Omikron ist in Europa rapide auf dem Vormarsch. In Österreich sind bereits 59 Fälle der neuen Variante des Coronavirus bestätigt. Omikron ist deutlich ansteckender, die Maßnahmen wirken aber auch gegen die neue Variante. So dürfte durch den Lockdown verhindert worden sein, dass sich Omikron in Österreich so rasch verbreitet wie in anderen Ländern.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne), die Generaldirektorin für öffentliche Sicherheit Katharina Reich sowie den Experten Andreas Bergthaler und Herwig Ostermann gaben heute ein Update zur Lage in Österreich und riefen zur Impfung vor Weihnachten auf. Gesundheitsminister Mückstein kündigt außerdem eine Empfehlung für die Auffrischungsimpfung schon nach vier Monaten für alle ab 12 an.

59 bestätigte Fälle der ansteckenderen Variante

"Wir wissen schon vieles über die neue Virusvariante, aber noch nicht genug", sagt der Gesundheitsminister. Bisher gibt es 59 bestätigte Omikron-Fälle in Österreich. Daten würden darauf schließen lassen, dass Omikron ansteckender sei, sagt der Gesundheitsminister. Ob die neue Variante auch zu schwereren Verläufen führt als die vorherrschende Delta-Variante, ließe sich noch nicht sagen.

"Wir können mit einiger Sicherheit sagen, dass Auffrischungsimpfungen einen Schutz gegen Omikron bieten." Daher fordert der Gesundheitsminister erneut zur Impfung und zum Booster-Shot auf: "Damit können wir uns ein stabileres Schild gegen das Virus bilden."

"Es ist auch ein schönes Weihnachtsgeschenk, wenn man sich impfen lässt", sagt Mückstein, denn damit schütze man sich selbst, seine Liebsten und die Gesellschaft. Beim Weihnachtsfest selbst empfiehlt der Gesundheitsminister, die Einladungsliste möglichst kurzzuhalten und sich nur in kleinen Gruppen zu treffen. Auch Tests seien wichtig, vor allem, wenn man mit Älteren oder Vorerkrankten feiert. Mückstein erinnert auch generell an bestehende Schutzmaßnahmen wie Händewaschen und das Tragen von FFP2-Masken.

Omikron "viel infektiöser"

Mit einer Auffrischungsimpfung habe man aller Voraussicht nach rund 70 Prozent Schutz vor Omikron, sagt der Virologe Bergthaler. Das sei zwar weniger als gegen die Ursprungsvariante Alpha oder die aktuell vorherrschende Delta-Variante, aber immer noch ein guter Wert. Erste Daten aus Südafrika würden auf schwächere Verläufe hinweisen. Das sei aber noch nicht gesichert. Klar sei hingegen, dass Omikron "viel infektiöser" sei, sagt Bergthaler.

England, wo Omikron schon stark verbreitet ist, gehe nun davon aus, vor der stärksten Coronawelle seit Beginn der Pandemie zu stehen, sagt der Virologe. In Österreich habe der Lockdown verhindert, dass sich Omikron in Österreich schnell durchsetzen konnte. Es gebe aber hierzulande neben den 59 bestätigten weitere Omikron-Fälle, die noch nicht im gesicherten EMS eingetragen sind, betont der Virologe.

Man müsse sich nun in Österreich auf eine große Welle im Jänner vorbereiten. "Es ist immer noch ein Coronavirus. Dementsprechend helfen Masken. Dementsprechend freut sich das Virus, wenn man eng auf Innenräumen zusammensteht", appelliert Bergthaler, nicht nur die geltenden Maßnahmen zu beachten, sondern auch Hausverstand zu verwenden.

"Verschnaufpause" für Impfung nutzen

Aktuell gibt es nur vereinzelte Omikron-Fälle. Das werde sich aber schnell ändern, sagt Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheits Österreich GmbH. "Omikron wird auf uns zukommen und in den nächsten Wochen das Fallgeschehen dominieren." Man könne durch Maßnahmen aber die Stärke der kommenden Omikron-Welle beeinflussen.

Er appelliert, die jetzige "Verschnaufpause" nach dem Lockdown zu nutzen, um sich impfen zu lassen, damit die Gesellschaft für die Omikron-Welle "spätestens im Jänner" geschützt ist. Das gelte auch für Genesene, denn eine Delta-Erkrankung schütze nicht vor einer Infektion mit Omikron. Ostermann erinnert auch daran, dass die Zahl der belegten Intensivbetten nicht so rasch zurückgeht, wie die der Neuinfektionen. Hier werde es noch weit bis Weihnachten eine angespannte Situation geben, so Ostermann.

Empfehlung für Booster ab 12 Jahren steht bevor

"Wir haben genug Impfstoffe im Land", sagt die Generaldirektorin für öffentliche Sicherheit, Katharin Reich. Jeder und jede, der sich vor Weihnachten impfen lassen will, werde das auch können. "Es steht auch ein neuer Impfstoff vor der Türe", erinnert Reich an die erwartete Zulassung von Novavax. "Bitte warten Sie nicht auf einen neuen Impfstoff", appelliert aber der Gesundheitsminister. Man solle sich noch vor Weihnachten impfen lassen.

Vier Monate nach der Zweitimpfung sollen sich auch Jugendliche ab 12 Jahren den dritten Stich holen können, kündigt Gesundheitsminister Mückstein an. Eine entsprechende Empfehlung des Nationalen Impfgremiums wird für morgen, 15. Dezember, erwartet. Bisher gab es das Booster-Angebot nur für über 18-Jährige. Lediglich in Wien wurde die Drittimpfung ab 16 angeboten.

"To-Do-Liste" gegen Omikron

Der Bundesrettungskommandant des Roten Kreuz, Gerald Foitik, veröffentlichte unterdessen auf Twitter eine "Omikron - To-Do-Liste". Foitik appelliert für eine Maskenpflicht in Innenräumen und auf Veranstaltungen und fordert mit 2G-Plus weitreichendes Testen auch für Geimpfte. In der Vorbereitung auf die nächste Welle will er auf die Impfung setzen, Lüftungskonzepte in Schulen umsetzen und feste Werte festlegen, bei denen ein Lockdown automatisch ausgelöst wird.