus der Ruhe bringen. „Da hat es geheißen, der frisst Burger und redet anders, obwohl ich nie dem Veganismus das Wort geredet habe. Abgesehen davon mag ich Burger gar nicht so.“

Am Christtag wird er den Kopf bei einem langen Spaziergang in Andritz einmal ordentlich „durchlüften“ und Delta, Omikron und die düsteren Szenarien der Krisenstäbe für einen Tag in die zweite Reihe verbannen. Einen Tipp zum weihnachtlichen Entspannen hat auch Miriam, eine begeisterte Malerin, für den Vizekanzler. „Beim Malen“, rät sie, „wird der Kopf frei.“ Sie schaut ihn an und sagt energisch: „Werner, ich bin ein Stadtmensch.“ Er nickt und meint lachend: „Ja, das sagst du, weil du nicht spazieren gehen willst.“

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Danke für Ihr Verständnis.

lieschenmueller
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Der Mann taugt mir

Stellt die SPÖ wirklich Doskozil auf, wechsle ich zu Kogler.

mobile49
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@lieschenmueller

willkommen in den ligusterhecken ;-)))>>(unverwüstlich aber a bisserl giftig)
oder so ähnlich ;-)

lieschenmueller
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@mobile49

Der ist Immergrün. Für mich Neuland, das ist nicht unbedingt betreten muss. Ich hoffe, man stellt mich nicht vor die Wahl.

Mein Graz
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@lieschenmueller

DAS verstehe ich!
Dosko, der unangenehme Hacklschmeißer, wäre vermutlich auch für andere unwählbar.
Wäre so einer bei den Grünen angetreten, ich hätte mich nach einer Alternative umsehen müssen.

lieschenmueller
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Könnte mir vorstellen, er bringt unter Umständen mehr Stimmen als welche, die er vertreibt

Aber im Falle des Falles wäre das dann nicht mehr meine politische Heimat und als Alternative bietet sich nur mehr die eine Partei.

Unter Kogler tät es mir nicht ganz so schwer fallen, da mal hinzuwechseln.

Ich mache ein kleines Fragezeichen bei seiner Aussage, dass ihn nichts mehr erschüttere. Ich denke, er wolle besser damit sagen, dass ihn nichts mehr überrasche!

Weil DA stimmen sicher viele mit ihm über ein. Bis einen dämmert, es geht dennoch noch tiefer. Siehe tägliche Schlagzeilen!

Balrog206
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Grün

Ist das neue rot nur moderner ! Für mich wären sie sogar wählbar wen da nicht 2-3 Themen wären die ich nicht für gut halte ! Mit rot und schwarz verändert sich in unserem Land mal nichts !

Balrog206
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Dabei

Wäre er der Lichtblick bei den roten ! Da sieht man wie weit weg ihr von den Wählern seit ! Aber ja nur hereinspazierten !

lieschenmueller
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von den Wählern

Nur als kleine Anmerkung, in diesen Begriff beziehe ich mich mit ein. Oder darf ich beim Kreuzerlmachen aus irgendwelchen Gründen nicht mehr teilnehmen?

Wahlverhalten wechselt. Ich bin ohnehin eine Treue. Aber alles akzeptiere ich aus dieser heraus nicht.

Balrog, Du bist ja Deinen Zeilen nach auch ein nicht hundertprozentig Zufriedener bei "Deiner Farbe". Nach all den Vorkommnissen müsstest Du noch mehr Zweifel haben bzw. Dich mit Grausen abwenden. Wenn Du Dir in diesem Mann einen Lichtblick findest, nur zu ;-) Wär im Grunde ein Treppenwitz, so wie Du Rot jedesmal als Frustthema nimmst.

mobile49
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@lieschenmueller

bei balrog bin ich mir nicht so sicher , ob er nicht NUR "stänkern" will

so ähnlich einem pupertierenden , der über die mädchen lästert , um nicht in den verdacht zu geraten , er sei in eine davon bis über die letzte haarspitze verknallt

aber , ich kann mich ja auch täuschen - doch ein schlechter "kerl" ist er anscheinend nicht

Mein Graz
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@mobile49

Vermutlich ist er kein "schlechter Kerl".
Wer aber ununterbrochen in solcher Weise auf eine Partei und deren Wähler losgeht und ständig abfällige Kommentare über andere User schreibt, um sie zu diffamieren und lächerlich zu machen, gehört m. E. Auch nicht zu den "Guten".
Dazu kommt, dass er fast nie eigene Kommentare verfasst, also agiert, sondern fast ausschließlich reagiert, und das in rüder bis beleidigender Weise.

mobile49
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@Mein Graz

mein mittlerer absatz deutet darauf hin - manche wachsen eben nicht heraus aus dieser phase - das ist auch aufmerksamkeit erregen - wie ein kind , dass nicht genügend entgegenkommen verspürt .
ausserdem gibt es ja auch das zwischending "so lala"

Mein Graz
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@mobile49

"So lala" lasse ich gerne gelten.
Oder vielleicht ein bissl "so gaga"?
😂

Schönen Stefanitag wünsche ich euch!

mobile49
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@Mein Graz

danke , auch dir einen schönen stefanisonntag
bleib gesund

mir fällt bei balli immer diese muppetshow ein ;-))

Balrog206
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Mobile

Nur wer v der muppet Show ? 😉 so schönen Feiertag ich bin in der Küchen gefesselt zum Fleisch parieren jetzt !

mobile49
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@Balrog206

darfst dirs aussuchen - li oder re auf dem balkon
und anscheinend bist im panieren meister - ob auch im parieren , das ist die frage
gutes gelingen und schönen feiertag
bleib gesund

Balrog206
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Mobile

Der war jetzt gut 😂 ! Aber fürn Balkon bin ich eindeutig zu jung , ein Cuvee aus mehreren muppets könnte hinkommen 😉 ! Schönen Feiertag !

mobile49
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@Balrog206

koch oder fleischhauer ?
oder küchengehilfe in "mamas" küche ?

mobile49
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@Balrog206

ok , einigen wir uns auf den grünen balkonmuppet mittelinks

noch etwas grün hinter den ohren

mahlzeit

Irgendeiner
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Naja,ich hoffe daß Kogler wirklich eine gewisse Hartleibigkeit hat,das Wasser wird

nicht so schnell ruhig fließen,aber weil man mit Anschober kontrastiert,der Menschenleben nach vorne gestellt hat und das Mutantenzüchten zu Tirol beenden wollte,wo ihm so Kompetenzler zuriefen er würde sie kennenlernen und ein Kanzlerdarsteller neidig auf Umfragewerte ihn im Regen stehen ließ,Sanftmütigkeit ist kein Manko,der Fehler liegt da beim anderen,denn mehr als anzustreben Dinge im freundlichen und vernünftigen Diskurs zu lösen kann einer nicht, viele Grüne sind halt so,aber solange Pampigkeit und Grobheit und Hinterlist mit Stärke verwechselt werden sollte man immer einen bei der Hand haben, der die virtuelle Gnackwatschen auch zu applizieren weiß,ist in mancher Umgebung schlicht realiter notwendig..Es spricht aber gegen das Setting, nicht gegen Anschober.

mobile49
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@Irgendeiner

und da lautet ein sprichwort > wer laut wird hat keine argumente
oder > wer schreit hat unrecht
aber bei vielen zieht eben nur das "tamtam" > und schwächlinge suchen sich immer den größten rabauken zum "freund" , der sie dann "verkohlt" und abstaubt

Stony8762
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Irgendwie hat VK Kogler mitgetan, Kickls Wunsch 'Kurz muss weg' zu erfüllen, hat ihm aber auch seinen schlimmsten Alptraum beschert: Nehammer!

Stony8762
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Was denn! Nehammer IST Kickls Alptraum!

deCamps
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Restpekt und Achtung Herr Vizekanzler.

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Politiker sind auch nur Menschen, wenn sie es ein wollen. So einfach ist das. Ihre Person und ihr derzeitiges positives wirken seit die GRÜNEN wieder im Nationalrat, in einer Koalition und in einer Regierung sind, wie ich immer schreibe, ist vorauszusehen, dass bei der nächsten NR Wahl die alte Regierung wieder die neue heutige sein wird. Eine stabile Familie ist der Grundstein, die Basis für Menschen, die darin leben.
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Aus humoristischer, ironischer und zynischer wie religiöser Sicht möchte ich festhalten. Gott schütze uns vor der FPÖ und einige ihrer Mitglieder samt der Ideologie und den NEOS. Mögen sie auch hin und wieder vertretbare Standpunkte einnehmen.

RonaldMessics
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Ich wünsche....

...ihm frohe Festtage. Einfach mal ohne irgendwelche wichtigtuerischen Bemerkungen.

rouge
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Nicht unerwähnt

soll bleiben, dass ohne Zadic vieles unaufgeklärt und zugedeckt bliebe. Die beste Ministerin in der Regierung.

lombok
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Liebes Team der Kleine Zeitung!

Schön, dass Sie gestern und heute kaum bzw. keine Corona-Berichte bringen. Daran sehen Sie, dass es durchaus so auch funktionieren kann. Weniger ist oft tatsächlich mehr.

Machen Sie weiter so!

Vielen lieben Dank und frohe Weihnachten!

 
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