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Zielvorgabe bereits überschrittenKlimareport: Temperaturplus über Land bereits bei 1,5 Grad

Massive Rodungen in Brasiliens Regenwald alarmieren die Welt. Zu hoher Fleischkonsum, zu viel Rodung - diese Fakten macht auch der Bericht des Weltklimarats IPCC deutlich, der am Donnerstag in Genf veröffentlicht wurde.

© APA/AFP/FAO/LUIS TATO
 

Der weltweite Temperaturanstieg hat über den Landflächen der Erde bereits 1,53 Grad erreicht. Das geht aus dem am Donnerstag in Genf veröffentlichten Sonderbericht des Weltklimarats IPCC hervor. Unter Berücksichtigung der sich langsamer erwärmenden Meeresflächen sei die globale Temperatur insgesamt um knapp 0,9 Grad gestiegen.

Für diesen Report verglich der IPCC die Zeiträume 1850 bis 1900 und 2006 bis 2015. Der Weltklimarat hatte 2018 vor den Auswirkungen gewarnt, falls die globale Temperatur insgesamt über 1,5 Grad steigen sollte. In den kommenden Jahrzehnten werde die Zahl, Dauer und Intensität von Hitzewellen sowie Dürren nicht zuletzt rund ums Mittelmeer zunehmen, warnen die 107 Forscher aus 52 Ländern. In vielen Regionen werden außerdem häufiger extreme Regenfälle vorkommen.

Der Weltklimarat empfiehlt in seinem Bericht dringend, im Kampf gegen eine weitere Erwärmung der Erde die Wälder und nicht zuletzt die Moore besser zu schützen. Zugleich sieht der IPCC Gefahren für die sichere Versorgung mit Lebensmitteln. "Die Stabilität des Nahrungsmittel-Angebots wird voraussichtlich sinken, da das Ausmaß und die Häufigkeit von Extremwetter-Ereignissen, die die Lebensmittelproduktion beeinträchtigen, steigen wird."

Ich hoffe, dass wir die Aufmerksamkeit der Menschen für die Gefahren und Herausforderungen erhöhen können, die der Klimawandel für das Land bereithält, auf dem wir leben und das uns ernährt

Vorsitzender des Weltklimarats IPCC, Hoesung Lee

Der IPCC fordert ein radikales Umsteuern bei der Landnutzung. Um die wachsende Erdbevölkerung dauerhaft zu ernähren und zugleich das Klima zu schützen, müsse die internationale Gemeinschaft sofort handeln, fordern die Wissenschafter. Sie plädieren dafür, die Ausbeutung von Land, die Lebensmittelverschwendung und die CO2- Belastung durch die Landwirtschaft dringend zu reduzieren.

"Wir essen die Erde krank"

Als Reaktion auf den Bericht fordert die Umweltschutzorganisation WWF Österreich "eine radikale Trendwende in der Landnutzung und eine naturverträgliche Klimaschutz-Offensive."

Die Politik müsse reagieren: "Österreich muss sich auf EU-Ebene für eine Klimaneutralität bis 2040 statt 2050 einsetzen und selbiges auch in der Heimat vorantreiben. Das erfordert naturverträgliche Klimaschutzmaßnahmen in allen Sektoren des Energiesystems.“ 

Eine ähnliche Kritik kommt von Greenpeace: "Der IPCC-Bericht zeigt glasklar: Die Klimakrise ist auch eine Krise der Nahrungsmittelproduktion. Die Art und Weise, wie wir Nahrung produzieren, zerstört unsere Umwelt und lässt das Klima kollabieren. Wir essen die Erde buchstäblich krank", wird Jens Karg, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich, in einer Aussendung zitiert.

Hitzewellen und Überschwemmungen

Der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, Hoesung Lee, betonte zuletzt vor allem die symbolische Wirkung auf die Öffentlichkeit, die der Report aussenden könnte. "Ich hoffe, dass wir die Aufmerksamkeit der Menschen für die Gefahren und Herausforderungen erhöhen können, die der Klimawandel für das Land bereithält, auf dem wir leben und das uns ernährt."

Zuletzt war die Öffentlichkeit alarmiert worden durch den Umstand, dass die Rodungen im brasilianischen Regenwald unter der neuen Regierung massiv vorangetrieben wurden. In den vergangenen Monaten war eine dichte Wolkendecke über den Wäldern gelegen, das wahre Ausmaß der Rodungen wurde erst vor wenigen Tagen sichtbar. Wissenschaftler beziffern die bisherige die Vernichtung der Flächen mit rund 20 Prozent. Wenn 25 Prozent erreicht würden, sei die Wirkung unumkehrbar: Regenzeiten würden sich verkürzen, die Versteppung des Regenwaldes drohe.

Nach Angaben des brasilianischen Weltrauminstituts INPE ist die Abholzung in den ersten sieben Monaten im heurigen Jahr um 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Demnach wurden von Jänner bis Juli 4.700 Quadratkilometer abgeholzt. Bolsonaro hatte die Daten des Instituts scharf kritisiert und den INPE-Chef gefeuert.

 Viehzucht als Faktor

Der dramatische Verlust von Naturräumen – vor allem die Abholzung des Regenwaldes – befeuert die Klimakrise immens. Rund ein Drittel der Landfläche weltweit wird für die Landwirtschaft verwendet. Grund dafür ist unter anderem die massenhafte kommerzielle Fleischproduktion.

Die Rodungen im brasilianischen Regenwald konnten schon einmal eingedämmt werden. Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise wurden sie jedoch wieder massiv verstärkt, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro will es sich nicht nehmen lassen, den Regenwald wirtschaftlich zu nutzen - die Edelhölzer werden herausgeschlagen, die Areals mit Brandrodungen als Viehweiden nutzbar gemacht.

Bolsonaro lässt auch an einem Konzept arbeiten, wie der von Brasiliens Regenwäldern produzierte Sauerstoff zu Geld gemacht werden kann.

Brasilien rechnet nicht mit einem internationalen Boykott heimischer Produkte wegen der Rodung riesiger Flächen im Amazonas-Gebiet. Der Sprecher von Präsident Jair Bolsonaro sagte, die Regierung werde im Gegenteil eine Kampagne zur Förderung des Exports starten.

Die Rodungen sind in den vergangenen Jahren nicht nur in Brasilien flächenmäßig explodiert. Island setzte dieser Tage ein Zeichen: Millionen Setzlinge sollen die Insel wieder begrünen und damit ein Zeichen gegen den drohenden Klimakollaps setzen.

In vielen Ländern begründeten die Folgen des Klimawandels bereits schwere Nahrungsmittelkrisen, wie zuletzt in Simbabwe.

Kommentare (6)

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derdrittevonlinks
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Rinder gegen KFZ

CO2 im Austausch mit C02, samt Abholzung.
Und in Kürze sieht man einer Versteppung des Amazons Regenwald entgegen, dann ist der Ofen an, nicht wahr!

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che1
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So geht es nicht weiter

So, liebe Wählerinnen und Wähler.
Das ist das Ergebnis der „Arbeit“ unserer ÖVP UmweltministerInnen in den diversen Regierungen der letzten Jahrzehnte.
Das Ticket erhielten diese so genannten UmweltministerInnen von Ihnen, geehrte WählerInnen !
Am 29. September haben wir wieder die Möglichkeit den Nationalrat neu zu wählen, neue Mehrheiten zu bestimmen. Bitte sorgen Sie dafür dass jene die uns dieses Klimadesaster eingebrockt haben, keine Möglichkeit mehr erhalten ihr Unwesen weiter zu betreiben.

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Irgendeiner
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Ich geb Dir recht,aber differenzieren etwa zwischen Flemming

und Köstinger, rausgekommen ist da nirgends viel, aber Flemming hats wenigstens versucht.

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derdrittevonlinks
1
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Die Rotstrichler...

... waren sicher schon auf Mallorca, quasi um sich den eigenen Stoffwechsel beim Tauchgang mal genauer anzusehen, gell!
Kunststoffe sind bei einem Tauchgang ebenso zu entdecken, und ja, wenn man Glück hat, kann man einen Fisch zusehen der sich grad einen Happen Kunststoff schnappt.
Naja, angesprochen ist jedenfalls das Mercosur - Abkommen und da muss man sich aus Sicht der EU entziehen und nicht nur auf der Bremse stehen, will man an den Rodungen keine direkte oder indirekte Mitschuld tragen.

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Planck
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Die Lage ist wesentlich dramatischer -- und komplexer,

als es die mediale Resonanz auf diesen Bericht widerspiegelt.
Klar, Brasilien ist groß, Brasilien ist weit, und überhaupt, im Sommer ist es schon mal warm, net?
In Deutschland gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts 300 Millionen Vogel-Brutpaare, davon sind noch 60 Millionen übrig, wie der wohl berühmteste Ornithologe des deutschen Sprachraums, Peter Berthold, vor kurzem veröffentlicht hat.
Deutschland ist schon ein bisschen näher, oder?

Ich habe das letzte Rauchschwalben-Nest wahrscheinlich als höchstens Jugendlicher gesehen.
Es kracht an allen Ecken und Enden, und zwar vor jeder einzelnen Haustür.

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Irgendeiner
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Ja, an dieser Stelle wieder dank an die Naumann-Stiftung

und die FDP,nicht, und natürlich an all die turbokapitalistischen Idioten weltweit,denn der kriegt die Wirtschaft von einem der Chicago boys gemanagt der schon unter Pinochet ein Land mit der trotteligen Schocktherapie versenkte,müßtma auch über die Finanzierung der Klimaleugnung reden, durch das Atlasnetzwerk und was da bei uns Nähe dazu hat,Bolsanero kämpft ja gegen die Klimapsychose,nicht.Übrigens gibts da eine Chefredakteurin einer großen österr. Tageszeitung, nein, nicht dieser,die, wo Brandstätter einen Maulkorb bekam,nicht wegen des Buches über Bastiinterventionen,weil er zu den Neos gehen könnte wie vorher auch schon bekannt war und die hat so erhellende Sachen zum Klimawandel gesagt,das wäre berichtenswert,man könnte die auch zu einem Gastkommentar einladen, ich verspreche ich melde mich zu Wort, sehr hart und sehr ausführlich, weil irgendwo ist Schicht.

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